Gesundheitsministerium klärt auf

Corona: Impfpass-Foto in den sozialen Medien posten – der Trend hat fatale Folgen

Immer häufiger kursieren Bilder von Impfpässen, die zeigen, dass man gegen Corona geimpft ist. Betrüger können solche Fotos aber für illegale Geschäfte nutzen.

Dortmund – Ich hab‘s getan: Fotos der Corona-Impfung im Impfausweis, die inzwischen häufig in den sozialen Medien kursieren, sollen genau das sagen. Ein Zeichen der Solidarität, der Freude, der Hoffnung, dass es mit der Impfkampagne gegen Corona vorangeht und damit möglicherweise ein Ende der Covid-19-Pandemie naht. Auch wenn die Freude verständlich ist, ein Foto sollte man lieber nicht machen. Es könnte fatale Folgen haben.

Corona-ImpfstoffSchutz vor Covid-19
Aktuelle Impfstoffe (Stand 20. April)Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca, Johnson & Johnson
Arten der ImpfstoffemRNA und Vektor

Impfausweis: Fotos mit der Corona-Impfung kursieren im Internet

Aktuell sind noch die über 70-Jährigen offiziell mit dem Impfen gegen Covid-19 dran. Aber auch jüngere Personen haben immer häufiger die Chance, sich aufgrund gewisser Sonderregeln schon jetzt mit einem der Vakzine gegen Corona impfen zu lassen. Sie teilen ihre Freude darüber häufig mit einem Foto des Impfpasses auf Instagram, Facebook, Twitter und Co.

In den sozialen Medien hat ein solches Foto besser nichts verloren. Denn einerseits handelt es sich bei den Informationen im Impfpass um sensible und persönliche Gesundheitsdaten, die geschützt besser geschützt werden sollten. Das erklärte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage vom Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Foto vom Impfausweis: Betrüger nutzen Nachweis für die Corona-Impfung aus

Ein anderer Grund, warum man kein Foto von seinem Impfpass mit der Corona-Impfung veröffentlichen sollte ist, dass bereits erste Betrüger die Situation ausnutzen und die darin enthaltenen Daten auf irgendeine Art und Weise missbrauchen – beispielsweise um Impfpässe zu fälschen.

Das zeigte zuletzt unter anderem eine ARD-Recherche der Sendung „Report Mainz“. Kriminelle können die Informationen auf dem Impfpass, die sie durch das Foto erhalten, nutzen, um täuschend echte Kopien zu erstellen. Wie in dem Bericht deutlich wird, soll es inzwischen regelrecht einen illegalen Handel mit gefälschten Impfausweisen geben.

Corona-Impfung: Gefälschte Impfausweise aufgrund Impfpass-Selfies im Umlauf

Die Betrüger verkaufen die Impfausweise mit dem Covid-19-Eintrag für Wucher-Preise im Internet. RTL berichtete unter anderem davon, dass in diversen Telegram-Gruppen gefälschte Impfpässe mit eingetragener Corona-Impfung beispielsweise für rund 125 Euro angeboten werden.

Aufgrund von vermeintlich echt aussehenden Aufklebern mit Chargennummer, Stempel und Unterschrift sehen diese aus wie das Original. Das Deutsche Rote Kreuz hat inzwischen deshalb bereits Anzeige gegen Unbekannt erstellt – allerdings bislang ohne Erfolg (mehr Warnungen auf RUHR24)

Wer ein Foto von seinem Impfpass öffentlich teilt, sollte zumindest die Chargennummer unkenntlich machen.

Corona: Impfausweise sind nicht fälschungssicher – das soll sich bald ändern

Ein weiteres Problem: Die Druckvorlage für den Impfpass ist frei verkäuflich. Erst mit dem Aufkleber und der Unterschrift von einem Arzt werden sie zu einer vermeintlich gesicherten Urkunde. Hausärzte sind daher auch eigentlich die einzigen, die bei Verlust einen neuen Impfpass ausstellen dürfen. Dank der Impfpass-Selfies hätten die Kriminellen ein leichtes Spiel Fälschungen herzustellen, die dem Original täuschend ähnlich sehen.

Das Gesundheitsministerium gab in diesem Zusammenhang zu, dass der weit verbreitete WHO-Impfausweis diesbezüglich Schwächen aufweise. Nicht zuletzt deshalb sei es wichtig, bis 2022 den digitalen Impfausweis zu etablieren, der eine deutlich höhere Fälschungssicherheit aufweise.

Corona-Impfung: Kriminelle verkaufen gefälschten Impfpass zum Wucher-Preis

Die ARD-Reporter haben Kontakt mit einem der Anbieter aufgenommen. Dieser gab an, er könne sich angeblich vor Anfragen kaum retten. Interessierte kämen aus ganz Deutschland. Die Polizei ermittelt inzwischen mit Hochdruck daran, der Betrugsmasche auf die Schliche zu kommen. Denn der illegale Handel mit den gefälschten Impfausweisen ist in zweierlei Hinsicht bedenklich, wie echo24* berichtet.

Wer vorgibt gegen Corona geimpft zu sein, gefährdet die Sicherheit – und vor allem die Gesundheit seiner Mitmenschen. Aber nicht nur die Fälschung und deren Verkauf sind strafbar, sondern auch der Erwerb. Laut § 267 im Strafgesetzbuch heißt es dazu: „Wer zur Täuschung im Rechtsverkehr eine unechte Urkunde herstellt, eine echte Urkunde verfälscht oder eine unechte oder verfälschte Urkunde gebraucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Foto vom Impfpass machen: Das sollte man unbedingt beachten

Wer nun dennoch ein Foto im Internet veröffentlichen möchte, um seinen Mitmenschen zu zeigen, dass man gegen Covid-19 geimpft wurde, sollte eine Sache beachten:

Relevante Daten wie die Chargennummer der Corona-Impfung sollten geschwärzt werden, bevor das Foto in den Sozialen Netzwerken veröffentlicht wird. So zum Beispiel bei dem Foto von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie wurde am 16. April gegen Corona geimpft und im Anschluss wurde ein Foto ihres Impfpasses auf Twitter geteilt. Auch hier war die Chargennummer unkenntlich gemacht. *echo24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA

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