Initiative „Long Covid Kids“

Corona bei Kindern: Covid-19-Langzeitfolgen auch bei den Kleinsten – Berichte erschrecken

britische Schulkinder
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Schulkinder aus Großbritannien: die Elterninitiative „Long-Covid-Kids“ berichtet von Covid-19-Spätfolgen. (Symbolbild)

Dass Covid-19 zu Langzeitfolgen führen kann, ist mittlerweile bekannt. Was weniger publik ist: Unter „Long Covid“ können auch Kinder leiden.

Deutschland – Vorab: Die Erkrankung Covid-19 verläuft bei Kindern im Allgemeinen weniger schlimm als bei Erwachsenen. Sie entwickeln zumeist grippeähnliche, mildere Symptome. Auch von Spätfolgen bei Kindern ist hierzulande wenig bekannt. Das ist in Großbritannien nicht anders, denn auch dort sind schwere Erkrankungen bei Kindern selten. In dem besonders stark vom Coronavirus betroffenen Land berichten aber immer mehr Eltern von Langzeitfolgen. Die Initiative „Long Covid Kids“ gibt jetzt Kindern mit Covid-19-Spätfolgen eine Stimme.

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige Symptome bei KindernFieber, Husten, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen

Corona-Langzeitfolgen auch bei Kindern möglich: Ist Long-Covid eine unterschätzte Gefahr?

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57, SPD) warnt aktuell davor, dass die Corona-Langzeitfolgen „dramatisch unterschätzt“ werden würden. Wie zahlreiche Medien berichten, habe er gesagt: „Es stellt sich immer stärker heraus, dass Covid-19 eine Erkrankung des gesamten Gefäß- und Immunsystems ist.“

Bereits seit einigen Monaten wird immer wieder von solchen Spätfolgen berichtet: Patienten fühlen sich auch Wochen nach einer Erkrankung noch müde und abgeschlagen. Auch Symptome wie Herzrasen, Atemnot, Konzentrationsschwierigkeiten oder Gelenkprobleme treten noch Wochen nach einer Erkrankung auf, wie aktuelle Studien zeigen.

Video – Lauterbach warnt: Haben die langfristigen Folgen von Covid-19 „dramatisch unterschätzt“

Britische Initiative „Long-Covid-Kids“ setzt sich für Betroffene ein

Die Symptome können dabei auch dann auftreten, wenn die Erkrankung selbst eher mild verlaufen ist. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Anlaufstellen für ehemalige Covid-19-Patienten mit Langzeitfolgen.

Über solche Spätfolgen bei Kindern ist allerdings hierzulande noch wenig bekannt. In Großbritannien haben Eltern jetzt eine Initiative gegründet, die mittlerweile mehr als eintausend Mitglieder zählt. „Long-Covid-Kids“ ist auch auf Facebook, Instagram oder bei Twitter zu finden.

Britische Kinder mit Langzeitfolgen: „Long-Covid-Kids“ auf Twitter

Corona bei Kindern – Großbritannien hat eine höhere Anzahl an stationären Aufnahmen

Die Corona-Lage ist in Großbritannien deutlich dramatischer als in Deutschland. Das gilt auch für die Covid-19-Fälle bei Kindern. Zwar sind auch in Großbritannien Erwachsene insgesamt stärker von Corona betroffen als Kinder, aber alleine im Monat Januar sind mehr als 1.200 britische Kinder in Krankenhäusern behandelt worden – im September waren es nur 122 Kinder.

Zum Vergleich: In Deutschland waren es vom Beginn der Pandemie bis Oktober 2020 insgesamt nur 235 Kinder, die stationär behandelt werden mussten. Bis Januar 2021 ist diese Gesamtzahl auf 997 gestiegen – das sind immer noch weniger Kinder im Krankenhaus als in Großbritannien nur in diesem einen Monat.

„Long Covid Kids“: Britische Initiative mit erschreckenden Berichten von kleinen Patienten

Nicht nur die akute Verschlechterung des Gesundheitszustands, die einen Krankenhausaufenthalt notwendig macht, sondern vor allem auch die Spätfolgen machen einigen britischen Kindern zu schaffen.

Insgesamt leiden laut Angaben der Initiative rund 15 Prozent britischer Kinder, die Covid-19 hatten, an Symptomen, die noch fünf Wochen nach der Erkrankung anhalten. Gemäß der Long-Covid-Studie leiden 35 Prozent der Kinder mit Long-Covid vier bis 12 Wochen an Post-Covid-Beschwerden, 18 Prozent sechs bis neun Monate und 27 Prozent drei bis sechs Monate. Die Long-Covid-Kids-Initiative verzeichnet nach eigenen Aussagen derzeit einen Zuwachs von 60 Familien pro Woche.

Langzeitfolgen auch bei Kindern möglich – das berichten die betroffenen Patienten

Auf Instagram posten einige der von Long-Covid betroffenen Kinder und Eltern ihre Erfahrungsberichte. Zu sehen sind beispielsweise Kinder, die Bilder mit ihren Symptomen zeigen. Hier einige der Instagram-Posts der Initiative Long-Covid-Kids:

Kinder der Initiative „Long-Covid-Kids“ posten auf Instagram ihre Symptome

Die Symptome sind dabei vielfältig. Häufig sind unter anderen:

  • Hautausschläge (auch die Covid-Zunge ist mehrfach zu sehen)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Halsschmerzen
  • Kurzatmigkeit

Covid-19-Komplikationen bei Kindern: multisystemische inflammatorische Syndrom ist sehr selten

Daneben gibt es auch einige Posts von Eltern, deren Kinder noch schwerer erkrankt sind. Solche Fälle sind insgesamt sehr selten, aber es gibt sie. In diesen seltenen Fällen entwickeln Kinder nach eine Covid-19-Erkrankung ungewöhnliche entzündliche Symptome, die als multisystemische inflammatorische Syndrom bei Kindern (MIS-C) bezeichneten werden.

MIS-C tritt 2 bis 4 Wochen nach Infektion mit SARS-CoV-2 auf. Die betroffenen Kinder leiden oft unter Fieber, Hautausschlag und Herz-Kreislauf-Problemen. Eine entsprechende Studie ist bereits im Sommer 2020 im New England Journal of Medicine erschienen. Darin heißt es, dass insgesamt nur zwei von 100.000 Kinder unter 21 Jahren daran erkranken.

Kinder mit Corona-Langzeitfolgen – Eltern verschaffen sich Gehör

Die Initiative übt dabei auch Kritik an der britischen Gesundheitspolitik. So fühlen sich viele Eltern alleine gelassen oder suchen verzweifelt nach Anlaufstellen. Und obwohl es zahlreiche britische Long-Covid-Kliniken für Erwachsene gibt, findet die Problematik bei Kindern bislang wenig Beachtung. Initiatorin Sammie Mcfarland, die die Initiative gegründet hat, da ihre 15-jährige Tochter betroffen ist, sagt außerdem, dass sich insgesamt nicht viele Eltern trauen, über die Beschwerden ihrer Kinder zu sprechen.

Dabei haben es die besorgten Eltern mittlerweile in die Medien geschafft. Die britischen Nachrichtensender BBC und Vox News berichten beide über die Fälle. Im BBC-Bericht spricht der britische liberaldemokratische Politiker Lord Strasburger öffentlich von einem „nationalen Skandal“.

Corona bei Kindern: Großbritannien darf nicht zum schlechten Vorbild werden

Inwieweit die Situation im Vereinigten Königreich mit der dort grassierenden Virus-Mutante B.1.1.7 zusammenhängt, ist dabei unklar. Hierzulande sehen Mediziner – insbesondere auch KinderärzteKinder vor allem durch psychische Langzeitfolgen gefährdet, die sie aufgrund der Einschränkungen im Alltag entwickeln könnten. (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

Einigkeit herrscht daher bei sämtlichen Experten, dass man die Schulen möglichst schnell wieder öffnen muss. Da in Großbritannien aber insbesondere auch die Schulen für die neue Welle verantwortlich waren, wird es Zeit, langfristig Konzepte zu entwickeln, mit denen die Hygienekonzepte in deutschen Schulen verbessert werden können.

Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) dafür liegen seit Langem vor – werden aber bislang nicht konsequent umgesetzt. Alternativ wäre auch eine Testpflicht an Schulen möglich, wie es gerade in Österreich eingeführt wurde.

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