Besonders die Kleinsten betroffen

RKI-Chef warnt: Corona-Inzidenzen bei Kindern steigen „sehr rasant“

RKI-Chef Lothar Wieler und Jens Spahn (40, CDU) auf der gemeinsamen Pressekonferenz.
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RKI-Chef Lothar Wieler und Jens Spahn (40, CDU) auf der gemeinsamen Pressekonferenz. Das RKI warnt aktuell vor steigenden Fallzahlen bei Kindern.

Die Corona-Zahlen steigen aktuell wieder. RKI-Präsident Lothar Wieler warnte in einer aktuellen Pressekonferenz davor, dass das auch für Kinder gelte.

Deutschland – Laut Robert Koch-Institut (RKI) befindet sich Deutschland bereits in der dritten Corona-Welle. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) zeigte sich RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag (12. März) aufgrund der aktuellen Entwicklung besorgt. Was Eltern aufhorchen lässt: Der RKI-Chef sprach davon, dass die Inzidenzen bei den unter 15-Jährigen „sehr rasant“ gestiegen seien.

Coronavirus Sars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona: Bundesgesundheitsminister sucht Balance zwischen Gesundheitsschutz und Normalität

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) betrachtet die derzeitige Corona-Lage mit Sorge. Denn nicht nur die Fallzahlen steigen wieder. Gleichzeitig breiten sich auch die Mutationen weiter aus. Insbesondere die britische Mutante B.1.1.7, die deutlich ansteckender ist.

Nach einer neuen Studie aus Großbritannien könnte diese Virus-Variante zudem auch gefährlicher sein. Der Minister sieht die nächste Zeit daher als ein „Ringen“ um die „richtige Balance“ zwischen dem nötigen Gesundheitsschutz und der Normalität, nach der sich – so Spahn – „alle sehnen“ (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Coronavirus: RKI-Präsident verweist auf deutlichen Anstieg unter Kindern

Während viele Geschäfte, Gastronomie und Kultureinrichtungen noch geschlossen sind, sind viele Schüler und Kita-Kinder dieser so ersehnten Normalität mit den Schulöffnungen bereits wieder ein Stück näher gekommen. Gerade für viele von der Coronavirus-Pandemie stark betroffenen Familien war dieser Öffnungsschritt enorm wichtig.

Was RKI-Präsident Lothar Wieler, der sich im Anschluss an den Bundesgesundheitsminister zur aktuellen Lage äußerte, erklärte, lässt in diesem Zusammenhang aber aufhorchen. So sei die Inzidenz bei den unter 15-Jährigen laut Wieler „rasant“ gestiegen.

RKI-Präsident: Aktuell deutlich mehr Corona-Fälle in Kitas

Der Anstieg der Fallzahlen zeigt sich bei allen Altersgruppen unter 15 Jahren. Auch bei den ganz kleinen – den Kleinkindern im Alter von null bis vier Jahren – gäbe es deutlich mehr Fälle, so der RKI-Präsident.

Das ist laut Lothar Wieler auf mehr Ausbrüche in Kitas zurückzuführen. So gäbe es in den Kindertageseinrichtungen derzeit noch mehr Corona-Ausbrüche als vor Weihnachten.

RKI-Bericht zeigt steigende Inzidenzen in allen Altersgruppen unter 15 Jahren

Der aktuelle Bericht der Fälle nach Altersgruppen des RKI vom 9. März belegt die Aussagen Wielers. So ist die Sieben-Tages-Inzidenz von Kalenderwoche sechs (Woche ab dem 8. Februar) bis neun (Woche ab dem 1. März) bei den unter 4-Jährigen von 34 auf 60 angestiegen.

In der Altersgruppe von fünf bis neun Jahren ist sie in dieser Zeit sogar von 34 auf 72 gestiegen – und hat sich damit mehr als verdoppelt. Auch die Altersgruppe der Zehn- bis Fünfzehn-Jährigen ist stärker betroffen. Hier stieg der Inzidenzwert seit dem 8. Februar von 38 auf 61 an.

RKI-Chef Lothar Wieler und Jens Spahn (40, CDU) auf der gemeinsamen Pressekonferenz.

Corona-Inzidenzen: Drastischer Anstieg aktuell nur bei Kindern

Zum Vergleich: Im Schnitt aller Altersklassen lag die Inzidenz deutschlandweit am 8. Februar bei 76, hatte dann ihren niedrigsten Wert am 14. Februar mit 57 und ist seitdem wieder auf 69 angestiegen.

Ein derart starker Anstieg ist in diesem Zeitraum also nur unter Kindern zu verzeichnen. Ob die Entwicklung auch mit den Schul- oder Kita-Öffnungen zusammen hängt, dazu äußerten sich Wieler und Spahn nicht.

Lothar Wieler: Britische Mutation könnte bei steigenden Inzidenzen „eine Rolle“ spielen

Der RKI-Präsident hat allerdings eine andere Vermutung. So erklärte er: „Es könnte sein, dass hier die noch ansteckendere Variante B.1.1.7 eine Rolle spielt“. Für eine eindeutige Aussage sei die Datenlage aber noch zu gering.

Virologe Christian Drosten warnt bereits seit Längerem davor, dass die britische Mutation in Großbritannien auf einer „Schulwelle gesegelt“ sei. In dem stark von dieser Virus-Variante betroffenen Land waren laut einem Bericht des Guardians im Februar rund einhundert Kinder wöchentlich mit einer Post-Covid-Erkrankung ins Krankenhaus gekommen.

Ausbruch der Mutation: Großbritanniens Schulen waren lange geschlossen

Großbritannien hatte bei seinem letzten harten Lockdon daher auch die Schulen geschlossen. Das ist hierzulande, wo diese langsam erst wieder geöffnet werden, aktuell wohl für die meisten undenkbar.

Tatsächlich sind die Mahnungen vieler Eltern und Psychologen wohl mittlerweile in der Politik angekommen. So sprach sich der Bundesgesundheitsminister trotz steigender Zahlen unter Kindern gegen Schulschließungen aus.

Mehr Corona-Fälle unter Kindern: Spahn verweist auf Probleme durch Schulschließungen

Er erklärte, dass es wichtig und richtig sei, abzuwägen, welche Folgen das Nicht-Öffnen von Schulen und Kitas für die Gesundheit und das seelische Wohlbefinden von Kindern hätte. Es wären für Kinder und Eltern „sehr, sehr harte Zeiten“ gewesen und man wisse ja auch nicht, was die Pandemie „mit so einem kleinen Menschen“ mache.

Jens Spahn (40, CDU) erinnerte daran, dass Sechsjährige ein Sechstel ihres Lebens mit Corona verbracht hätten. Demnach scheint es aktuell so, als wolle man aufseiten der Bundesregierung eine erneute Schließung der Schulen möglichst vermeiden.

Video: „Anfang der dritten Welle“: Wieler und Spahn informieren über Corona-Lage

RKI-Präsident: Aus infektionsmedizinischer Sicht wären Schulschließungen sinnvoll

Lothar Wieler räumte in diesem Zusammenhang allerdings ein: „Aus infektionsmedizinischer Sicht wäre eine Schließung ein guter Weg“. Auch er sieht allerdings die damit verbundenen Probleme und sprach sich daher für mehr Infektionsschutz aus. Es gehe darum, „kluge Konzepte“ umzusetzen, so Wieler.

Er erinnerte an dieser Stelle nochmals daran, dass das RKI bereits im Sommer ein Konzept für eine „kluge“ Öffnung vorgelegt hatte. Die Umsetzung der darin beschriebenen Maßnahmen war von den Kultusministern lange ignoriert worden.

Mittlerweile tun die Schulen in sämtlichen Bundesländern tatsächlich etwas mehr für den Coronaschutz. Das Land NRW will in der nächsten Woche beispielsweise mit den Selbsttests in Schulen starten. Es bleibt abzuwarten, ob diese zusätzlichen Tests zu einem noch höheren Anstieg der Fallzahlen unter Kindern führen wird, da noch mehr Fälle erkannt werden.

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