Mediziner zur Wirksamkeit von Vakzin

Corona-Infektion trotz zweifacher Impfung? Wie das möglich ist

Bei insgesamt 14 Senioren aus einem Altenheim wurde die britische Mutante nachgewiesen. Das Besorgniserregende dabei: alle waren bereits zweifach geimpft.

Osnabrück/NRW – Wie am 7. Februar bekannt wurde, sind Bewohner aus einem Altenheim mit der britischen Mutante B.1.1.7 des Coronavirus infiziert worden, obwohl sie bereits zweifach geimpft wurden. Ihnen wurde das Vakzin von Biontech/Pfizer verabreicht, das nach ersten Studien eigentlich auch gegen die britische Mutante wirken soll. Der Fall stellt die Verantwortlichen vor ein Rätsel: Wie konnte es trotz Impfung zu diesem Ausbruch kommen?

CoronavirusSARS-CoV-2
InfektionskrankheitCovid-19
häufige SymptomeHusten, Fieber, Schnupfen, Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns

Corona: Senioren trotz Impfung mit britischer Mutante B.1.1.7 infiziert

Wie der NDR unter Berufung auf die Angaben des zuständigen Landkreises berichtet, sind erste Fälle bei den täglichen Schnelltests in dem Seniorenheim im niedersächsischen Belm bei Osnabrück am 2. Februar aufgefallen. Im Zuge dessen seien dann sämtliche Bewohner getestet und die Viren typisiert worden. Insgesamt sind 14 Fälle der britischen Variante B.1.1.7 nachgewiesen worden.

Eigentlich soll das Vakzin von Biontech/Pfizer auch gegen diese Mutante schützen. Das hatten erste Tests ergeben. Der Impfstoff gilt außerdem als besonders sicher – er soll einen Schutz von mehr als 95 Prozent bieten (alle Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Infektionen mit Corona-Mutation trotz Impfungen: Bundesgesundheitsministerium lässt den Fall prüfen

Der Fall beschäftigt auch die Bundesregierung: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) erklärte am Montag (7. Februar), er habe beim Paul-Ehrlich-Institut und dem Robert Koch-Institut (RKI) um Untersuchungen gebeten.

Weiter erklärte Jens Spahn (40, CDU), es gebe nach jetzigem Kenntnisstand mehrere mögliche Erklärungen für die Infektionen. So sei es zunächst möglich, dass die Senioren sich bereits vor den Impfungen angesteckt hatten, die Infektionen aber bislang unentdeckt blieben. Dagegen spricht eventuell, dass die zweiten Impfungen bereits am 25. Januar verabreicht wurde. Es könne auch sein, so Jens Spahn, dass es bis zum vollen Impfschutz noch eine Zeit dauere.

Senioren in Altenheim in Belm bei Osnabrück sind postitiv auf die britische Mutante getestet worden. Sie waren bereits zweifach geimpft.

Corona-Infektionen trotz zweifacher Biontech/Pfizer-Impfung – das sagen Mediziner

Führende Mediziner geben derweil Entwarnung. Denn bislang zeigen die Senioren nur leichte Symptome. Da es gerade bei Senioren oft zu schlimmeren Verläufen kommt, vermuten Experten, dass die Impfungen Wirkung zeigen, indem sie die Verläufe abmildern. Der Impfstoff hätten nach dieser Theorie also die Ansteckung nicht verhindert, sondern nur die Schwere der Verläufe gemildert.

Laut Bericht der Westfälischen Nachrichten betont beispielsweise der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, der Fall sei „nicht besorgniserregend, sondern zeigt, dass die Impfung funktioniert“. Denn dass die Verläufe mild seien, spräche für den Impfschutz. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (57) sagte in einem Welt-Interview, er würde sich derzeit selber jedes der Vakzine verabreichen lassen – sie seien alle besser als gar nicht zu impfen.

Corona-Ausbruch in Seniorenheim trotz Impfung: Biontech nimmt Stellung

Auch Biontech hat sich bereits zu dem Fall geäußert. Nach einem Bericht des NDR bestätigt der Impfstoffhersteller die Theorie des Verhinderns von schweren Ausbrüchen. So habe das Unternehmen mitgeteilt: „Sollten Menschen trotz der Immunisierung an Covid-19 erkranken, ist das Ziel der Impfung, vor einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen.“

Dass die Senioren lediglich leichte Symptome zeigten, spräche – nach derzeitigem Kenntnisstand – für den Impfschutz. Nochmals verwies das Biontech aber auch darauf, dass das Vakzin sieben Tage nach der zweiten Impfung eigentlich zu 95 Prozent vor der Erkrankung schütze.

Infektion nach erneuter Impfung – Patientenschützer fordern Gesundheitsamt zum Handeln auf

Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, fordert Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz das Gesundheitsministerium dazu auf, Senioren- und Pflegeheime nach der zweiten Impfung zu überwachen. Nur so könne man herausfinden, welche Gefahr die Mutationen für diese Risikogruppe bedeuten.

Denn es zeichne sich doch ab, dass auch Geimpfte nicht immun gegen das Coronavirus seien und es auch weitergeben könnten, so Eugen Brysch. Auch er gibt aber Entwarnung: „Das muss kein Schreckensszenario sein“, denn „wir werden mit dem Virus leben“.

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

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