„Meine Freunde dürfen aber“

Eltern und Corona: Wenn Kinder sich nicht an die Regeln halten - Experte gibt Tipps

Kinder spielen Spielzeug Namen
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Kindern zu erklären, dass die sich wegen der Corona-Regeln nicht mit Freunden treffen können, ist schwer.

Für Kinder ist die Corona-Pandemie besonders belastend. Nicht immer fällt es ihnen leicht, sich an die Regeln zu halten. Was können Eltern dann tun?

Dortmund - Das Coronavirus beeinflusst den Alltag und die Freizeit enorm. Sich mit Freunden treffen, Sport treiben oder andere Hobbys sind nicht möglich. Besonders für Kinder kann das zur Belastung werden. Experten haben sogar herausgefunden, dass die Corona-Pandemie Kinder nachhaltig krank macht. Doch auch für Eltern ist die Situation belastend.

KrankheitCovid-19
ErregerSars-CoV-2/Coronavirus
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Corona-Regeln für Kinder und Eltern belastend: Das kann man tun

Denn in Corona-Zeiten werden Eltern mit besonderen Situationen konfrontiert. Wenn die Freunde der eigenen Kinder sich trotz Beschränkungen und AHA-Regeln zum Spielen treffen, aber das eigene Kind zum Schutz zu Hause bleiben soll, kann das zu Diskussionen führen.

Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge könne nachvollziehen, dass einige Kinder und Jugendliche sich über Corona-Regeln hinweg setzen wollen. „Eltern könnten sich erst mal die Frage stellen: Wie haben wir uns früher verhalten? Denn auch Eltern, die heute die Befolgung von Regeln von ihren Kindern einfordern, haben Regeln gebrochen oder Freunde gehabt, die diese überschritten haben“, meint der Experte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Erziehung: Was tun, wenn Eltern anderer Kinder Corona-Regeln missachten?

Den eigenen Kindern die Wichtigkeit der Regel zu erklären, kann eine Herausforderung sein. Besonders schwierig würde es, wenn auch die Eltern der Freunde locker mit den Corona-Maßnahmen umgehen. „Eltern werden immer wieder durch Freunde der Kinder mit anderen Auffassungen konfrontiert – beispielsweise, wenn andere Eltern einen Laissez-faire-Erziehungsstil an den Tag legen“, sagt Rogge.

Dieser Erziehungsstil sei davon geprägt, dass Eltern ihre Kinder „machen lassen“. In unerwünschten Situationen sollte man als Elternteil aber auch gegenüber anderen Kindern klar Stellung beziehen, empfiehlt Rogge. „Wenn sich der Kumpel des Kindes beispielsweise nicht die Hände wäscht, dann ist es wichtig zu sagen: ‚Hör mal, bei uns gibt es bestimmte Regeln und ich möchte, dass sie befolgt werden‘“.

Richtiges Händewaschen gehört in Corona-Zeiten auch für Kinder dazu.

Auch die eigene Vorbild-Funktion sei nicht zu missachten. Eltern sollten gerade bei Corona-Regeln mit gutem Beispiel vorangehen und vorleben, was sie von ihren Kindern verlangen. „Ansonsten machen sie sich unglaubwürdig“, sagt Rogge.

Die lange Nutzung von Smartphones sei beispielsweise ein häufiges Negativ-Beispiel. Eltern verlangen von ihren Kindern, dass sie nicht den ganzen Tag am Handy hängen. Oft nutzen Erwachsene die Geräte aber selbst viel zu lange.

Corona-Regeln und Kinder: Eltern können überprüfen, ob Behauptungen stimmen

Laut Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge sei es auch in Ordnung, wenn Eltern bei den Freunden ihrer Kinder oder deren Eltern nachfragen, wie diese es mit den Pandemie-Maßnahmen handhaben. Beispielsweise um zu überprüfen, ob die anderen Kinder wirklich mehr Freiheiten bei den Corona-Regeln hätten. „Dies darf nur keine Drohung an die Kinder sein“, betont der Experte. Stattdessen sollten Eltern es eher als Feststellung formulieren.

Kinder würden darauf ganz unterschiedlich reagieren. Wenn sie geflunkert haben, wollen sie einen Anruf bei den Freunden verhindern. Wenn sie sich nicht wehren, sollten Eltern auch konsequent sein. „Wenn Kinder aber so etwas sagen wie ‚dann ruf doch da an‘, dann dürfen Eltern nicht kneifen, sondern müssen es auch machen“, rät der Experte (alle aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Teenager und Kinder: Wie Eltern die Corona-Regeln durchsetzen können

Und was, wenn die Eltern anderer Kinder die Corona-Regeln wirklich lockerer sehen? Dann muss man den eigenen Kindern trotzdem nicht alles erlauben. Stattdessen könne man nochmals betonen, warum es wichtig ist, die Regeln einzuhalten, meint Rogge.

Video: Kindgerechte Corona-Tests: Kau-Methode die Lösung?

Dabei sollte man aber auch Empathie zeigen, vor allem wenn es um ältere Kinder und Teenager geht. „Man kann Kindern beispielsweise sagen: ‚Ich kann deine Sichtweise verstehen. Mir ging das damals mit meinen Eltern auch so und dann war ich stinksauer auf sie. Aber ich möchte, dass das, was ich sage, auch umgesetzt wird‘“, sagt der Erziehungsberater. Wenn die Emotionen hochkochen, sollten sich die Gemüter erstmal beruhigen, bevor weiter verhandelt wird.

„Wichtig ist auch, dass Eltern Teenagern deutlich machen, dass sie sie nicht kontrollieren können und möchten, wenn sie mit einem Freund unterwegs sind“, betont Rogge. Ohne konkreten Verdachten sollten Eltern sich trotzdem nicht darüber sorgen, ob ihre Kinder die Regeln einhalten oder nicht. Denn auch wenn beispielsweise Pubertierende bestimmte Haltungen entwickeln, ist ihnen die Meinung der eigenen Eltern oft noch wichtig.