US-Konzern verschiebt Lieferungen

Corona: Thrombosefälle bei Johnson & Johnson – Impfstoff könnte knapp werden

Wegen möglicher Thrombosen verzögert der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson die Auslieferung in Europa. Impfstoff für Jüngere könnte jetzt knapp werden.

Deutschland – Das Impfdilemma nimmt kein Ende: Nachdem das Vakzin von Astrazeneca wegen möglicher, schwerer Nebenwirkungen weiter als umstritten gilt, gerät nun auch der Konzern Johnson & Johnson in die Schlagzeilen. Ebenso wie beim Impfstoff von Astrazeneca kam es auch bei dem des US-Herstellers in einigen seltenen Fällen zu gefährlichen Thrombosen. Der Impfstart in Europa verzögert sich daher erstmal (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Bundesministerium für Gesundheitoberrste Bundesbehörde
BehördenleitungJens Spahn (CDU)
Gründung1961

Corona: Lieferungen von Johnson & Johnson-Impfstoff verzögert sich

Das Versprechen der Bundesregierung ist eindeutig: Bis zum Ende des Sommers soll jedem Bürger, der sich impfen lassen möchte, ein Impfangebot gemacht werden. Denn um das Coronavirus einzudämmen und damit auch die Einschränkungen durch die Corona-Maßnahmen endlich beenden zu können, gelten Impfungen weiterhin als wirksamstes Mittel.

Beispiele aus Israel oder auch Großbritannien zeigen, dass die Impfstoffe eine gute Wirksamkeit haben. Und auch in Deutschland sind die 7-Tage-Inzidenzen in der Gruppe der bereits Geimpften deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.

Die Behörden in den USA haben eine Aussetzung der Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson empfohlen.

Aktuell könnte die Impfkampagne aber erneut ins Stocken geraten. Denn auch beim Vakzin von Johnson & Johnson kommt es wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen zu Lieferverzögerungen.

Corona-Impfungen – schwere Nebenwirkungen nach Johnson & Johnson-Impfung aufgetreten

Seit Wochen ist bereits das Vakzin von Astrazeneca wegen der möglichen Gefahr von schweren Sinusvenenthrombosen in der Diskussion. Denn der Impfstoff kann in seltenen Fällen zu solchen Thrombosen führen, die sogar tödlich sein können. Auch in NRW ist eine 47-jährige Frau an den Folgen der Impfung gestorben.

Wie jetzt bekannt wurde, sind in den USA solche Thrombosen ebenfalls bei dem Vakzin von Johnson & Johnson aufgetreten. Die Fälle werden dort aktuell mit Experten und den Behörden untersucht.

Corona-Impfungen: US-Pharmakonzern verschiebt Impfstart in der EU

Der US-Pharmakonzern verschiebt daher den Marktstart seines Impfstoffs in Europa, berichtet unter anderem tagesschau.de. Die US-Gesundheitsbehörde CDC und die US-Arzneimittelbehörde FDA hatten zuvor einen Impfstopp empfohlen.

Bei insgesamt sechs Menschen in den USA seien nach der Impfung solche Sinusvenenthrombosen aufgetreten. In drei Fällen sei zudem zusätzlich eine Thrombozytopenie (ein Mangel an Blutplättchen) die Folge der Impfung gewesen. Ebenso wie bei den Fällen bei Astrazeneca, handele es sich auch hier um jüngere Frauen.

Corona-Impfungen: Fälle von Thrombosen nach Johnson & Johnson werden geprüft

Das Vakzin hatte Ende Februar seine US-Zulassung erhalten. Bislang seien mehr als 6,8 Millionen Dosen in den USA verabreicht worden. Die Aussetzung der Impfungen sei eine Vorsichtsmaßnahme, bis die Untersuchungsergebnisse vorlägen, heißt es vonseiten der Behörden.

Auch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will laut dpa-Bericht nächste Woche ein Gutachten über mögliche Thrombosen durch den Impfstoff von Johnson & Johnson abgeben. Die Prüfung werde beschleunigt, teilte die Behörde am Mittwoch (14. April) in Amsterdam mit. 

Johnson & Johnson-Impfung: Experte rechnet mit Impfempfehlung nur für Ältere

Die Niederlande, Schweden und Dänemark werden den Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson vorerst nicht anwenden, sondern dieses Gutachten abwarten. SPD-Experte Karl Lauterbach geht aber davon aus, dass er in Deutschland eingesetzt wird. Das Problem dabei: Er könnte wegen der Thrombosegefahr vielleicht ebenfalls wie das Vakzin von Astrazeneca nur für Ältere zum Einsatz kommen.

Denn in Deutschland spricht die Stiko mittlerweile für Astrazeneca eine Empfehlung nur noch für über 60-Jährige aus. Jüngere sollen in Deutschland nicht mehr mit dem Impfstoff geimpft werden. Hintergrund der Einschätzung ist, dass die Thrombose-Fälle vor allem bei jüngeren Frauen aufgetreten sind.

Andere europäische Länder setzen Astrazeneca sogar gar nicht mehr ein. So haben beispielsweise Dänemark, Norwegen und Italien die Impfung mit dem Vakzin gestoppt.

Karl Lauterbach: Ausfall von Johnson & Johnson könnte zum „Mengenproblem“ werden

Sollte es jetzt dazu kommen, dass der Johnson & Johnson-Impfstoff ebenfalls nur für die höhere Altersgruppe eingesetzt werden, könnte der Impfstoff in Deutschland für Jüngere knapp werden. So betont SPD-Experte Karl Lauterbach gegenüber dem Spiegel: „Klar ist: Wenn Johnson & Johnson nur an über 60-Jährige verimpft wird, haben wir bei den unter 60-Jährigen ein Mengenproblem.“ Und weiter befürchtet er: „Das wird unsere Impfkampagne deutlich verzögern.“

Befürchtet ein „Mengenproblem“ beim Impfstoff für unter 60-Jährige – SPD-Experte Karl Lauterbach. (Symbolbild)

Seit dem 11. März ist der Impfstoff von Johnson & Johnson hierzulande zugelassen. Das Besondere bei dem Impfstoff ist, dass nur eine Dosis verabreicht wird.

Johnson & Johnson-Impfstoff: Bis Ende Juni hat Deutschland 10 Millionen Dosen erwartet

In der Woche vom 12. April waren laut Informationen des Spiegels eigentlich 256.800 Dosen erwartet worden – in der Woche vom 26. April weitere 444.000 Dosen. Ende April sollten laut Plan der Bundesregierung dabei auch die Hausarztpraxen mit dem Johnson & Johnson-Impfstoff beliefert werden.

Im Mai sollten dann eigentlich 2,3 Millionen Dosen folgen, im Juni 7,1 Millionen. Insgesamt hatte man bis Ende Juni 10 Millionen Dosen erwartet. 

Impfstoff-Ausfall: Mediziner warnt vor drohender vierter Welle

Diese könnten in der Impfkampagne schmerzlich fehlen. Der Spiegel verdeutlicht: Selbst wenn die Unternehmen Biontech und Moderna sämtliche der bestellten Dosen pünktlich und im vollen Umfang lieferten, wären bis Anfang Juli insgesamt nur rund 70 Millionen Dosen in Deutschland.

Wegen der Zweifach-Impfung dieser Vakzine würde das nur für 35 Millionen Menschen reichen. Wie die Frankfurter Rundschau* berichtet, warnt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, vor der drohenden Impfstoff-Knappheit.*

„Alles in allem hätten wir erst Ende des Jahres genug für die unter 60-Jährigen“, so Watzl. Und weiter: „Dann könnte uns eine vierte Pandemie-Welle bevorstehen, weil wir noch nicht die Herdenimmunität erreicht haben, die wir eigentlich im Spätsommer bzw. Anfang Herbst erwarten könnten“

Impfstoff-Lieferung verzögert sich: Lauterbach fordert Politik zum Handeln auf

Karl Lauterbach fordert daher die Politik jetzt auf, zu handeln. Er spricht sich sowohl für eine Notfallzulassung von Curevac aus als auch dafür, den Zeitraum zwischen der ersten und zweiten Impfdosis auf zwölf Wochen zu strecken.

So könne man möglichst vielen Menschen eine Erstimpfung verabreichen, die schon einen gewissen Schutz bietet. Denn man brauche jetzt „pragmatische Lösungen, die so viele Menschenleben wie möglich retten.“ 

Corona-Impfungen: Bundesregierung sieht Impffortschritt nicht akut gefährdet

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, habe sich das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage nicht dazu geäußert, welche Folgen die Entwicklungen konkret haben werden. Biontech sei der „Hauptlieferant“ und er liefere als einziger zuverlässig betont Jens Spahn (40, CDU) am Donnerstag (15. April) in einer Pressekonferenz.

Gerade erst habe sich die EU mit Biontech auf eine zusätzliche Lieferung von 50 Millionen Dosen geeinigt. Dementsprechend wiederholt der Bundesgesundheitsminister auch das Versprechen, bis zum Herbst jedem ein Impfangebot zu machen.

Bekräftigt sein Impfversprechen – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU)

Trotz Verzögerung bei Johnson & Johnson: Spahn wiederholt sein Impfversprechen

Nach dem aktuellen Stand, so Spahn, sei er „sehr, sehr sicher“, dieses Versprechen einzuhalten. Wenn jetzt nicht das „Werk in Marburg abbrennt“ (Werk von Biontech, Anm. der Redaktion) oder etwas ähnlich Unerwartetes passiere, so Spahn.

Mediziner sehen das augenscheinlich deutlich kritischer. Bleibt also abzuwarten, ob die Zusagen der Bundesregierung wirklich eingehalten werden können. *Die Frankfurter Rundschau ist ein Angebot des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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