Corona-Pandemie

Corona-Impfung: Geimpfte haben im Job mehr Vorteile als Ungeimpfte

Eine Impfpflicht gibt es in Deutschland nicht. Trotzdem wird Ungeimpften der Alltag immer schwerer gemacht. Und jetzt kommen auch noch schlechtere Chancen im Job dazu.

Deutschland – Die Nachfrage nach dem Pieks gegen Corona hat deutlich nachgelassen. Um Menschen trotzdem zum Impfen zu bewegen, gibt es mittlerweile Impfanreize wie gratis Bratwürstchen und Cocktails. Sogar über Prämien wird nachgedacht, um die Impfquote weiter zu steigern. Währenddessen hat sich die Bundesregierung nun auf schärfere Regeln für Ungeimpfte geeinigt. Und auch sonst wird der Alltag ohne Impfung wohl immer schwieriger.

VirusCoronavirus
Prävention/SchutzmaßnahmenMaskenpflicht, Impfungen, Hygieneregeln
Vollständig Geimpfte in Deutschland46,2 Millionen Menschen (Stand 11. August)

Ungeimpfte versus Geimpfte: Menschen ohne Corona-Impfung haben es jetzt viel schwerer

Seit Dienstag (10. August) ist es offiziell: Corona-Schnelltests sind ab dem 11. Oktober nicht mehr kostenlos. Gleichzeitig wird laut Beschluss der Bundesregierung der Zutritt zu vielen Dingen des alltäglichen Lebens nur noch für Geimpfte, Genesene oder getestete Menschen möglich sein. Heißt im Umkehrschluss: Ungeimpfte müssen sich für alles Mögliche testen lassen und die Tests dafür aus eigener Tasche bezahlen.

Auch in Sachen Urlaub haben Ungeimpfte einen großen Nachteil gegenüber Geimpften: Für sie besteht noch immer eine Quarantänepflicht nach der Rückkehr aus Hochrisikogebieten. Zudem ist es für Personen mit Impfungen deutlich leichter, in verschiedene Länder einzureisen.

Ungeimpfte im Job: Fachanwältin erklärt, warum Geimpfte einfacher einen Job finden könnten

Obwohl es in Deutschland keine Impfpflicht gibt, wird das Leben als Ungeimpfter also immer schwieriger. Probleme könnte es künftig auch bei der Jobsuche geben, denn Geimpfte sind deutlich pflegeleichter als Ungeimpfte.

Im interview mit Watson erklärt Kaja Keller, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Gansel Rechtsanwälte in Berlin, warum das so ist: Unter Umständen könnte ein ungeimpfter Mitarbeiter eine Homeoffice-Ausstattung benötigen, damit er andere und sich besser vor einer Corona-Infektion schützen kann. Außerdem wäre es als Ungeimpfter schwieriger, eine Dienstreise im Ausland anzutreten.

Corona-Regeln: Arbeitgeber dürfen Arbeitnehmer nicht nach ihrem Impfstatus fragen

Für Geimpfte entfallen diese Schwierigkeiten. Bei ähnlichen Qualifikationen könnte es also sein, dass der Geimpfte einen Vorteil hat und den Job bekommt, weil seine Beschäftigung für den Arbeitgeber einfacher ist. Das ist laut Keller aber keine juristische Frage, sondern eher eine „Logik des Arbeitsmarktes“.

Aber: Theoretisch darf der potenzielle Arbeitgeber einen Bewerber gar nicht nach seinem Impfstatuts fragen. Das Gleiche gilt für bereits angestellte Mitarbeiter. Eine Ausnahme bildet das Gesundheitswesen, dort ist eine Abfrage des Impfstatus je nach Bereich zulässig, weil es durch das Infektionsschutzgesetz so festgelegt wurde. Allerdings können Arbeitnehmer die Antwort verweigern, was in der Praxis jedoch als „nein“ – also nicht geimpft – gesehen werden könnte.

Ungeimpfte im Job: Kollegen können nicht einfach den Impfstatus ihrer Sitznachbarn erfragen

Wer als Geimpfter wissen will, ob seine Kollegen bereits geimpft sind oder nicht, hat schlechte Karten. Denn hier gilt der Datenschutz: Eine Offenlegung des Impfstatus unter Kollegen ist nicht erlaubt. Im Zweifelsfall wird man also nie erfahren, ob der Tischnachbar geimpft ist oder nicht.

Bestehen begründete Sorgen über mögliche Ansteckungen im Job, dann sollte sich ein Arbeitnehmer trotzdem an seinen Vorgesetzten wenden, damit gemeinsam nach Lösungen geschaut werden kann.

Viele Arbeitgeber setzen weiterhin auf Homeoffice, um ihre Angestellten vor einer Corona-Infektion zu schützen.

Gekündigt, weil man sich nicht impfen will? Das ist laut Kaja Keller nicht zulässig!

Aktuell gibt es in Deutschland keine Impfpflicht im Job. In vielen Bereichen setzen Arbeitgeber aus Gründen des Infektionsschutzes deshalb trotz Auslaufen der Homeoffice-Pflicht weiterhin auf das Arbeiten von zu Hause. Damit kommt der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Kollegen nach, ohne sich juristisch angreifbar zu machen.

Anders sieht es bei Kündigungen von Ungeimpften aus: Wenn ein Arbeitnehmer gekündigt wird, weil er sich nicht impfen lassen möchte, dann kann er dies gerichtlich anfechten. Dann wird geprüft, ob im Einzelfall die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers höher wiegt als die Rechte des Arbeitnehmers. Grundsätzlich stünde es aber jedem frei, und das betont Keller in dem Watson-Interview immer wieder, ob er sich impfen lassen möchte oder nicht. „Impfen ist eine höchstpersönliche Angelegenheit und kann nicht vom Arbeitgeber angeordnet werden.“

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