Herden-Immunität möglich

Studie macht Hoffnung: Wie hoch das Übertragungs-Risiko nach einer Corona-Impfung ist

Vakzin von BionTech Pfizer
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Inwieweit geimpfte Personen das Coronavirus weiter tragen können, ist unklar.

Eine Impfung schützt vor Corona. Aber sind geimpfte Personen auch weniger ansteckend? Das soll eine Studie nun aufklären.

Dortmund – Seit Ende Dezember läuft die Impfkampagne in Deutschland und NRW. Gegen das Coronavirus geimpft wird derzeit nach einem festgelegten Ablauf, besonders gefährdete Menschen erhalten demnach zuerst das Vakzin. Eine neue Studie gibt nun weiteren Anlass zur Hoffnung.

KrankheitCoronavirus, Covid-19
ErregerSars-Cov-2
Symptome (unter anderem)Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Neue Corona-Studie: Wie ansteckend sind Personen nach einer Impfung?

Forscher aus Israel sind in einer neuen Studie einer derzeit zentralen Frage des Impf-Geschehens nachgegangen. Zwar schützt die Corona-Impfung Menschen vor der Krankheit Covid-19. Aber sind Geimpfte im Fall eine Infektion auch weniger ansteckend und damit weniger gefährlich?

Das Team vom Idan Yelin vom Institute of Technolofy in Haifa hat das an Laborbefunden von rund 5800 Corona-Infizierten untersucht, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland berichtet. Etwa die Hälfte der Probanden hat den Impfstoff von Biontech/Pfizer erhalten, die andere Hälfte wurde nicht geimpft (alle News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Bei 1140 Menschen, deren Impfung bereits zwölf bis 28 Tage zurücklag, war die durch PCR-Untersuchung ermittelte Viruslast um den Faktor vier geringer als bei den Ungeimpften. Laut dem Infektiologe Clemens Wendtner von der Müncher Klinik Schwabing sei dieses Ergebnis „Anlass zur Hoffnung“. Er spricht sogar davon, dass sogenannte Herdenimmunität möglich ist.

Ansteckung trotz Impfung: Infektiologe hat noch Fragen zur neuen Corona-Studie

„Der Impfstoff führt nicht nur zu einem Individualschutz des Geimpften hinsichtlich einer Covid-19-Erkrankung, sondern es ist davon auszugehen, dass bei einer ausreichenden Durchimpfung der Bevölkerung auch ein gewisser Bevölkerungsschutz im Sinne einer Vakzin-basierten Herdenimmunität realistisch entstehen kann“, so Wendtner. Allerdings müsse weiter erforscht werden, wie lange dieser Effekt tatsächlich andauert. Etwa mit einer weiteren Studie.

Denn einige Fragen bleiben offen. So sei es aus Sicht von Wendtner etwa unklar, ob die bei Geimpften nachgewiesenen Coronaviren überhaupt infektiös waren. Es könnten nämlich auch leere Virushüllen gewesen sein, die sich gar nicht hätten vermehren können. Auch welche Rückschlüsse die vermeintlich geringe Viruslast von geimpften Personen tatsächlich auf deren Ansteckungspotenzial zulässt, müsse geklärt werden.

Offene Fragen nach Corona-Studie: Ansteckungsgefahr bei Geimpften unklar

Auch für Marco Binder vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg fehlen Informationen, um den epidemiologischen Nutzen einer Massenimpfung und damit der neuen Studie aus Israel abschätzen zu können. Die möglicherweise geringere Ansteckungsfähigkeit nach einer Impfung sei laut ihm zwar auch „grundsätzlich ein erfreulicher Befund“. Es bleibe aber fraglich, inwiefern sich das tatsächlich auf die Infektiosität der betroffenen Personen auswirkt.

Video: Vordrängler bei Corona-Impfung: Patienten-Schützer fordern Strafe

Des Weiteren gelte es zu klären, wie die eine zweite Impfdosis sich auf die Viruslast von Infizierten auswirke. Der Impfstoff von Biontech/Pfizer ist ein sogenannter mRNA-Impfstoff und wird in zwei Dosen verabreicht, in der Vergangenheit kam es schon zu Ansteckungen, obwohl beide Dosen verimpft wurden.

„Die Beantwortung dieser Fragen wird Zeit benötigen, aber sie wird unabdingbar sein, um die Auswirkung von Impfkampagnen auf die epidemiologische Lage zuverlässig einschätzen und vorhersagen zu können“, so Binder.

Laut Informationen des ZDF haben in Deutschland aktuell (Stand: 13. Februar) 2.635.673 Personen die erste Impfdosis erhalten. Das entspricht 3,17 Prozent der Bevölkerung. Die zweite Impfdosis haben 1.331.573 Menschen, also 1,6 Prozent erhalten. Die World-Health-Organisation (WHO) spricht ab etwa 60 bis 70 Prozent von einer Herdenimmunität.

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