Kampf gegen die vierte Welle

Corona-Inzidenz mehr als verdreifacht – RKI widerspricht Aussage von Jens Spahn

RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn
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RKI-Chef Lothar Wieler und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sind nicht einer Meinung.

In Deutschland gehen die Corona-Zahlen weiter hoch. Die Inzidenz soll weiterhin der Leitindikator für Maßnahmen bleiben, findet das RKI. Jens Spahn denkt da anders.

NRW – Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) innerhalb von 24 Stunden 3520 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Die Inzidenz lag am Donnerstagmorgen (29. Juli) bei 16 – und ist damit im Vergleich zum Vortag (15) weiter gestiegen. Seit dem letzten Tiefstand am 6. Juli (4,9) hat sich die Sieben-tage-Inzidenz in Deutschland sogar mehr als verdreifacht.

BehördeRobert Koch-Institut
HauptsitzBerlin
PräsidentLothar H. Wieler

Vierte Corona-Welle hat laut RKI begonnen – Inzidenz soll Leitindikator bleiben

In einem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt erklärte RKI-Chef Lothar Wieler, dass die vierte Welle der Pandemie bereits begonnen habe. Die Bild und The Pioneer hatten zuerst darüber berichtet. Nicht nur die Inzidenz, sondern auch die Zahl der Corona-Patienten in deutschen Krankenhäusern würde seit drei Wochen wieder steigen, so Wieler weiter.

In einer Schaltkonferenz mit den Ministerpräsidenten und den Chefs der Staatskanzleien erklärte das RKI am Montag (26. Juli) außerdem, dass man die Sieben-Tage-Inzidenz auch weiterhin als Leitindikator nutzen wolle, um die Entwicklungen des Infektionsgeschehens einschätzen zu können.

Corona-Inzidenz in Deutschland steigt – aber Jens Spahn pocht auf die Impfquote

Mit dieser Forderung widerspricht das RKI den Länderchefs sowie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Nach Informationen der Bild soll es deshalb in der Schalte zu Diskussionen gekommen sein. Viele Länder wollen demnach von der Inzidenz als wichtigstes Kriterium für neue Corona-Maßnahmen wegkommen.

Jens Spahn hatte bereits vor einigen Tagen erklärt, dass der Inzidenzwert an Aussagekraft verliere. In Deutschland seien mittlerweile genügend Bürger gegen Corona geimpft. Im RKI-Papier heißt es dagegen: Hohe Impfquoten alleine seien nicht ausreichend, um die vierte Welle flach zu halten. Stattdessen nennt das Institut weitere Maßnahmen wie eine Reduzierung der Kontakte und eine Reduktion der Mobilität.

Wie Deutschland weiter effektiv gegen die vierte Corona-Welle ankämpfen will, wird sich wohl erst in einigen Tagen entscheiden. Der nächste Corona-Gipfel mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder soll am 10. August stattfinden.

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