Impf-Aufklärungsbogen und Experten

Corona-Impfungen: Wer sich nicht impfen lassen sollte und wer vorsichtig sein muss

Bis zum Sommer soll jeder Deutsche, der sich impfen lassen möchten, die Möglichkeit dazu bekommen. Einige Personengruppen müssen aber vorsichtig sein.

NRW – Noch ist der Impfstoff von Biontech und Pfizer das einzige in Deutschland zugelassene Vakzin. Es gilt als besonders wirksam. Das Bundesministerium für Gesundheit verweist außerdem darauf, dass der Impfstoff alle drei Phasen des klinischen Studienprogramms bestanden hat, um zugelassen zu werden – also die üblichen Qualitätsstandards erfüllt. Nebenwirkungen sind aber auch hier möglich. Einige Personen müssen bei der Impfung besonders aufpassen – oder sollten gar nicht geimpft werden.

Biontech SE Biotechnologieunternehmen
Gründung 2008
Hauptsitz Deutschland
CEO Uğur Şahin

Corona-Impfungen mit mRNA-Impfstoff – so wirkt das Vakzin von Biontech/Pfizer

Der mRNA-Impfstoff BNT162b2 von Biontech/Pfizer wurde in der EU unter dem Namen Comirnaty zugelassen. Comirnaty ist laut Impf-Aufklärungsbogen, den das RKI veröffentlicht hat, ein gentechnisch hergestellter Impfstoff, der auf einer neuartigen Technologie beruht.

Im mRNA-Impfstoff gegen COVID-19 ist eine „Bauanleitung“ für einen einzigen Baustein des Virus enthalten – nämlich das sogenannte Spikeprotein. Dieses Spikeprotein ist an sich harmlos, der Impfstoff ist somit nicht infektiös. Demgegenüber ist beispielsweise der Impfstoff gegen Masern ein Lebendimpfstoff, der abgeschwächte, vermehrungsfähige Viren enthält.

Die nach der Impfung vom Körper (in Muskelzellen an der Impfstelle und in bestimmten Abwehrzellen) gebildeten Spikeproteine werden vom eigenen Immunsystem als Fremdeiweiße erkannt. Daher werden spezifische Abwehrzellen aktiviert: Es werden Antikörper gegen das Virus und Abwehrzellen gebildet. So entsteht die schützende Wirkung (alle News zu Corona in NRW im Live-Ticker auf RUHR24.de).

Aufklärung gegen Verschwörungstheorien – Erbgut bleibt von Impfstoff unberührt

Im Aufklärungsbogen wird außerdem darauf verwiesen, dass mRNA (Boten-RNA oder messenger Ribonukleinsäure) die „Bauanleitung“ für jedes einzelne Eiweiß des Körpers ist. Daher ist er nicht mit der menschlichen Erbinformation (der DNA) zu verwechseln (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

Die im Impfstoff enthaltene mRNA wird dementsprechend nicht ins menschliche Erbgut eingebaut, sondern im Körper nach einigen Tagen abgebaut – anders als es einige Verschwörungstheorien behaupten. Weitere Infos dazu finden Interessierte auf der Seite Zusammen gegen Corona des Bundesgesundheitsministeriums.

Corona Impfungen – ab wann und wie lange ist man geschützt?

Laut RKI beginnt der ausreichende Impfschutz 7 Tage nach der zweiten Impfung. Denn für einen hinreichenden Impfschutz muss der Impfstoff zweimal im Abstand von 21 Tagen verabreicht werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien etwa 95 von 100 geimpften Personen danach geschützt.

Wie lange die Impfung anhält, dazu kann man derzeit noch keine verlässlichen Aussagen tätigen. Was vor diesem Hintergrund vielleicht überrascht: Eine Impfung von Personen, die schon einmal infiziert waren, ist derzeit erstmal nicht vorgesehen.

Covid-19 – Schwangere und Kinder nicht impfen, Vorsicht bei Fieber

Die Impfstrategie von Gesundheitsminister Spahn sieht ja bekanntlich eine Priorisierung besonders gefährdeter Personengruppen vor. Für viele wird es mit dem Impfen daher erst später losgehen.

Einige Personengruppen sollen den Impfstoff von Biontech und Pfizer aber aufgrund des Risikos möglicher Nebenwirkungen gar nicht erhalten. Folgendes ist zu beachten:

  • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, für die der Impfstoff überhaupt nicht zugelassen ist, werden nicht geimpft.
  • Aufgrund fehlender Erfahrungswerte sollten Schwangere und stillende Mütter grundsätzlich nicht geimpft werden. Wie die britische Gesundheitsbehörde mitteilt, sollten Schwangere nur nach sorgfältiger Abwägung von Risiko und Nutzen eine Impfung erhalten, da nicht ausreichend Daten vorliegen.
  • Personen mit einer akuten Krankheit mit Fieber über 38,5°C sollen erst nach Genesung geimpft werden. Bei leichter Erkältung ist die Impfung laut Aufklärungsbogen aber möglich.
  • Wer in letzter Zeit eine andere Impfung erhalten hat, sollte einen Abstand von mindestens 14 Tagen einhalten.

Corona-Impfungen: Besondere Vorsicht – das müssen Allergiker beachten

Besonders vorsichtig sollen auch Allergiker sein: Bei einer Überempfindlichkeit gegenüber einem Impfstoffbestandteil sollte gar nicht geimpft werden. Dazu zählen zum Beispiel auch Saccharose, Natriumchlorid oder Kaliumchlorid. Eine vollständige Übersicht über die Hilfstoffe findet man bei der Gelben Liste. Einige Impflinge erlitten nach Impfungen mit einem anaphylaktischen Schock. Experten vermuten, dass dafür der Hilfstoff Polyethylenglykol (PEG) verantwortlich war.

Aufgrund der Vorfälle wird derzeit empfohlen, dass sich Personen, die (aufgrund irgendeines Stoffes) schonmal einen allergischen Schock (Anaphylaxie) hatten, nicht impfen lassen sollten. Wenn andere Allergien vorliegen, sollten Patienten das ihren Ärzten ebenfalls mitteilen.

Auch, wer nach einer früheren Impfung oder anderen Spritze ohnmächtig geworden ist oder zu Sofortallergien neigt, sollte dieses dem Impfarzt vor der Impfung mitteilen.

Blutgerinnungshemmer sind kontraindiziert – das gilt für Herzpatienten

Ebenso besondere Vorsichtig ist auch bei Patienten geboten, die Blutgerinnungshemmer einnehmen (z. B. Marcumar oder Pradaxa). Gerinnungshemmer werden beispielsweise bei Herzrhytmusstörungen, Vorhofflimmern, Venenthrombosen u.v.m. eingesetzt. Laut Gelber Liste ist eine Impfung, die direkt in den Muskel gesetzt wird, eigentlich kontraindiziert.

In mehreren Medienberichten weisen Mediziner aber aktuell darauf hin, dass ein großes Hämatom hier das Hauptrisiko sei – und die Impfung daher zu empfehlen. Gerade bei Herzpatienten kann es zu schweren Covid-19-Verläufen kommen, weshalb auch die Deutsche Herzstiftung Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Impfung empfiehlt. Vor der Impfung sollten Patienten, die Gerinnungshemmer einnehmen, aber unbedingt mit ihrem Arzt sprechen. Eigenmächtig dürfen die Medikamente in keinem Fall abgesetzt werden!

Noch unklar: Corona-Impfungen – Wirksamkeit und Risiko bei Krebspatienten

Experten empfehlen derzeit, dass Krebspatienten eine mögliche Impfung mit ihrem Arzt absprechen. Mehrere Faktoren wie Therapieart oder Begleiterkrankungen spielen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle.

Nicht ausgeschlossen sind beispielsweise Überreaktionen bei einer Immuntherapie. Zudem besteht der Verdacht, dass sich eine Chemotherapie negativ auf die Schutzwirkung auswirken könnte. Das Portal Gesundheitsstadt Berlin verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Menschen, deren Immunsystem durch die Krebserkrankung oder -therapie unterdrückt waren, nicht als Probanden bei der bisherigen Zulassungsstudie vertreten waren. Daher gäbe es bislang auch keine verlässlichen Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs für diese Patienten.

Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer – das sind die möglichen Nebenwirkungen

Auch bei allen anderen Personengruppen sind Nebenwirkungen bei der Corona-Impfung möglich – wie bei jedem Impfstoff. Das sind die häufigsten Reaktionen, die in der bisher (nur) zweimonatigen Beobachtungszeit festgestellt wurden:

  • Schmerzen an der Einstichstelle (mehr als 80%),
  • Abgeschlagenheit (mehr als 60%),
  • Kopfschmerzen und Frösteln (mehr als 30%),
  • Gelenkschmerzen (mehr als 20%) sowie
  • Fieber und Schwellung der Einstichstelle (mehr als 10%).

Zudem, so der Aufklärungsbogen, traten häufig Übelkeit und Rötung der Einstichstelle auf, sowie gelegentlich Lymphknotenschwellungen, Schlaflosigkeit oder Schmerzen in Arm oder Bein. Zumeist kommt es innerhalb von 2 Tagen nach der Impfung zu Reaktionen – jüngere Personen sind weniger betroffen.

Nebenwirkungen zumeist mild ausgeprägt – Impfkomplikationen selten

Insgesamt sind die Impfreaktionen zumeist mild oder mäßig ausgeprägt und treten etwas häufiger nach der zweiten Impfung auf. Nur in sehr seltenen Fällen kam es zu Impfkomplikationen. So wurden laut Aufklärungsbogen in den klinischen Prüfungen vor der Zulassung insgesamt 4 Fälle (zwischen 0,1% und 0,01%) von akuter Gesichtslähmung beobachtet. Ob diese wirklich von der Impfung verursacht worden seien, würde aber noch weiter untersucht.

Darüber hinaus verweist das RKI darauf, dass es in weiteren vier Fällen „schwere unerwünschte Ereignisse“ gab, die auf den Impfstoff zurückzuführen sind.

Weitere schwerwiegende Komplikationen seien in den klinischen Studien nicht beobachtet worden. Aber andere Komplikationen könnten dennoch nicht völlig ausgeschlossen werden. Wer Nebenwirkungen nach einer Impfung beobachtet, sollte unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Sie können darüber hinaus beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte online gemeldet werden.

Rubriklistenbild: © Robert Michael/dpa

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