Symptome nach einer Impfung

Corona: Impfreaktion oder Nebenwirkung? Das ist der Unterschied

Schmerzen im Arm nach einer Impfung kennt jeder. Auch nach einer Corona-Impfung ist das möglich. Ist das schon eine Nebenwirkung?

Nordrhein-Westfalen – Mit der Zulassung der Corona-Impfstoffe von Biontech und Moderna kam die Frage nach möglichen Nebenwirkungen auf. Auch bei dem später zugelassenen Impfstoff AstraZeneca wird immer wieder von Nebenwirkungen gesprochen. Möglicherweise handelt es sich dabei aber um Impfreaktionen. Doch was ist eigentlich der Unterschied?

Impfstoffe gegen CoronaBionTech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca (Stand: 24. Februar 2021)
Arten des ImpfstoffsmRNA und nicht replizierender viraler Vektor
Start der Impfkampagne in Deutschland27. Dezember 2020

Symptome nach Corona-Impfung: Impfreaktion oder Nebenwirkung?

Zuletzt hatte ein Fall in Dortmund für Aufregung gesorgt. Anfang Februar wurden zahlreiche Mitarbeiter der Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst oder von Hilfsorganisationen mit AstraZeneca gegen Corona geimpft. Danach meldete sich rund ein Drittel der Geimpften krank.

Die Betroffenen klagten über Fieber und Schüttelfrost. Die Annahme: Die Symptome könnten Nebenwirkungen der Corona-Impfung sein. Die Symptome sind aber auch typische Impfreaktionen. Begriffe wie Impfnebenwirkung und Impfreaktion werden häufig analog verwendet, dabei gibt es wesentliche – und vor allem auch wichtige Unterschiede.

Denn die vermeintlichen Nebenwirkungen der Corona-Impfung führen zu Missverständnissen, Angst oder Unsicherheit, ob man sich überhaupt impfen lassen sollte. Umso wichtiger zu wissen, wann es eine Reaktion und wann eine Nebenwirkung ist, die nach dem Impfen auftritt.

Corona-Impfung ist ein medizinischer Eingriff: Das passiert im Körper

Jeder, der geimpft wird – egal ob gegen Corona, Masern oder eine andere Krankheit – sollte sich bewusst machen, dass eine Impfung auch immer ein medizinischer Eingriff ist. Kurz zusammengefasst werden bei einer Impfung dem Körper abgetötete beziehungsweise stark abgeschwächte Erreger injiziert.

Dadurch wird die Bildung von Antikörpern angeregt, was langfristig gegen die eigentliche Erkrankung schützt. Auf diesen Vorgang reagiert der Körper. Die Medizin unterscheidet dabei im Wesentlichen drei verschiedene Kategorien: Impfreaktionen, Impfnebenwirkungen und Impfschaden.

Reaktion nach Corona-Impfung: Was man darunter versteht

Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt Impfreaktionen als „harmlose Beschwerden“, die nach einer Impfung naturgemäß auftreten können. Typische Symptome sind:

  • Rötung, Schwellungen und Schmerzen an der Einstichstelle
  • Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen
  • Lymphknotenschwellung
  • Abgeschlagenheit, Erschöpfung, Unwohlsein

Laut dem RKI sind „diese Reaktionen Ausdruck der erwünschten Auseinandersetzung des Immunsystems mit dem Impfstoff und klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab.“ Auch allergische Reaktionen von kurzer Dauert zählen zu den Impfreaktionen.

Reagiert der Körper folglich mit Fieber, Schüttelfrost und Erschöpfung nach einer Impfung ist das per se ein gutes Zeichen. Es zeigt, dass das Immunsystem auf Hochtouren läuft und Antikörper gegen die Krankheit bildet.

Corona: Definition von Impfnebenwirkungen und mögliche Folgen

Nebenwirkungen einer Impfung treten wesentlich seltener auf und sind weitaus drastischer. So versteht man unter einer Impfnebenwirkung „eine schädliche und unbeabsichtigte Reaktion auf eine Impfung.“ Laut RKI können Impfnebenwirkungen gefährlich werden und erfordern in der Regel eine stationäre Behandlung in einem Krankenhaus.

Auch Fehlbildungen bei Neugeborenen sowie bleibende oder schwerwiegende Behinderungen bei Erwachsenen zählen zu Impfnebenwirkungen. Stellt ein Arzt das bei einem Patienten nach einer Impfung fest, muss er den Fall dem Gesundheitsamt melden.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), das deutsche Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, sammelt auf Basis der Informationen der Gesundheitsämter alle Fälle in einer Datenbank. Laut RKI sind Impfnebenwirkungen „sehr selten“.

Das Paul-Ehrlich-Institut sammelt sämtliche Daten über Nebenwirkungen und Reaktionen nach Impfungen – unabhängig von Corona.

Reaktionen nach einer Impfung: Impfschaden ist selten die Folge

Bei der letzten Kategorie spricht man von einem Impfschaden. Neurologische Erkrankungen, wie etwa Lähmungen, oder geistige Behinderungen zählen zu den Impfschäden. Kann der Zusammenhang eindeutig mit der Impfung nachgewiesen werden, greift in Deutschland das Bundesversorgungsgesetz und der Betroffene kann einen Antrag auf eine gesetzliche Versorgung stellen.

Zuletzt wurde der Impfung gegen die Schweinegrippe ein Impfschaden nachgesagt. In rund 1000 Fällen traten bei Geimpften exzessive Tagesschläfrigkeit und andere Schlafstörungen auf. „Inzwischen hat man entdeckt, dass die Erkrankung nicht durch die Impfung ausgelöst wurde, sondern durch Antikörper, die auch im Rahmen einer Infektion gebildet wurden“, erklärte Virologe Lukas Weseslindtner gegenüber futurzone.

Impfreaktionen und Nebenwirkung nach einer Corona-Impfung: Das ist bislang bekannt

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) veröffentlicht in regelmäßigen Abständen die Daten zu Impfnebenwirkungen und Impfreaktionen nach der Corona-Impfung. Bislang gibt es kaum Fälle, bei denen schwerwiegende Nebenwirkungen nach einer Covid-19 Impfung aufgetreten sind.

In einigen Verdachtsfällen sind die Reaktionen innerhalb kurzer Zeit wieder abgeklungen. Rund 180 Corona-Geimpfte mussten entweder im Krankenhaus behandelt werden oder die Reaktionen wurden als medizinisch bedeutsam eingeordnet, heißt es in dem Bericht des PEI.

Hierbei handelte es sich allerdings immer um Auswirkungen der Moderna oder Biontech-Impfstoffe. Zu Impfreaktionen und Nebenwirkungen nach der AstraZeneca-Impfung liegen noch keine ausreichenden Informationen vor. Sie werden im nächsten Bericht des PEI erfasst werden, der monatlich erscheint. Dennoch dürfte es sich in vielen Fällen – so auch bei den Dortmunder Rettungskräften – folglich viel mehr um eine Impfreaktion, als um eine Impfnebenwirkung gehandelt haben.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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