Zahlen machen auch Hoffnung

Corona: Trotz steigender Inzidenzen – Mediziner sehen erste Effekte der Impfungen

Die Corona-Fallzahlen steigen aktuell wieder. Trotzdem gehen viele Experten davon aus, dass die Impfungen schon einen Effekt zeigen.

Deutschland – Die Hoffnung, dass sich der Positivtrend von Ende Januar und Anfang Februar weiter fortsetzt, hat sich nicht bewahrheitet. Die deutschlandweite Inzidenz steigt. Sie liegt aktuell bei 69,1. Am 11. Februar hatte die Inzidenz noch bei 64,2 gelegen. Dennoch sehen Mediziner auch Grund zur Hoffnung – denn die Impfungen zeigen nach Expertenmeinungen erste Effekte. (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de)

CoronavirusSars-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona: Ein Jahr nach Pandemiebeginn ist die Lage weiter ernst

Genau ein Jahr nach der Erklärung einer Pandemie ist die Lage weiterhin ernst. Am 11. März 2020 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ausbruch des Coronavirus zur Pandemie erklärt. Damals waren weltweit erst 118.000 Infektionen gemeldet worden. Mittlerweile sind es rund 118 Millionen.

Am Donnerstag, den 11. März 2021 meldet das Robert Koch-Institut (RKI), dass allein in Deutschland in den letzten 24 Stunden 14.356 neue Corona-Fälle registriert wurden. Das sind 2.444 mehr als noch vor einer Woche. Laut RKI-Präsident Lothar Wieler ist die dritte Welle nicht mehr abzuwenden.

RKI-Präsident: Dritte Welle hat schon begonnen – Impfungen im Wettlauf mit der Mutation

Gegenüber der UN-Journalistenvereinigung (ACANU) in Genf zeigt er sich „sehr besorgt“, denn sein Institut habe „ganz klare Anzeichen“, dass diese dritte Corona-Welle in Deutschland schon begonnen habe.

Die Impfungen seien ein Wettlauf gegen das mutierte Virus, so Lothar Wieler. Die britische Virusmutation B.1.1.7 macht derzeit in Deutschland bereits fast die Hälfte aller Neuinfektionen aus. Sie ist deutlich ansteckender als der Wildtyp.

Lothar Wieler: Impfungen zeigen bereits erste Effekte

Ob wir diesen Wettlauf gegen die Mutante gewinnen, scheint für Mediziner weiter fraglich zu sein. Die steigenden Fallzahlen verheißen zunächst nichts Gutes. Allerdings sieht Lothar Wieler – ebenso wie andere Experten – auch Grund zur Hoffnung.

Bereits vor einigen Tagen erklärte er sich in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU), dass ihn die Impfsituation „sehr freut“. Anlass zur Freude sieht der RKI-Präsident deshalb, weil in den Altersgruppen, in denen geimpft wird, die Inzidenzen „deutlich zurückgehen“. Das gelte besonders für die über 80-Jährigen. Diese Personengruppe ist ja in Deutschland als allererstes geimpft worden.

Sieht erste Effekte der Impfungen: Lothar H. Wieler, Präsident Robert Koch-Institut (RKI).

Corona: Trotz steigender Inzidenzen gehen die Todeszahlen zurück

Lothar Wieler sieht noch einen weiteren damit verbundenen Effekt: Auch die täglich gemeldeten Todeszahlen sinken immer weiter. Ihren traurigen Höchststand hatten die Todeszahlen am 14. Januar 2020 mit 1.244 gemeldeten Toten binnen eines Tages. Sie waren zuvor drei Monate lang stetig gestiegen. Bekanntlich sind es insbesondere die über 80-Jährigen, deren Covid-19-Erkrankungen einen schweren oder tödlichen Verlauf haben

Seit Mitte Januar sinken die Zahlen. Am 11. März wurden innerhalb von 24 Stunden 321 weitere Todesfälle verzeichnet. Auch auf den Intensivstationen entspannt sich die Lage.

Chef der Intensivmediziner: Impfungen und Lockdown zeigen Effekt

Wie ntv berichtet, glaubt auch Uwe Janssens, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), dass die Impfungen bereits Wirkung zeigen.

Allerdings räumt er ein, dass die niedrigen Todeszahlen nicht primär auf die Impfungen zurückzuführen seien. „Wir sind bei den Impfungen – vorsichtig gesagt – relativ weit hinten“, so Janssens.

Die Auswirkungen auf die Todeszahlen könnten daher noch nicht so stark sein. Vielmehr seien die sinkenden Zahlen auch auf den Lockdown zurückzuführen. Die niedrigen Fallzahlen von Mitte Februar würden sich jetzt in den sinkenden Todeszahlen widerspiegeln. Denn die Zahl der Corona-Todesfälle hinkt der Entwicklung bei den Fallzahlen stets hinterher.

Mediziner: Impfungen können uns nicht vor der dritten Welle bewahren

Wie Focus.de berichtet, ist auch Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, überzeugt, dass man einen ersten Impf-Effekt bereits sieht. Er verweise ebenfalls auf die sinkenden Inzidenzen bei den über 80-Jährigen und die vergleichsweise hohen Impfraten in Pflegeheimen.

Carsten Watzl warnt laut Focus.de aber ebenso wie RKI-Präsident Lothar Wieler vor der dritten Welle. „Wir werden uns aus dieser Welle nicht rausimpfen können“ habe Watzl gesagt.

Effekte der Impfungen: Bundeskanzlerin rechnet mit deutlicher Entspannung erst ab Juni

Gleichzeitig habe er daran erinnert, dass der Lockdown nicht dem Zweck diene, Inzidenzen zu senken. Vielmehr ginge es darum, Leben zu retten. Auf längere Sicht würden die Impfungen hier noch deutlichere Effekte zeigen.

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, geht Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) davon aus, dass ein nennenswerter Impfeffekt ab Juni zu erwarten sei. Sie habe in einem öffentlichen Digital-Gespräch mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Hilfs- und Krisentelefonen gesagt, danach würde es „deutlich besser“.

Schnellere Impfangebote sind für Mediziner die einzige Hoffnung gegen das Virus

Auch, wenn der Chef der Intensivmediziner die sinkenden Todeszahlen eher auf den Lockdown zurückführt, einig sind sich die zitierten Experten darin, dass die Impfungen bereits Wirkung zeigen.

Die Vakzine gelten als erster Hoffnungsträger im von RKI-Chef Lothar Wieler beschriebenen „Wettlauf gegen das mutierte Virus“. Umso wichtiger wäre es, endlich schneller zu impfen und mehr Bundesbürgern ein Impfangebot zu machen.

Rubriklistenbild: © Armando Franca/dpa

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