Fußball-EM steht an

Karl Lauterbach fordert mehr Corona-Lockerungen – aber er dämpft auch Hoffnung

Für die anstehende Fußball-EM fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach weitere Lockerungen der Corona-Regeln. Von einem Gedanken muss man sich in Deutschland aber wohl verabschieden.

Dortmund – Wer hätte das gedacht? Selbst Karl Lauterbach (SPD) kann sich angesichts der momentanen Entwicklung der Corona-Pandemie weitere Lockerungen der geltenden Corona-Regeln vorstellen. Zum Teil hält der SPD-Politiker die sogar für geboten. Sein Blick richtet sich dabei vor allem auf die anstehende Fußball-EM.

PolitikerKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 (Alter 58 Jahre), Düren
ParteiSPD
Mitglied im Bundestag seit2005

Corona-Lage in Deutschland scheint selbst „Mahner“ Lauterbach zu entspannen

Der gebürtige Dürener galt gemeinhin nicht unbedingt als der größte Pandemie-Optimist. Bei unzähligen Auftritten in Talkshows hob der 58-Jährige mahnend den Zeigefinger. Zuletzt äußerte Lauterbach öffentlich Bedenken, dass es im Herbst zu neuen Corona-Problemen in Deutschland kommen könnte.

Doch für den Moment scheint der bundesweit sinkende Inzidenzwert den studierten Mediziner und Epidemiologen zu beruhigen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Sonntagmorgen (30. Mai) bundesweit 3852 Neuinfektionen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 35,2 – am Vortag hatte der Wert noch bei 37,5 gelegen (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Lauterbach plädiert für Corona-Lockerungen während der EM – Public Viewing aber „zu riskant“

Mit Blick auf die anstehende Fußball-Europameisterschaft kann sich Lauterbach deshalb weitere Lockerungen vorstellen. Große Public Viewings, wie sie bei solchen Turnieren in Deutschland Tradition sind, hält der Bundestagsabgeordnete aber für „zu riskant“. Die Impfquote sei zu niedrig, um mit Hunderten Fans dicht gedrängt Fußball zu schauen, sagte Lauterbach der Bild am Sonntag.

„Was gut gehen wird: mit neun Freunden zusammen im Außenbereich eines Restaurants die EM zu gucken.“ Lauterbach fordert, dass dafür möglichst zeitnah und möglichst unbürokratisch Möglichkeiten geschaffen werden. Solche gemeinschaftlichen Erlebnisse seien auch für die Psyche der Menschen wichtig. „Die Menschen brauchen nach den harten Monaten Momente der Entspannung.“

Nicht nur auf der Fanmeile in Berlin hat Public Viewing bei Spielen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Tradition.

Konkret fordert Lauterbach, dass die Restaurants während der EM-Wochen draußen länger als 22 Uhr öffnen dürfen. So könnten auch alle 21-Uhr-Spiele geguckt werden. Der Gastronomie, die nicht nur in NRW wieder öffnen darf, sollten dazu zusätzliche Außenflächen – etwa Bürgersteige – unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.

Lauterbach fordert Corona-Ausnahme für vier DFB-Spieler – „saubere Lösung, kein Gemurkse“

Ein reibungsloser Ablauf der anstehenden Fußball-EM scheint dem SPD-Politiker ohnehin ein großes Anliegen zu sein. Zuletzt plädierte Lauterbach im Umgang mit vier England-Legionären in der deutschen Nationalmannschaft bezüglich der Corona-Einreiseverordnung für eine Ausnahmeregelung.

Denn Ilkay Gündogan (30), Antonio Rüdiger (28), Timo Werner (25) und Kai Havertz (21) standen mit ihren jeweiligen Mannschaften am Samstagabend (29. Mai) im Finale der Champions League, welches der FC Chelsea dank eines Treffers von Havertz in der 42. Minute gegen Manchester City mit 1:0 für sich entscheiden konnte.

Bei der Einreise nach Deutschland müssten die vier Nationalspieler derzeit für 14 Tage in Quarantäne, ein Freitesten ist nicht möglich. Denn Großbritannien gilt aufgrund der indischen Mutation als Virusvariantengebiet. DFB-Direktor Oliver Bierhoff (53) steht deshalb bereits mit den Behörden und dem Bundesgesundheitsministerium in Kontakt. Lauterbach forderte im Gespräch mit der ARD-Sportschau eine Ausnahme für die vier Spieler.

EM unter Corona-Bedingungen: Deutschland spielt erstmals am 15. Juni

„Ich würde bei den vier Spielern täglich einen PCR-Test machen lassen, der dann sequenziert, also auf die indische Variante untersucht wird. Das garantiert höchste Sicherheit und wahrt das nationale Interesse, die Fußballer trainieren zu lassen“, sagte Lauterbach. Das würde zwar einer Ausnahmeregelung gleichkommen, sei aber „alles andere als Gemurkse“ und eine „saubere Lösung“.

Derzeit bereitet sich das DFB-Team im österreichischen Seefeld/Tirol auf die anstehende Europameisterschaft in zehn europäischen und einer asiatischen Stadt vor. Die drei Gruppenspiele der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich (15. Juni, 21 Uhr), Portugal (19. Juni, 18 Uhr) und Ungarn (23. Juni, 21 Uhr) finden jeweils in der Münchener Allianz Arena statt.

Rubriklistenbild: © Stefanie Loos, John Macdougall/AFP; Collage: RUHR24

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