Einchecken per App

„Klopf & Meet“ – Geschäfte wollen jetzt mit neuem Corona-Konzept öffnen

Corona Click und Meet in Frankfurt am Main
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Click und Meet in Frankfurt. Eine Händler-Initiative fordert jetzt ein neues Konzept. (Symbolbild)

Die Corona-Krise hat den Handel schwer getroffen. Eine Initiative fordert jetzt Öffnungen der Geschäfte per Check-in.

Deutschland – Das Konzept „Click & Meet“, also das Shoppen mit Termin, steht stark in der Kritik. Vor jedem Einkauf erst einen professionellen Test durchzuführen, ist gerade für Berufstätige oder Eltern mit Kindern einfach viel zu umständlich. Die Initiative „Händler helfen Händlern“ will daher jetzt „Click & Meet“ umändern in „Klopf & Meet“.

Händler helfen HändlernInitiative des Handels
Gründung19. März 2020
SprecherROSE Bikes-Geschäftsführer Marcus Diekmann

Handelsverband Deutschland: Branche kämpft trotz „Click & Meet“ mit Umsatzverlusten

Laut Handelsverband Deutschland (HDE) ist das Shoppen mit Termin lediglich „ein erster Schritt, aber keine dauerhafte Öffnungsstrategie.“ Gemäß einer Umfrage unter 1.000 Händlern aus März 2021 beklagt der Verband weiterhin Umsatzverluste von rund 30 Prozent, berichtet das Portal Marketing Börse (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Die Situation sei für den Handel weiter existenzbedrohend. „Die zaghaften Öffnungsperspektiven bieten Händlern keinen Ausweg aus ihrer Existenznot. Sie sind ein Verlustgeschäft“ betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Aktuell hat es beispielsweise Saturn und Media Markt hart getroffen – zahlreiche Filialen werden geschlossen.

Video: Handelsverband klagt: Click & Meet ist „reines Verlustgeschäft“

Händler fordern nachhaltiges Konzept für Öffnungen

Der HDE fordert daher ein anderes nachhaltiges Konzept für Öffnungen, das sich von den strikten Inzidenzen löst und beispielsweise auch die Auslastung der Intensivbetten oder Testquoten berücksichtigt. Die Initiative „Händler helfen Händler“ hat eine solche Alternative nun vorgeschlagen. Sie geht dabei noch einen Schritt weiter, wie das Handelsblatt berichtet.

Der Zusammenschluss aus rund 3.000 Händlern fordere einen echten „Kurswechsel“ in der Corona-Politik. Dabei helfen soll die Luca-App.

Click und Meet in Berlin – das Konzept hat sich bislang nicht bewährt. (Symbolbild)

Corona-Pandemie: Händler-Initivative schlägt Check-in per Luca-App vor

Die von Rapper Smudo mitentwickelte App soll eine effiziente Kontaktrückverfolgung ermöglichen. Genau das will der Handel sich jetzt zunutze machen. Der Plan der Initiative „Händler helfen Händlern“: Verpflichtende, digitale Einlasskontrollen per Luca-App sollen für eine lückenlose Nachverfolgung sorgen.

Die Händler würden sich dabei verpflichten, nur noch Kunden in die Geschäfte zu lassen, die zuvor per App eingecheckt haben. Damit ist eine verschlüsselte Kontaktdatenübermittlung bei jedem Check-in garantiert. Zugleich wäre es den Gesundheitsämtern dann möglich, Infektionsketten automatisch nachzuverfolgen.

Öffnungen trotz Corona? Aus „Click & Meet“ soll „Klopf & Meet“ werden

In Anlehnung an „Click & Meet hat die Initiative ihr Konzept „Klopf & Meet“ getauft. Neben der Einlasskontrolle per Luca-App sollen FFP2-Masken Pflicht werden. Außerdem soll nur ein Kunde pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche erlaubt werden.

Dabei haben die Händler eine klare Forderung an die Politik: Öffnungen sollen grundsätzlich auch bei hohen Inzidenzen erlaubt sein. Auch NRW lässt aktuell Geschäfte bei hohen Inzidenzen über 100 offen. Das Bundesland setzt dabei auf ein noch anderes Konzept, das „Test, Click und Meet“ – ein um eine Teststrategie erweitertes „Click & Meet“.

Corona: Initiative fordert echte Perspektiven für den Handel

Man müsse „Möglichkeiten finden, wie wir trotz der Pandemie weiter arbeiten können“, sagt Marcus Diekmann, Geschäftsführer des Fahrradhändlers Rose Bikes und Sprecher der Initiative gegenüber dem Handelsblatt.

Außerdem, so Diekmann weiter, verfolgten die Händler dabei auch noch ein anderes Ziel. Man wolle damit auch nachweisen, dass der Handel kein Infektionsherd sei.

Öffnungen von Geschäften – keine Treiber der Pandemie?

Der Handel betont immer wieder, Geschäftsöffnungen seien keine „Treiber der Pandemie“. Tatsächlich gibt es Studien, die die Ansteckungsgefahr eher im privaten Bereich sehen. Allerdings betont auch die Tourismus-Branche, Reise seien keine Treiber. Ebenso sieht die Kultur sich nicht als eben solche. Und die Kultusminister betonen seit Monaten, auch Kinder seien keine Treiber der Coronavirus-Pandemie.

Christian Drosten von der Charité in Berlin hat zu diesen Aussagen eine klare Meinung: Es gebe keine eindeutigen Treiber – im Endeffekt triebe jeder die Pandemie. Denn wir seien „alle gleich für dieses Virus“ betont der Virologe bei einer Podiumsdiskussion der Deutschen Gesellschaft für Virologie, die beim MDR zu sehen ist.

Virologen betonen: Hygienemaßnahmen können Risiko senken

Diskussionen darüber, welche Gruppen eben nicht Treiber der Pandemie seien, sieht der Virologe als „manchmal auch ein bisschen interessengeleitet“ an. Auch sein Kollege Thomas Stamminger, Virologe am Universitätsklinikum Ulm, meint: „Man kann Treiber nicht einer bestimmten Altersgruppe oder Bevölkerungsgruppe zuordnen, sondern eigentlich nur Situationen.“

Und weiter: „Immer dann, wenn Leute schlampig mit Hygienemaßnahmen umgehen und keine Masken tragen, muss man mit Übertragungen dieses Virus rechnen.“ Die Virologen betonen aber gleichzeitig, dass man mit Hygienemaßnahmen – wie sie eben auch von der Händlerinitiative vorgeschlagen werden – das Risiko senken können.

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