Härtere Maßnahmen geplant

Regierung plant „Lockdown light“: Was die neuen Beschlüsse bedeuten

Ein „Lockdown light“ soll nun helfen die zweite Corona-Welle zu brechen. Das wären die Maßnahmen, wenn er kommt.

Deutschland - Die Diskussion um weitere Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus nimmt angesichts der steigenden Zahlen aktuell wieder Fahrt auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll wieder härtere Auflagen in mehreren Bereichen anstreben.

ErkrankungCovid-19 (Coronavirus)
SymptomeFieber, trockener Husten, Müdigkeit
Prävention u.a.Hände waschen, Maske tragen, Abstand halten

Coronavirus: Angela Merkel denkt über weitere Maßnahmen nach

Nach Berichten der Tagesschau fordert auch Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) zusätzliche Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Der dramatische Anstieg der Zahlen in den vergangenen Tagen sei „sehr besorgniserregend“, so der Politiker.

Mögliche Maßnahmen sollten aber zielgerichtet und zeitlich befristet sein. „Und sie sollten deutschlandweit möglichst einheitlich getroffen werden und allgemein verständlich sein.“ In den kommenden Wochen entscheide sich, ob Deutschland weiter vergleichsweise gut durch die Pandemie komme. „Wir haben es selbst in der Hand“, betonte Scholz.

Coronavirus: Bars und Restaurants sollen während „Lockdown light“ wieder schließen

Wegen der angespannten Pandemie-Entwicklung beraten Bundeskanzlerin Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder bereits am Mittwoch (28. Oktober) in einer Video-Konferenz über das weitere Vorgehen. Nach Informationen der Bild will sich das Kanzleramt im Zuge dessen für mögliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens aussprechen.

Konkret wolle die Kanzlerin eine Art „Lockdown light“ mit den Vertretern der Länder diskutieren. Dieser sehe unter anderem die Schließung von Bars und Restaurants sowie Veranstaltungsverbote vor. Im Gegensatz zum Frühjahr sollten Schulen und Kitas jedoch weiter geöffnet bleiben, außer in Regionen mit katastrophal hohen Infektionszahlen. Der Einzelhandel solle mit neuen Einschränkungen offen bleiben (alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Merkel warnt vor „schwieriger Situation“ im Kampf gegen das Coronavirus

Laut Bundeskanzlerin Merkel dient vor allem der Wissensstand über das Coronavirus als Maßstab für mögliche Einschränkungen. „Wir wissen heute etwas mehr über das Virus“, sagte sie. „Wir wissen, wie wir uns schützen können. Wir können zielgerichteter vorgehen. Aber wir sehen auch bei den steigenden Zahlen, dass wenn wir das, was wir wissen über das Virus, nicht einhalten, dass wir dann wieder in Situationen kommen, die ausgesprochen schwierig sind.“

Pflegebedürftige, Kranke oder Menschen mit Behinderungen dürften durch Einschränkungen aber nicht vom gesellschaftlichen Leben im Zuge des Infektionsschutzes ausgeschlossen werden. Kontaktbeschränkungen seien hier besonders belastend. Einschränkungen dieser Art dürften nur befristet sein, so Merkel. „Es muss ein Schutzkonzept sein, das nicht zu einer Separation von Gesellschaftsteilen führt.“

Coronavirus: Das sagen weitere Politiker zum „Lockdown light“

Bundeskanzlerin Merkel steht mit ihrem Wunsch nach einem vergleichsweise milden Lockdown* nicht alleine da. Auch der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Thomas Strobl fordert bei weiterem Anstieg der Infektionszahlen einen zeitlich begrenzten Lockdown.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warb ebenfalls für eine befristete Schließung sämtlicher Einrichtungen für zwei Wochen. „Wenn wir den Sonderweg Deutschlands retten wollen, auch besser durch die zweite Welle zu kommen, dann muss ein Wellenbrecher-Shutdown jetzt kommen“, sagte er.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert drastische Maßnahmen. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Gastronomie wehrt sich gegen mögliche Schließung wegen des Coronavirus

Gegenstimmen zu den vorgeschlagenen Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus gibt es vor allem als der Gastronomie und der Tourismusbranche. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) warnt vor den Folgen eines milden Lockdowns:„Unsere Unternehmer benötigen Planungssicherheit und haben einen Anspruch darauf, dass alle Maßnahmen wohl begründet und verhältnismäßig sind“, so Dehoga-Präsident Guido Zöllick.

Die Zahlen des Robert Koch-Instituts würden zeigen, dass Hotellerie und Gastronomie kein relevantes Infektionsgeschehen aufwiesen. „Sollte unsere Branche aus pandemiebedingten Gründen quasi mit einem Berufsverbot belegt werden und damit eine Sonderlast in der Corona-Pandemie tragen, müssen die politisch Verantwortlichen schnell und vollumfänglich für den Schaden aufkommen.“, meint Zöllick. Für ein Drittel der Betriebe drohe bei einer erneuten Schließung das endgültige Aus.

Coronavirus: Zahlen könnten Ende der Woche bei 20.000 Infektionen täglich liegen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts haben die Gesundheitsämter zuletzt 11.409 Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb eines Tages (Stand 27. Oktober) gemeldet. Noch vor einer Woche lag die Zahl bei 6868.

Mit Blick auf die Zahlen warnte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), dass es schon am Ende der Woche 20.000 Fälle am Tag geben könne. Das sei eine Zahl, die man sich vor drei Wochen noch gar nicht habe vorstellen können. *Owl24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Markus Schreiber/dpa