Ivermectin

Corona-Experten warnen vor irrem Trend: „Du bist kein Pferd“

Aktuell verbreitet sich der gefährliche Trend der Selbstmedikation von Covid-19 – mit einem Wurmmittel. Dabei besteht die Gefahr, sich mit dem Mittel zu vergiften.

Dortmund – Die Coronavirus-Pandemie hat einige seltsame Verschwörungstheorien zum Vorschein gebracht. Eine kleine Auswahl: Mit der Impfung solle ein Chip implantiert werden, mRNA-Impfstoffe würden das Erbgut verändern oder Bill Gates ist in die Pandemie verstrickt. Stimmt alles natürlich nicht. Doch Verschwörungstheoretiker geben nicht auf und denken sich immer neue Geschichten aus. Eine davon kann jetzt gefährlich werden.

ArzneistoffIvermectin
Wird eingesetzt gegenEktoparasiten und Endoparasiten, vor allem Fadenwürmer
FormelC₄₇H₇₂O₁₄ (H₂B₁b)

Corona-Behandlung mit Wurmmittel: Theorie wird zur Gefahr

Verschwörungstheoretiker ist nicht gleich Verschwörungstheoretiker. Es gibt diejenigen, die die Existenz des Coronavirus anzweifeln und es gibt diejenigen, die an das Coronavirus und an die Gefährlichkeit einer Covid-19-Erkrankung glauben, aber an der Impfung zweifeln. Letztere sind in Österreich auf eine gefährliche Idee gekommen.

In einige Kreisen wird propagiert, dass das Entwurmungsmittel Ivermectin zur Behandlung einer Corona-Erkrankung geeignet sei – somit sei eine Impfung überflüssig. Das Problem: Das Medikament wird hauptsächlich in der Tiermedizin eingesetzt, um Pferde und Rinder zu entwurmen (mehr News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Wurmmittel gegen Corona: FPÖ-Chef schwört auf Ivermectin – ob er es selbst nimmt, ist unklar

In Österreich ist die Wurmkur teilweise sogar schon ausverkauft. „Ivermectin ist immer wieder ausverkauft und das, obwohl es rezeptpflichtig ist“, sagte Thomas Veitschegger, Präsident der Oberösterreichischen Apothekerkammer, den OÖ Nachrichten.

Doch wie kommt es zu dem Gerücht, dass gerade ein Wurmmittel gegen Corona helfen soll? Das hat wohl auch mit einem Statement des FPÖ-Chefs Herbert Kickl zu tun. Der österreichische Politiker und Impfgegner präsentierte Anfang November seinen „Plan B“ aus der Corona-Krise. Statt auf Impfungen solle auf die frühzeitige Behandlung von Covid-19 gesetzt werden und erwähnte dabei das Wurmmittel Ivermectin. Inzwischen ist der Politiker selbst an Covid-19 erkrankt – ob er sich mit dem Mittel selbst behandelt, ist nicht bekannt.

Corona-Behandlung mit Wurmmittel bitte nicht nachmachen: Es drohen Vergiftungen

Von der Einnahme des verschreibungspflichtigen Mittels – vor allem in Dosen, die eigentlich für Pferde oder Rinder gedacht sind – raten Mediziner hingegen dringend ab. Bei falscher Verwendung des Wurmmittels können heftige Nebenwirkungen auftreten: Fieber, Ödeme, Kopfschmerzen, Erbrechen, Funktionsstörungen der Leber, asthmatische Anfälle. Außerdem habe es laut Veitschegger auch schon Vergiftungen gegeben.

Davor warnt auch die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA. Auf Twitter schreibt die Behörde: „Du bist kein Pferd. Du bist keine Kuh. Ernsthaft. Hör auf.“ Offenbar nehmen auch in den USA die Fälle von Selbstmedikation gegen Covid-19 zu. So häufen sich die Anrufe in den Giftnotrufzentralen von Patienten, die sich mit Ivermectin selbst behandelt hätten, berichtet das Ärzteblatt.

RKI warnt vor Corona-Behandlung mit Wurmmittel: Schwerwiegende Toxizität droht

In Deutschland ist es bislang nicht zu auffällig vielen Fällen von übermäßigem Ivermectin-Konsum gekommen. Dennoch warnt das Robert Koch-Institut (RKI) vor der Toxizität des Wurmmittels. Das RKI betont, dass es keinen nachgewiesenen Nutzen in der Behandlung von Covid-19 gibt. Schimmer noch: Es besteht das „Risiko der schwerwiegenden Toxizität bei unkontrollierter Anwendung.“

Dass das Wurmmittel Ivermectin keinen Nutzen bei einer Corona-Erkrankung hat, konnten Wissenschaftler in mehreren Studien bereits belegen. Zwar gab es in Laboruntersuchungen laut Stern Hinweise darauf, dass das Mittel die Vermehrung des Coronavirus hemmen kann. Das allerdings bedeutet nicht, dass das auch außerhalb des Labors wirkt und einen wirklichen Nutzen hat.

Ivermectin – ein Wurmmittel – ist aktuell beliebt bei der Behandlung von Corona. Das ist allerdings gefährlich.

In einer veröffentlichten Analyse der Cochrane Collaboration heißt es: „Wir fanden keine Evidenz, die den Einsatz von Ivermectin zur Behandlung oder Vorbeugung einer COVID-19-Infektion stützt.“ Allerdings gaben die Wissenschaftler auch zu Bedenken, dass für ein endgültiges Ergebnis weitere Untersuchungen nötig seien.

Rubriklistenbild: © Ole Spata/dpa, Luis Robayo/AFP; Collage: RUHR24

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