Vierter Impfstoff in der EU

Johnson & Johnson: Impfstoff unterscheidet sich von bisherigen Vakzinen

Die Zulassung eines vierten Corona-Impfstoffes steht an. Das Vakzin von Johnson & Johnson soll einige Vorteile gegenüber den anderen Präparaten haben.

Update, Donnerstag (11. März), 17.05 Uhr: In der Europäische Union kann nun der vierte zugelassene Impfstoff verimpft werden. Die EU-Kommission hat die Vakzine von Johnson & Johnson am späten Nachmittag zugelassen, nachdem zuvor die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) ihre Empfehlung für den Wirkstoff ausgesprochen hatte.

Künftig wolle die EU-Kommission eng mit Johnson & Johnson zusammen arbeiten, um die Auslieferung des Impfstoffes so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Update, Donnerstag (11. März), 16.00 Uhr: NRW – Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Johnson & Johnson empfohlen. Wenn nun noch die EU-Kommission zustimmt, wäre Ad26.COV2-S das vierte Vakzin gegen Covid-19 in der EU. Die Entscheidung könnte noch heute fallen, sie gilt in der Regel als Formsache.

Erstmeldung, Donnerstag (11. März), 13.00 Uhr: Ein weiterer Impfstoff reiht sich in die Corona-Vakzine ein: Johnson & Johnson. Nachdem in Deutschland bereits die Impfstoffe von AstraZeneca, Moderna und Biontech verimpft werden, soll nun der nächste bereitstehen. Und der Impfstoff des US-amerikanischen Unternehmens Johnson & Johnsohn unterscheidet sich in einem wesentlichen Merkmal von den anderen.

Pharmazie- und KonsumgüterherstellerJohnsohn & Johnson
HauptsitzNew Brunswick, New Jersey (USA)
GründungJanuar 1886
CEO Alex Gorsky (26. Apr. 2012 – )

Corona-Impfung von Johnson & Johnson: Vektorimpfstoff wie AstraZeneca

Während es sich bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna um sogenannte mRNA-Impfstoffe handelt, ist die Corona-Impfung von Johnsohn & Johnson ein Vektorimpfstoff. Wie auch bei dem Vakzin von AstraZeneca wird dabei der Bauplan eines Teils des Coronavirus in einen abgeschwächten Transportervirus (Adenovirus) verpackt, der für den Menschen unbedenklich ist.

Bekommt man eine Impfung verabreicht, werden mithilfe des Transportervirus Teile des Coronavirus in die menschlichen Zellen gebracht und dort nachgebaut. Der Körper reagiert und beginnt Antikörper gegen den Erreger zu bilden. Johnsohn & Johnson nutzt als Trägervirus das humane Adenovirus 26, das im unbehandelten Zustand Erkältungen verursachen kann. Auch der russische Impfstoff Sputnik macht sich dieses Virus zunutze. AstraZeneca hingegen basiert auf einem Adenovirus, das normalerweise Schimpansen befällt.

Corona-Impfstoff: Vorteile beim Vakzin von Johnson & Johnson

Doch nicht nur die Art des Trägervirus unterscheidet sich von den anderen bisher zugelassenen Impfstoffen. Das Vakzin von Johnson & Johnson, das von dem niederländischen Tochterunternehmen Janssen hergestellt wird, soll vor allem einen entscheidenden Vorteil gegenüber den Impfstoffen von Biontech und Co. haben.

Die deutsche Zentrale des Impfstoff-Herstellers Janssen liegt in Neuss (NRW).

So ist für den Schutz gegen Covid-19 nur eine Impfdosis nötig – und nicht wie bei den anderen eine zweifache Impfung. Außerdem ist die Lagerung wesentlich unkomplizierter. Der Impfstoff von Johnson & Johnson ist wie auch das Präparat von AstraZeneca bei normalen Kühlschranktemperaturen mehrere Wochen haltbar.

Corona: Wie ist die Wirksamkeit des Johnson & Johnson-Impfstoffes?

Wie fr.de* berichtet, soll der Impfstoff von Johnson & Johnson vier Wochen nach der Vergabe eine Schutzwirkung von rund 66 Prozent haben. Schwere Krankheitsverläufe konnten nach Angaben der US-Zulassungsbehörde FDA zu 85 Prozent verhindert werden. Wie hoch die Wirksamkeit generell ist und ob die Impfung beispielsweise nach einem gewissen Zeitraum aufgefrischt werden muss, wird sich zeigen, wenn in den kommenden Monaten noch mehr Menschen damit geimpft wurden.

Die bisherigen Studien zu Johnson & Johnson liefen in Nordamerika, Lateinamerika und Südafrika – also auch dort, wo bereits Virus-Mutanten sich ausbreiten. Ersten Ergebnissen zufolge schützt aber auch der neue Corona-Impfstoff gegen die Mutationen. So wurde in Brasilien eine Wirksamkeit von etwa 68 Prozent erzielt, in Südafrika von 64 Prozent. Es gab bislang also keine nennenswerten Einbrüche bei der Impfwirkung gegenüber Corona-Mutationen.

Johnson & Johnson-Impfstoff gegen Corona: Für wen ist er geeignet?

In den USA ist der Impfstoff seit Ende Februar bereits zugelassen und wird bei Menschen im Alter ab 18 Jahren verimpft. In der EU soll noch diese Woche über eine Zulassung entschieden werden (Stand: 11. März). Ob das Johnson & Johnson-Vakzin in Deutschland dann zunächst nur für eine bestimmte Altergruppe verwendet wird, bleibt abzuwarten.

Das war bei dem Impfstoff AstraZeneca, der ebenfalls ein Vektorimpfstoff ist, zunächst der Fall. Im Gegensatz zu den Impfdosen von Biontech und Moderna wurde er nur Menschen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren verimpft. Inzwischen hat sich diesbezüglich die Datenlage jedoch geändert und die Ständige Impfkommission (StiKo) hat die Einschränkung zurückgenommen.

Nebenwirkungen beim Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson

Auch bei dem Impfstoff von Johnson & Johnson können Impfreaktionen auftreten. Bislang unterscheiden sie sich allerdings nicht wesentlich von den Nebenwirkungen bei AstraZeneca, Moderna und Biontech. So kann es zu Schmerzen am Arm an der Einstichstelle kommen.

Der von Johnson & Johnson entwickelte Corona-Impfstoff ist das vierte Vakzin in der EU.

Einige klagen auch Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit oder Schüttelfrost. Laut RKI klingen die Symptome in der Regel nach kurzer Zeit wieder ab – auch nach einer Impfung mit dem Johnson & Johnson-Impfstoff. Wie schon bei den anderen Corona-Impfstoffen rät das Institut aber Menschen mit schweren allergischen Reaktionen ebenfalls von einer Impfung ab.

Johnson & Johnson: Gibt es Lieferprobleme bei dem neuen Corona-Impfstoff?

Sollte der Impfstoff von Johnson & Johnson noch bis Mitte März in der EU zugelassen werden, könnte das die Impfkampagne beschleunigen. Allerdings hat das Unternehmen bisher nicht bestätigt, dass es unmittelbar nach der Zulassung auch liefern werde, wie das Ärzteblatt berichtet. Es werden sogar erste Zweifel laut, ob die zugesagte Liefermenge von 55 Millionen Impfdosen bis Ende Juni überhaupt eingehalten werden kann.

Offiziell hatte die EU 200 Millionen Impfungen von Johnson & Johnson bestellt. Die ersten 55 Millionen sollten noch im zweiten Quartal ausgeliefert werden. Ob es tatsächlich zu Lieferproblemen kommt oder ob es Schwierigkeiten beim Hochfahren der Produktion gibt, dazu hat sich das Unternehmen noch nicht geäußert. Bevor es offiziell kein grünes Licht von der EU-Zulassungsbehörde gibt, wird sich Johnson & Johnson dazu wohl auch nicht äußern. *fr.de ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © David Zalubowski/dpa

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