Coronavirus-Pandemie

Russischer Corona-Impfstoff „Sputnik V“: Arzneimittel-Agentur prüft EU-Zulassung

Der russische Corona-Impfstoff „Sputnik V“ gilt laut einer umstrittenen Studie als hochwirksam. Jetzt prüft die EU-Arzneimittel-Agentur, ob er zugelassen werden kann.

Nordrhein-Westfalen – Er ist nach einem der ersten Satelliten und einer Internetseite für Staatspropaganda benannt: der russische Corona-Impfstoff „Sputnik V“. Eine umstrittene Studie bescheinigte ihm Anfang Februar eine hohe Wirksamkeit. Derzeit prüft die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) seine Zulassung. Was steckt hinter dem Vakzin?

ImpfstoffSputnik V (Gam-COVID-Vac)
EntwicklerGamaleja-Institut, Moskau
LandRussland

Corona-Impfstoff „Sputnik V“: Russischer Wirkstoff könnte in Deutschland zugelassen werden

Auch in Deutschland sterben täglich weiterhin Hunderte Menschen an Covid-19 (alle News zum Coronavirus in NRW). Kein Wunder also, dass verzweifelt nach weiteren wirksamen Impfstoffen gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gesucht wird. Mit im Rennen: der russische Wirkstoff „Sputnik V“ (zu Deutsch: „Begleiter“, „Weggefährte“). Anfang Februar kündigte der Bund an, für rund 6,2 Milliarden Euro weitere Impfstoffe kaufen zu wollen.

„Sputnik V“ wird seit 4. März laut der EMA im sogenannten Rolling-Review-Verfahren geprüft. Bei dem zeitsparenden Verfahren werden die Daten bereits ausgewertet, während sie erhoben werden. Die EU-Behörde testet dabei, ob der Nutzen die Risiken des Impfstoffs überwiegt. Grundlage für diese Prüfung sind Studien, die belegen, dass der Impfstoff dafür sorgt, dass Antikörper gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gebildet werden.

Bislang sind in Deutschland diese Corona-Impfstoffe zugelassen:

Corona-Impfstoff „Sputnik V“: Wie hoch ist die Wirksamkeit?

Der russische Wirkstoff „Sputnik V“, auch Gam-COVID-Vac genannt, soll eine Wirksamkeit von rund 91,6 Prozent erreichen. Das geht aus einer Studie des renommierten Medizin-Journals The Lancet hervor. Darin hatten knapp 15.000 Probanden den Wirkstoff und 4.900 ein Placebo erhalten.

Die Studie erntete jedoch bereits kurz nach Veröffentlichung die Kritik anderer Forscher. Sie kritisierten Ungereimtheiten bei den Daten. So waren unter anderem Zahlendreher aufgefallen. Auch die Anzahl der Studienteilnehmer schwankt, ohne dass die Gründe dafür genauer erläutert werden. Fraglich sei laut einem Bericht des Spiegel daher, ob die Wirksamkeit von „Sputnik V“ auch wirklich oberhalb von 90 Prozent liege.

In Russland und einigen Ländern des Ostblocks ist der Corona-Impfstoff „Sputnik V“ bereits zugelassen.

Corona-Impfung aus Russland: Wie funktioniert der Impfstoff „Sputnik V“?

Bei „Sputnik V“ handelt es sich, wie auch bei dem britischen Vakzin von AstraZeneca, um einen sogenannten Vektor-Impfstoff. Das bedeutet, dass Virus-Gene über ein ungefährliches Adenovirus in den Körper geschleust werden. Dort bilden sie die sogenannten Spike-Proteine des Coronavirus, die anschließend zwar für eine Antwort des Immunsystems sorgen, aber nicht krank machen.

Der Unterschied bei „Sputnik V“: Im Abstand von bestenfalls 21 Tagen werden zwei Impfungen mit leicht unterschiedlichen Träger-Viren verabreicht. Nach der ersten Komponente wird anschließend ein etwas anders gestalteter „Booster“ gespritzt. Nach insgesamt 42 Tagen soll damit eine bessere Immunisierung gegen das Coronavirus erreicht werden, als mit zwei gleichen Impfungen.

Wann könnte der russische Impfstoff „Sputnik V“ in Deutschland zugelassen werden?

Bis „Sputnik V“ in Deutschland zugelassen und auch in NRW eingesetzt werden kann, wird es wohl noch einige Zeit dauern. Das hat mehrere Gründe. Der russische Impfstoff ist in der EU bislang noch nicht zugelassen. Dafür ist die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) zuständig.

Dass Russland bereits in der vergangenen Woche einen Antrag auf Zulassung gestellt habe, wies die Behörde laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland zunächst zurück. Mittlerweile seien die Unterlagen für das Verfahren jedoch eingegangen. Wie schnell die Zulassung kommt, hängt wohl auch davon ab, für wie sauber die EMA die Datengrundlage hält.

Corona-Impfstoff „Sputnik V“: Wann könnte er nach Deutschland und NRW geliefert werden

Außerdem wird Russland wohl auch dann nicht sofort liefern, wenn der Impfstoff in der EU und damit auch in Deutschland zügig zugelassen werde würde. Denn obwohl Kreml-Chef Wladimir Putin (68) den Impfstoff als besten der Welt anpreist, hat er sich selbst wohl noch nicht impfen lassen. Das sorgt bei den Bürgern für Zurückhaltung: Erst rund 400.000 Moskauer haben sich seit der Notfallzulassung am 11. August 2020 impfen lassen – dabei wohnen 13 Millionen Menschen in der Stadt.

Zudem sagte der Chef des staatlichen Direktinvestmentfonds, Kirill Dmitrijew, am Dienstag im russischen Staatsfernsehen Rossija 24: „Die großen Lieferungen in die EU sind erst dann möglich, wenn die Massenimpfungen in Russland beendet werden.“ Und das wird noch dauern: Vor Mai oder Juni 2021 werde „Sputnik V“ daher nicht nach Deutschland geliefert werden.

Coronavirus in NRW: Wird der russische Impfstoff überhaupt noch benötigt?

Ob der russische Impfstoff dann in Deutschland überhaupt noch benötigt wird, ist fraglich. Denn mit der Zulassung des Wirkstoffs von AstraZeneca ändert sich auch in NRW die Reihenfolge. Anfang März will der Hersteller zudem weitere 600.000 Impfdosen liefern. Damit kommt endlich der lang ersehnte Schwung in die bislang schleppend laufende Impf-Kampagne des Landes.

Auch Biontech hatte bereits weitere Kapazitäten für seinen Wirkstoff geschaffen. Er wird nun unter anderem In Marburg hergestellt. Zudem sind aus einer Ampulle mittlerweile sieben statt ehemals fünf Impfdosen herauszuholen.

Am Montag (8. Februar) haben in Nordrhein-Westfalen außerdem viele der Impfzentren eröffnet. Es wird erwartet, dass dadurch die Zahl der Impfungen steigt. Wer wissen will, wann er in etwa mit der Corona-Impfung dran ist, nutzt den Impfrechner.

Rubriklistenbild: © Mikhail Klimentyev/Pool Sputnik Kremlin/AP, Farouk Batiche/dpa; Collage: RUHR24

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