Impfverordnung wird zur Empfehlung

Corona-Impfung beim Hausarzt im April: Spahn wird deutlich – und lobt Joko und Klaas

Ab April sollen auch niedergelassene Hausärzte in ihren Praxen impfen können. Die Corona-Impfungen in den Arztpraxen sollen nach Ostern beginnen

Update, Donnerstag (1. April), 12.40 Uhr: In seiner Pressekonferenz vom 1. April hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) zum weiteren Vorgehen bei den Impfungen in den Arztpraxen geäußert. „Den Weg gehen Bund, Großhandel, Apotheken, Arztpraxen“, erklärt Spahn zum Vorgehen bei den Impfungen in Arztpraxen. Und weiter: „Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger. Indem wir mit dem Impfen in den Hausarztpraxen beginnen, etablieren wir Strukturen, die uns helfen, schneller und mehr zu impfen.“

Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV)Dachorganisation der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen
OrganisationÄrztliche Selbstverwaltung
HauptsitzBerlin

Impfungen in den Praxen im April – zunächst starten die Hausärzte

Für die erste Woche hätten 35.000 Hausarztpraxen insgesamt 1,4 Millionen Impfdosen bestellt. Bund und Ländern planen dabei, zunächst 940.000 Dosen zu liefern. Das seien rund 20 Impfdosen pro Praxis – was für „eine Impfsprechstunde“ reiche. Diese Menge werde sich in den folgenden Wochen dann erhöhen.

„Wir beginnen, so ist es vereinbart, in den hausärztlichen Praxen“ erklärt der Bundesgesundheitsminister. Längerfristig sollen aber auch Fach- und Betriebsärzte in die Impfkampagne einbezogen werden. Spahn geht dabei davon aus, dass die Impfungen beim Hausarzt, „schon Ende April deutlich an Fahrt aufnehmen können.“ So seien Ende April mehr als drei Millionen Dosen pro Woche für die Praxen vorgesehen. 

Corona-Impfungen: Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht Arztpraxen als Game-Changer

Auch Alexander Gassen, der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), betont, es würden nach und nach mehr Praxen teilnehmen. Er ist zuversichtlich, dass man so „Kontrolle über die Pandemie“ bekommen werde.

Marcus Freitag vom Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels bemerkt ebenfalls: „Heute ist ein guter und wichtiger Tag für die deutsche Impfkampagne.“ Mit der Verteilung starte man am Dienstag (6. April), so Freitag. „Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen nach Ostern 35.000 weitere hinzu, und das ist kein Aprilscherz“, sagte Gassen mit Bezug auf die Hausärzte.

Corona: Bundesgesundheitsminister will Jugendliche „schnellstmöglich“ impfen

Gestartet wird zunächst mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Ab der Woche vom 19. April ist dann auch AstraZeneca vorgesehen.

Jens Spahn (CDU) geht auch auf die Impfungen von Kindern ein. Nachdem Biontech und Pfizer gemeldet hatten, dass es erste Studienergebnisse zur Wirksamkeit bei Jugendlichen gebe, sei es jedoch wichtig, dass bis zum Abschluss der Studien gewartet werde, so Spahn. „Sobald die Zulassung da ist, werden wir natürlich schnellstmöglich mit dem Impfen von Jugendlichen beginnen“, so der Minister. 

Corona-Hammer auf der Pressekonferenz: Spahn mit großem Lob für TV-Beitrag von Joko und Klaas

Außerdem spricht der Bundesgesundheitsminister in der Pressekonferenz auch ein Lob für die Moderatoren Joko und Klaas aus, deren TV-Beitrag ihn „sehr gefreut“ habe. Die Moderatoren hatten am Mittwoch (31. März) auf ProSieben einen Einblick in den Alltag deutscher Pflegekräfte gegeben. „Es ist gut, dass die Pflege jetzt in der Prime-Time läuft. Die Pflegekräfte in Deutschland leisten extrem viel.“

Zum Bericht auf ProSieben meint er konkret: „Ich finde es gut, dass dieser Einsatz auch in der Echtzeit – jetzt über mehrere Stunden – nachvollziehbar gemacht worden ist, im TV.“ Das zeige uns, wie wichtig es ist wahrzunehmen, was auf den Intensivstationen seit Monaten geleistet werde, so Jens Spahn.

Überraschen mit TV-Beitrag über den Alltag in der Pflege: Die ProSieben-Moderatoren Joko und Klaas. (Symbolbild)

Nach TV-Doku: Spahn kündigt Gespräche für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege an

Zudem räumt er ein: „Pfleger und Pflegerinnen verdienen unseren Respekt aber vor allem auch bessere Arbeitsbedingungen“. Zugleich sei auch eine bessere Bezahlung notwendig – ebenso wie in der Doku gefordert. Das soll in weiteren Gesprächen geschehen.

Man wolle nun „zügig“ mit den Pflegeverbänden darüber beraten, wie man die Arbeitsbedingungen konkret verbessern könne. Ein neuer Corona-Bonus für Beschäftigte in Krankenhäusern soll ebenfalls bis Ende Juni 2021 ausbezahlt werden.

Erstmeldung, Freitag (26. März): Deutschland – Nach Ostern wird das Impfen gegen Covid-19 in den Arztpraxen möglich sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel (66, CDU) sagte dazu im Anschluss an das Impfgespräch vom 19. März: „Wir wollen schneller und flexibler werden“. Aufgrund der Impfstoffknappheit sind die Dosen, die den Ärzten zur Verfügung stehen, aber zunächst sehr begrenzt.

Corona-Impfungen: Im April in Impfzentren und in Hausarztpraxen möglich

Wie die Bundesregierung mitteilt, haben sich Bund und Länder darauf verständigt, dass die Impfungen in den Zentren und in den Praxen parallel ablaufen. Die Bundesländer werden demnach weiterhin Termine in den Impfzentren entsprechend der Coronavirus-Impfverordnung vergeben.

Wenn die Menge der wöchentlich verfügbaren Impfstoffe, die wöchentliche Lieferung an die Länder übersteigt, wird ab Kalenderwoche 14 auch an die Arztpraxen ausgeliefert – und zwar entsprechend dem Bevölkerungsanteil (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

Impfungen in Hausarztpraxen: Ab dem 6. April soll es losgehen – Impfstoff ist weiter knapp

Vorerst werden vom Bund nur ca. eine Million Impfstoffdosen wöchentlich für die Praxen bereitgestellt, weshalb primär die Hausärzte impfen werden. Später sollen auch Fach- und Betriebsärzte einbezogen werden.

Wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklärt müssen die Ärzte bis zum 30. März die Impfdosen für die erste Woche bestellen. Laut Bundesregierung sollen die Arztpraxen ab dem 6. April in den Impfprozess einbezogen werden. Bei der KBV heißt es dazu, die Bestellung für die erste Impfwoche muss bis 30. März um 12 Uhr in der Apotheke eingehen, damit ab 7. April in den Praxen geimpft werden kann.  

Impfungen beim Hausarzt zunächst nur mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer

Weiter erklärt die KBV, in den ersten beiden Wochen (7. bis 18. April) werde voraussichtlich nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer bei den niedergelassenen Ärzten verimpft werden. Später sollen dann auch andere Vakzine hinzukommen.

Gleichzeitig ist die Bestellmenge für jede der rund 50.000 Hausarztpraxen wöchentlich auf etwa 20 Impfdosen begrenzt. Mit deutlich mehr Impfstoffdosen rechnet man erst in der letzten Aprilwoche. Biontech-Gründer Uğur Şahin hatte kürzlich davon gesprochen, er erwarte erst ab Herbst ein Ende der Corona-Beschränkungen.

Impfungen in den Arztpraxen: Ärzte entscheiden, wer zuerst geimpft wird

Von der Bundesregierung vorgesehen ist zunächst eine Impfsprechstunde pro Woche – oder aber die gezielte Impfung besonders vulnerabler Patienten. Auch für die Impfungen in den Arztpraxen gilt die Priorisierung gemäß der Impfverordnung als Grundlage. Diese können sie aber „flexibel anwenden“.

Mit anderen Worten: Die Ärzte entscheiden selbst, wen sie zuerst impfen. Von der Bundesregierung werden sie lediglich aufgefordert, Risikopatienten vorzuziehen beziehungsweise immobile Patienten per Hausbesuch zu impfen.

Impfverordnung wird zur Empfehlung: Politik setzt auf Integrität der Ärzte

Im ZDF-Morgenmagazin stellte Moderatorin Dunja Hayali Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) bereits die unbequeme Frage, ob es dadurch vielleicht zu Ungerechtigkeiten käme: „Es ist nicht der Privatpatient, es ist nicht, wer zuerst kommt, malt zuerst, nicht wer den besseren Draht zum Arzt hat?“, fragte die Moderatorin den Minister.

Als Antwort betont Jens Spahn, er habe „ein sehr hohes Vertrauen in die Ärzte“, dass diese solche Patienten priorisieren, die „auch am meisten gefährdet sind.“ Es gebe ein „tiefes Vertrauen, dass die Ärzte wissen, wer am bedürftigsten ist“, heißt es auch vonseiten der Bundeskanzlerin.

Coronavirus: Hausärzte fordern seit Langem, das Impfen in Praxen zuzulassen

Dieses Vertrauen haben viele der Ärzte allerdings bislang vermisst, denn Mediziner fordern seit Längerem, das Impfen auch in den Praxen zu ermöglichen. „Wir können sofort loslegen. Das ist kein Problem, wenn die Impfstoffe wie in die Impfzentren auch an die Praxen verteilt werden“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, wie tagesschau.de bereits im Februar berichtet.

Und weiter: „Wir können das, wir sind flexibel und wir können die Menschen, die noch unsicher sind, ob sie sich impfen lassen wollen, auch überzeugen.“ 

Kassenärztliche Bundesvereinigung: Impfungen beim Arzt „der einzige Weg“ aus dem „Ausnahmezustand“

Was lange gefordert wurde, ist nun auch bei der Bundesregierung angekommen. So erklärt Angela Merkel (66, CDU), „Die sprichwörtliche und im übrigen auch bewährte deutsche Gründlichkeit“ wolle man mit den Impfungen in den Arztpraxen „um mehr deutsche Flexibilität“ ergänzen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Andreas Gassen, geht noch weiter. Er betont, das Impfen in den Hausarztpraxen, sei „der einzige Weg, der hilft, den nationalen Ausnahmezustand zu beenden.“

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

Mehr zum Thema