Zahlen steigen weiter

Corona: Mediziner fordern Rückkehr in den Lockdown

Die deutschlandweite Inzidenz steigt weiter. Intensivmediziner fordern jetzt die sofortige Rückkehr in den harten Lockdown.

Deutschland – Die Bevölkerung hat die monatelangen Lockdown-Beschränkungen mittlerweile mehr als satt. Der Frust äußert sich auch in sinkenden Umfragewerten für die Verantwortlichen. Insbesondere, weil die Menschen der Pandemie überdrüssig sind, hatten sich Bund und Länder auf schrittweise Öffnungen geeinigt. Die Corona-Zahlen könnten diesem Plan allerdings im Wege stehen – denn sie steigen immer weiter. Mediziner fordern daher jetzt bereits erneute Schließungen.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verkust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona-Zahlen steigen deutschlandweit – Intensivmediziner fordern Konsequenzen

Die Inzidenz liegt bundesweit mittlerweile wieder bei über 80. Aufgrund dieses Anstiegs der Zahlen fordern Intensivmediziner jetzt eine sofortige Rückkehr in den Lockdown (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), Christian Karagiannidis, sagte am Montag gegenüber dem rbb: „Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen, und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante, würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen.“

Intensivmediziner: Lockdown hat Situation auf den Intensivstationen entlastet

Hintergrund seiner Forderung ist die Gefahr, dass die Belastung für die Intensivstationen zu groß wird. Sowohl die Todeszahlen waren wochenlang zurückgegangen als auch die Zahl der Patienten, die wegen dem Coronavirus intensivmedizinisch behandelt werden müssen.

Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin Prof. Dr. Uwe Janssens hatte diesen Erfolg kürzlich vor allem auf den Lockdown zurückgeführt. Zwar hätten auch die Impfungen in der Gruppe der über 80-Jährigen bereits Effekte gezeigt, es seien deutschlandweit aber noch nicht genug Menschen geimpft, um die sinkenden Zahlen nur damit zu begründen.

Corona-Zahlen steigen – kein Rückgang der Intensivbettenbelegung mehr

Mittlerweile müssen allerdings wieder mehr Menschen wegen Covid-19 auf der Intensivstation behandelt werden. Das bestätigt auch DIVI-Präsident Gernot Marx. Gegenüber der Augsburger Allgemeinen warnt er davor, dass „die Zahlen steigen“.

Insbesondere aufgrund der sich ausbreitenden britischen Mutante B.1.1.7 befürchtet er einen dramatischen Anstieg der Intensivpatientenzahlen in den nächsten Wochen. Laut einer neuen DIVI-Prognose könnten die Zahlen bereits Anfang Mai ungefähr den Höhepunkt der zweiten Welle zum Jahreswechsel erreichen.

Fordert die Länder auf, die „Notbremse“ zu ziehen: Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)

Steigende Corona-Zahlen: DIVI fordert Länder auf, die „Notbremse“ zu ziehen

„Die DIVI fordert mit Blick auf die steigenden Zahlen die Umsetzung der am 7. März beschlossenen Maßnahmen der Ministerpräsidentenkonferenz“ erklärt der DIVI-Präsident gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Damit bezieht er sich auf die von Bund und Ländern beschlossene „Notbremse“. Der Beschluss sieht eine Rückkehr in den Lockdown vor, wenn in einer Region die Zahl der Neuinfektionen wieder die Marke von 100 je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen erreicht.

Prognose der DIVI: Ohne Lockdown gerät die Situation außer Kontrolle

Auch der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, hofft, dass die Länder sich an diese Vereinbarung halten. „Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5000, 6000 Patienten auf der Intensivstation sehen“, befürchtet Karagiannidis.

Zuletzt hatte die beschlossene „Notbremse“ für Aufsehen gesorgt, da sich nicht alle Bundesländer daran halten, wie vereinbart ab einer Inzidenz von 100 Lockerungen wieder zurückzunehmen. Die Bundesregierung hatte daher eindringlich an die Länder appelliert.

„Notbremse“ als Ausweg – Bundesregierung appelliert an Länder

„Wir müssen den Beschluss vom 3. März umsetzen, nicht nur in seinen erfreulichen Passagen, sondern eben auch in seinen schwierigen“, mahnte Regierungssprecher Steffen Seibert (60) daher am 15. März. Aktuell sehe man steigende Inzidenzen und steigende Fallzahlen – insbesondere auch in der jüngeren Bevölkerung – sowie kein Rückgang der Intensivbettenbelegung mehr.

Das seien „ungute Entwicklungen“, auf die man reagieren müsse, so Seibert weiter. Sein Appell richtet sich an die zahlreichen Landkreise, die aktuell dauerhaft über der 100er-Marke liegen – aber dennoch an ihren Öffnungskonzepten festhalten.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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