Jodsalzlösung und ätherische Öle

Gurgeln zum Schutz vor Corona: Experte mit dringender Empfehlung

Studien zufolge soll Mundspülung vor einer Corona-Infektion schützen. Ein Experte reagiert jetzt auf die Ergebnisse und fordert eine Gurgel-Empfehlung.

Berlin - „Zur Prävention von Covid-19 müssen alle infrage kommenden hygienischen Präventionsmaßnahmen ausgeschöpft werden“, heißt es in dem jüngsten Empfehlungsschreiben der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) vom 2. Dezember. Und eine dieser Maßnahmen soll der Einsatz von Mundspülungen sein.

Medizinische FachgesellschaftDeutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene
Gründung: 1990
Aufgabe:Verhütung und Bekämpfung krankenhaus- und praxisassoziierter Erkrankungen
Hauptsitz:Berlin

Mundspülung gegen Corona: Forscher aus Bochum mit erstaunlichen Erkenntnissen

Bereits im August hatten Forscher der Ruhr-Uni Bochum Mundspülungen auf ihre Wirkung gegen das Coronavirus getestet und herausgefunden, dass Gurgeln hilft, die Viruslast und somit auch das Infektionsrisiko zu verringern.

Die Studienleiterin Toni Meister betonte damals aber auch, dass eine Mundspülung nicht zur Behandlung von Covid-19-Infektionen oder zum Schutz vor dem Virus geeignet sei. Die DGKH greift diese Studienergebnisse allerdings erneut auf und leitet daraus eine Empfehlung zur Eindämmung der Corona-Pandemie ab.

Gurgel-Empfehlung wegen Corona: Hochwirksamer Infektionsschutz mit geringstem Aufwand

Laut den Experten der DGKH seien Nasenspray und Gurgeln zwei simple Präventionsmaßnahmen gegen das Coronavirus, die allerdings zu Unrecht in Vergessenheit geraten seien.

Da es in der Regel einige Tage dauert bis Infizierte erste Symptome zeigen, tragen sie das Virus oft ungeahnt weiter. Deshalb sei es wichtig, die Viruslast an den Eintrittspforten – also im Mund- und Rachenraum – zu reduzieren. Und dazu eignet sich nichts anderes besser, als simples Mundwasser, so die DGKH.

Coronavirus: Einfache Mundspülung reduziert Viruslast im Rachen

Um Mundspülung als Infektionsschutz einzusetzen, muss es allerdings kein teures Mittel aus der Apotheke sein. So sei eine simple Mundspülung mit Kochsalz oder in Alkohol gelöste ätherische Öle ausreichend.

Einige Anwendungsstudien – unter anderem eine seit März laufende Studie an der Universität Greifswald – hätten ergeben, dass die Virusausscheidung durch eine Mundspülung deutlich verringert werden kann.

Dadurch konnte unter anderem die Ansteckung innerhalb von Familien signifikant reduziert werden. Außerdem habe es beim Einsatz von Mundspülungen mit ätherischen Ölen keine Übertragung auf behandelnde Ärzte gegeben.

Gurgeln gegen Corona: DGKH richtet Forderung an die Politik

Kochsalz- oder Jodlösungen sowie Mundspülungen mit ätherischen Ölen seien somit „eine extrem simple und sehr wirksame Maßnahme mit einfachsten Mitteln“. Das sagte Peter Walger, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Mit ihrem Schreiben fordert die DGKH daher die Regierung auf, Mundspülungen als Möglichkeit der Prävention im Kampf gegen die Corona-Pandemie zu nutzen. Die Politik solle sich ihrer Meinung nach, mit einer „Gurgel-Empfehlung“ an die Bevölkerung wenden.

Mundspülung zum Schutz gegen Corona in Pflegeheimen, Kindergärten und im Privatbereich

So könnte Mundspülung beispielsweise in Senioren- und Pflegeheimen, aber auch in Kindergärten zum Schutz eingesetzt werden. „Heimbesucher sollten im Eingangsbereich schnellgetestet werden und gurgeln. Auch das Heimpersonal könnte zweimal am Tag oder anlassbezogen den Mund spülen. Das ist hochwirksamer Infektionsschutz mit geringstem Aufwand“, sagte Peter Walger.

In Schulen und Kindergärten wird den Kindern und Betreuern Gurgeln mit grünem Tee oder Kochsalzlösung bei gleichzeitiger Anwendung von Nasenspray empfohlen, heißt es außerdem in dem Empfehlungsschreiben. Aber auch im Privaten, wo sich die meisten Menschen mit dem Coronavirus infizieren, sollte der Einsatz von Mundspülungen verstärkt in den Alltag integriert werden - zum Beispiel vor einem gemeinsamen Essen.

Die Gurgel-Empfehlung der DGKH ist nichts Neues. So hatte beispielsweise der Reichsgesundheitsrat 1918 aufgrund der Spanischen Grippe einen ganz ähnlichen Hinweis zur Prävention gegeben. In Japan hat das tägliche Gurgeln eine lange Tradition, um vor Infektionskrankheiten zu schützen. Im Zuge der Covid-19-Pandemie hatte die japanische Regierung der Bevölkerung das tägliche Gurgeln noch einmal eindrücklich empfohlen.

Rubriklistenbild: © Georg Hochmuth/dpa

Mehr zum Thema