Uğur Şahin zum Impffortschritt

Sommer im Lockdown? Biontech-Gründer sagt Ende der Beschränkungen voraus

Wann endet der Lockdown endlich? Diese Frage stellen sich aktuell wohl die meisten Menschen. Der Biontech-Gründer wagt jetzt eine Prognose.

Deutschland – Die Corona-Zahlen steigen und gleichzeitig sind die Menschen pandemiemüde. Der monatelange Lockdown hat an unser aller Nerven gezerrt. Standen die Zeichen noch vor wenigen Wochen auf Öffnungen, scheint ein Ende der Beschränkungen wieder in weite Ferne gerückt zu sein. Gegenüber der Welt am Sonntag äußert sich Biontech-Gründer Uğur Şahin jetzt dazu, wann er mit einem Ende der Shutdowns rechnet.

Biontech SEdeutsches Biotechnologieunternehmen
GründerUğur Şahin
Gründung2008

Corona-Pandemie: Bundeskanzlerin machte Hoffnung auf Sommer ohne Lockdown

Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) hatte noch am Mittwoch (10. März) die folgende Prognose abgegeben, wann es mit den Beschränkungen vorbei sein könnte: „Das sind jetzt noch drei, vier schwere Monate: März, April, Mai, Juni.“ In einem Digitalgespräch, das sie mit Mitarbeitern von Hilfs- und Krisentelefonen führte, rief sie die Menschen zum Durchhalten auf (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Bis Juni hätten die Einschränkungen unser Leben noch im Griff – im Sommer sei aber mit einer Entspannung der Lage zu rechen, so die Bundeskanzlerin. In einem aktuellen Interview mit der Welt am Sonntag schätzt Biontech-Gründer die Lage anders ein – trifft seine Prognose zu, werden wir den Sommer im Lockdown verbringen.

Corona: Biontech-Gründer mit Prognose – entspanntere Lage erst zum „Ende des Sommers“

In dem Interview, das die Welt am Sonntag mit Uğur Şahin und seiner Ehefrau Özlem Türeci geführt hat, mutmaßt der Biontech-Chef: „In vielen Ländern in Europa und in den USA, werden wir wahrscheinlich Ende des Sommers in der Situation sein, nicht mehr in einen Lockdown zu müssen“.

Außerdem werde es mindestens ein Jahr dauern, bis die Menschheit „die Kontrolle über die Situation“ habe. Wie andere Experten ist sich auch der Biontech-Gründer sicher, dass das Coronavirus nicht verschwinden, aber beherrschbar werde.

Uğur Şahin: Damit das Virus den „Schrecken“ verliert, müssen 70 Prozent der Bevölkerung geimpft sein

Um die Situation in Deutschland unter Kontrolle zu bekommen, sei es notwendig, dass mindestens 70 Prozent der Bevölkerung geimpft seien. Auch größere lokale Ausbrüche und Mutationen würden dann nach seiner Einschätzung „mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Schrecken verbreiten“.

Gleichzeitig spricht er sich dafür aus, die Hausärzte beim Impfen mit einzubinden. Dann sei es kein Problem, „80 Millionen Menschen jedes Jahr einmal zu impfen.“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: Impfen ist „Gebot der Stunde“

Das Biontech-Gründerpaar Uğur Şahin und seine Frau Özlem Türeci waren am Freitag (19. März) mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden. Ihr Impfstoff war der erste, der Ende Dezember 2020 in der EU zugelassen wurde.

In seiner Rede betonte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (65, SPD), Impfen sei „das Gebot der Stunde“. Denn, „mit jedem geimpften Menschen können wir einen kleinen Schritt zurück in Richtung Alltag gehen, einen Schritt hin zu dem Leben, das wir vermissen, und zu den Menschen, die wir lieben.“

Pandemie-Situation in Deutschland: Britische Mutante nicht mehr aufzuhalten

Da Impfungen derzeit das einzige wirksame Mittel gegen das Coronavirus sind – abgesehen von den Lockdown-Beschränkungen, ist es umso schlimmer, dass Deutschland hier derart hinterherhinkt. Aber der langsame Impffortschritt ist nicht das einzige Problem: Als Angela Merkel ihre zuversichtliche Prognose von einem Sommer ohne Shutdown abgegeben hat, war noch die Inzidenz von 35 als Maß aller Dinge im Gespräch – derzeit sind wir vielerorts der 135 näher als der 35.

Ein entscheidender Grund für die negative Entwicklung ist die Ausbreitung der britischen Mutation B.1.1.7. Tatsächlich gehen britische Forscher aktuell davon aus, dass selbst Großbritannien, wo bereits die Hälfte aller Erwachsenen zumindest die Erstimpfung bekommen hat, an der nächsten Welle nicht vorbeikommt.

Neue Corona-Studie: Auch in Großbritannien können Impfungen die dritte Welle nicht aufhalten

So veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin The Lancet am Donnerstag (18. März) eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, „dass die Impfung allein nicht ausreicht, um den Ausbruch einzudämmen.“ So sei in Großbritannien ebenfalls weiterhin mit zahlreichen Neuinfektionen zu rechnen und die dritte Welle auch im Vereinigten Königreich nicht aufzuhalten. Als Grund geben die Forscher an, dass die britische Mutante B.1.1.7 insbesondere die jüngere, ungeimpfte Bevölkerungsgruppe treffe.

Vor diesem Hintergrund erscheint die Einschätzung des Biontech-Gründers, erst im Herbst sei mit mehr Normalität zu rechnen, durchaus realistisch. Die gute Nachricht in diesem Zusammenhang: Weiterhin gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Impfstoff von Biontech/Pfizer auch gegen die britische Mutation wirksam ist.

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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