Studien laufen bereits

Neue Corona-Impfung entwickelt: Bei Super-Vakzin ist keine Auffrischung nötig

Coronavirus - Virus SARS-CoV-2
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Eine Zelle (grün) ist mit dem Coronavirus (violett) infiziert. Forscher entwickeln jetzt einen neuartigen Impfstoff. (Symbolbild)

Mehrere Unternehmen arbeiten derzeit an „Super-Impfstoffen“, die keine Auffrischung benötigen. Auch gegen die Mutationen soll ein neuartiges Vakzin zuverlässig wirken.

Deutschland – Wie lange hält der Impfschutz? Und wirken die Impfungen auch gegen die Varianten des Coronavirus? Das sind die beiden Fragen rund um die Vakzine, die die Forscher am meisten beschäftigen. Beide Fragen sind dabei noch nicht abschließend geklärt. Ambitionierte Unternehmen wollen jetzt einen neuartigen Impfstoff entwickeln, der dauerhaft wirkt – oder auch gegen Mutanten.

CoronavirusSars-Cov-2
InfektionskrankheitCovid-19
Häufige Symptome unter anderenHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona-Forschung: Neuartige Impfstoffe stimulieren die T-Zellen

Der Unterschied eines solchen Vakzins gegenüber den bisherigen: Derzeit zugelassene Impfstoffe setzen auf die Bildung von Antikörpern, die das Virus erkennen und zerstören.

Die neuen Vakzine sollen hingegen die T-Zellen (T-Lymphozyten) stimulieren. Diese konzentrieren sich darauf, bereits infizierte Zellen zu finden und zu eliminieren, um eine Ausbreitung zu verhindern – nicht das Virus selbst. Bisher entwickelte Corona-Impfstoffe erreichen zwar ebenfalls eine T-Zellen-Antwort, allerdings ist das nicht deren primäres Ziel.

Corona-Impfungen: Universelles „Super-Vakzin“ soll gegen Mutanten wirken

Zwei dieser jungen Biotechnologie-Unternehmen, die an einem neuartigen T-Zellen-Impfstoff forschen, sind Osivax sowie OSE Immunotherapeutics aus Frankreich. Die Firma Osivax mit Sitz in Lyon verspricht laut Bericht einen „universellen“ Impfstoff, der gegen jede mögliche Variante wirksam wäre, wie erstmalig die französische Nachrichtenagentur Agence-France-Presse (AFP) berichtet.

Denn die Entstehung von Mutationen, die gegen die Impfstoffe immun sind, ist eine der Gefahren, die Experten aktuell Kopfzerbrechen bereiten. So warnte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach im März vor solchen impfresistenten Mutanten.

Und auch Kanzleramtspräsident Helge Braun (CDU) wies öffentlich auf die Gefahr hin, dass es bald eine „Super-Mutante“ geben könnte. Solche möglichen „Super-Mutanten“ wollen Biotechnologie-Unternehmen mit dem neuen „Super-Impfstoff“ besiegen.

Corona-Forscher: Universell wirksame Vakzine bergen auch Risiken

Das hört sich erst einmal sehr vielversprechend an. Allerdings: Viele Wissenschaftler betrachten universelle Impfstoffe auch sehr kritisch*, wie auch die Frankfurter Rundschau berichtet.

Laut AFP erklärt der britische Virologe Julian Tang dazu: „Die massenhafte Impfung erzeugt selbst einen evolutionären Selektionsdruck“. Und weiter: „Dieser Druck kann das Virus dazu bringen, sich so zu entwickeln, dass es jedem Impfschutz entgeht.“ Mit anderen Worten: Ein Impfstoff, der an sich universell angelegt ist, birgt laut Meinung der Forscher auch Risiken.

Video: Forscher sicher – schwerer Covid-19-Verlauf kann vorhergesagt werden

Coronavirus: T-Zellen Impfstoff soll dauerhaft wirksam sein

Der T-Zellen-Impfstoff von OSE Immunotherapeutics hat laut Unternehmenschef Alexis Peyroles einen anderen Vorteil, er soll „mehrere Jahre lang schützen“. Solch ein dauerhaft wirksamer Impfstoff würde ein weiteres Problem lösen, dass Experten derzeit sehen: Die ständige Auffrischung wäre nicht mehr nötig.

So berichtet der WDR aktuell, die Ständige Impfkommission (Stiko) gehe davon aus, dass die Corona-Impfungen in Deutschland spätestens 2022 aufgefrischt werden müssten. Auch Karl Lauterbach (SPD) erwarte eine Immunität von lediglich sechs Monaten. Demnach müssten bereits im Herbst einige Menschen ihre Impfung wiederholen.

Corona-Impfungen: Universitätsklinikum Tübingen forscht an Vakzin mit Langzeitwirkung

Auch in Deutschland – am Universitätsklinikum Tübingen – forscht man an einem T-Zellen-Impfstoff. Der dort konzipierte Impfstoff CoVAC1 zielt ebenfalls auf die Stimulierung einer T-Zellen-vermittelten Immunantwort gegen das Virus ab.

Zuvor hatte man am Universitätsklinikum in Studien nachgewiesen, dass T-Zellen bei der Bildung einer langanhaltenden Immunität gegen das Coronavirus eine tragende Rolle spielen. Auch der in Deutschland entwickelte T-Zellen-Impfstoff soll also eine Langzeit-Immunität bewirken.

Neuartiger Corona-Impfstoff: Idee kommt aus der Krebstherapie

Die Idee für den neu entwickelten Impfstoff kommt aus der Krebsimmuntherapie. Seit vielen Jahren arbeiten Forscher am Universitätsklinikum Tübingen an der Entwicklung sogenannter therapeutischer Peptidimpfungen für Krebspatienten. 

Die Forscher haben für den Corona-Impfstoff nun im Blut von Probanden nach überstandener Covid-19-Erkrankung die Peptide identifiziert, die für die Erkennung des SARS-CoV-2-Virus durch die T-Zellen von Bedeutung sind. „Impft man solche Peptide zusammen mit einem geeigneten Immunstimulator, einem sogenannten Adjuvanz, können T-Zellen gezielt gegen Tumorzellen, aber eben auch gegen virusbefallene Zellen aktiviert werden“, beschreibt Studienleiterin Juliane Walz den Vorgang. 

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat bereits im Dezember 2020 grünes Licht für die erste Stufe der klinischen Prüfung des Impfstoffs gegeben. Erste Ergebnisse zeigen, dass der Impfstoff CoVac-1 eine starke T-Zellen-Antwort in gesunden Probanden erzeugen kann. 

Corona-Forscher: T-Zellen-Impfstoffe könnten bei Vorerkrankten eingesetzt werden

Solche T-Zellen-Impfstoffe könnten nach Expertenmeinung aber auch ergänzend zu einer Antikörper-Impfung Sinn ergeben – und zwar für Vorerkrankte. Menschen, die aufgrund von Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Immunerkrankungen Schwierigkeiten haben, Antikörper zu bilden, könnten so geschützt werden.

Der Impfstoff von OSE sei eine Möglichkeit, die derzeitigen Impfungen zu verstärken, sagt auch OSE-Firmenchef Peyroles. „Er würde die durch die ersten Impfstoffe hervorgerufene Reaktion ergänzen und verbreitern.“ Führende Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die erste „Super-Impfung“ im nächsten Jahr zugelassen werden könnte. *Die Frankfurter Rundschau ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

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