Von Impfpflicht bis Mikrochip

Corona-Impfstoff-Mythen: Was ist dran an den Verschwörungstheorien?

Tropfen an einer Impfspritze
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Erste Impfungen gegen das Coronavirus stehen in den Startlöchern, doch es gibt Skeptiker.

Die ersten Corona-Impfstoffe stehen kurz vor der Zulassung. Aber es gibt Skeptiker, die sich nicht impfen lassen wollen. Was ist dran an den Impfstoff-Mythen?

Dortmund – Nicht mehr lange und die ersten Impfstoffe gegen das Coronavirus werden in der EU zugelassen. Dann können auch die ersten Impfungen verabreicht werden – die ersten Impfzentren werden bereits geplant. Verschiedenen Umfragen zufolge ist die Mehrheit der Deutschen bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Doch einige Menschen wollen sich dem Verweigern, sie argumentieren teilweise mit recht befremdlich wirkenden Gründen. Was ist also dran an den Impf-Mythen?

InfektionskrankheitCovid-19
ErregerCoronavirus SARS-CoV-2
SymptomeHusten, Fieber, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn

Verschwörungstheorien über die Corona-Impfung in Sozialen Netzwerken

Gerade in den Sozialen Netzwerken wie Facebook verbreiten sich Fake News und Verschwörungstheorien rasend schnell. Wer hier die Kommentarspalten aufmerksam liest, könnte schnell beunruhigt werden, wenn es um das Thema Corona-Impfung geht.

Dann heißt es schnell: Der Impfstoff würde das Erbgut des Menschen verändern, der Impfstoff wurde viel zu schnell entwickelt, da müsse doch etwas faul sein. Verschwörungstheoretiker, die schon ein Level weiter sind meinen, mit der Spritze würde den Menschen ein Mikrochip eingepflanzt werden. Aber fangen wir bei den milderen Theorien zur Corona-Impfung an.

Corona-Impfung: Welche Nebenwirkungen wirklich zu erwarten sind

These Nr. 1: „Die Nebenwirkungen einer Impfung sind nicht abzusehen“ – Jein. Genau wie bei bereits etablierten Impfstoffen kann es beim Corona-Impfstoff auch zu Nebenwirkungen kommen. Bei den Impfstoffkandidaten der Hersteller Biontech/Pfizer, Moderna und Astra Zeneca zeigen sich bislang nur ungefährliche Nebenwirkungen.

Relativ häufig würden sich laut Hersteller Nebenwirkungen mit leichten grippeähnlichen Symptomen zeigen. Gliederschmerzen und Erschöpfung würden dazu gehören, aber auch schnell wieder abklingen. Solche Symptome sind auch schon von anderen Impfungen bekannt und stellen keine Gefahr dar.

Corona-Impfstoff: Es gibt erste Erfahrungen mit dem Gen-Impfstoff

Auch bei dem neu eingesetzten mRNA-Impfstoff gebe es laut Pharmazeutischer Zeitung keinen Grund zur Sorge. Denn entgegen der allgemeinen Meinung gibt es bereits humanmedizinische Erfahrungen mit Gen-Impfstoffen. Erfahrungen wurden demnach bei klinischen Prüfungen mit einem therapeutischen Tumorimpfstoff gesammelt. Auch bei umfangreichen Tierversuchen gab es keine Hinweise auf schwere Nebenwirkungen.

Aber: Es kann bisher keine Autoimmun-Wechselwirkung vorhergesagt werden. Dazu bräuchte es tatsächlich klinische Studien über einen sehr langen Zeitraum. Doch kommt es äußerst selten zu solchen Nebenwirkungen. Bei dem Impfstoff, der gegen die Schweinegrippe eingesetzte wurde, kam es bei einem Bruchteil der geimpften Menschen zu einer Art Schlafkrankheit.

Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs höher als Risiko schwerer Nebenwirkungen

Wie Deutschlandfunk berichtet kam es bei rund 60 Millionen weltweiten Impfungen zu 1300 Fällen, in denen eine Narkolepsie aufgetreten ist. Das sind 0,002 Prozent der geimpften Menschen. Bei so einem geringen Wert wäre diese Nebenwirkung wahrscheinlich auch dann nicht aufgefallen, wenn zuvor 100.000 Menschen getestet worden wären.

Generell muss abgewogen werden: Mediziner sagen, dass das Risiko eines schweren Covid-19-Verlaufs und daraus folgende, bleibende Organschäden höher ist, als das Risiko schwerer Nebenwirkungen einer Impfung (alle News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24.de).

Corona-Impfstoff: Warum der Impfstoff so schnell entwickelt wurde

These Nr. 2: „Das kann nicht so schnell ausgereift sein, das ist unsicher“ – Die Entwicklung der Impfstoffe gegen das Coronavirus ging schnell, das stimmt. Allerdings heißt das nicht, dass die Stoffe aufgrund dieser Tatsache unsicher oder nicht ausreichend getestet wurden. Die Bundesregierung versichert, dass die Standards für die Zulassung der Impfstoffe nicht herabgesenkt wurden.

Warum ging es also so schnell? Die Bundesregierung schreibt: „Die Beschleunigung der Impfstoffentwicklung ist zum einen damit zu erklären, dass für sie viel Geld investiert wird und damit Studien ohne Zeitverzögerung im großen Stil durchgeführt werden können.“ Außerdem werden die Corona-Impfstoffe so schnell wie möglich geprüft. Es ist also eine Frage der Prioritäten.

In Europa läuft bereits der Zulassungsprozess für die Impfstoffe von Moderna, Biontech/Pfizer und Astra Zeneca. Dabei werden alle Standards einer Medikamentenzulassung eingehalten. Wissenschaftler aus allen Mitgliedsstaaten des Europäischen Wirtschaftsraumes prüfen dabei die Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit des neuen Impfstoffes.

Kann sich der Corona-Impfstoff auf das menschliche Erbgut auswirken?

These Nr. 3: „Der Wirkstoff verändert unser Erbgut“ – Gleich zwei Hersteller verwenden eine neue Technologie bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. Biontech/Pfizer und Moderna verwenden mRNA-Impfstoffe. Dabei wird nicht wie sonst üblich ein virales Antigen geimpft, sondern die Bauanleitung dazu, wie die Pharmazeutische Zeitung erklärt.

Bei der Impfung nimmt die Zelle die Boten-RNA (mRNA) auf und baut damit ein virales Protein, daraufhin setzt eine Reaktion des Immunsystems ein, die vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützt. Da das Prinzip zuvor nicht in einer klassischen Impfung Anwendung fand, gibt es gerade hierbei bei Impfgegnern Zweifel, wie auch MANNHEIM24.de* berichtet.

Corona-Impfung kann das Erbgut des Menschen nicht beeinflussen

Die Befürchtung, ein mRNA-Impfstoff könne das Erbgut verändern, macht sich in einigen Facebook-Kommentarspalten und Telegram-Gruppen breit. Aber es gibt Entwarnung: Der Corona-Impfstoff kann das Erbgut nicht beeinflussen.

Die RNA gelangt nicht in den menschlichen Zellkern (wo die Erbsubstanz der Körperzellen liegt). Dieser ist mit einer Membran von der Zelle abgetrennt. Die RNA aus dem Corona-Impfstoff kann die Membran nicht durchdringen.

Corona-Impfstoff kann Zellen nicht beeinflussen

Außerdem: Der menschliche Körper kann eine RNA nicht in eine DNA umwandeln, wie Deutschlandfunk berichtet. Die RNA unterscheidet sich zu sehr von der DNA, sie ist chemisch anders aufgebaut. Mehrere Forscher sagen, dass es nicht möglich ist, dass sich eine RNA in das menschliche Erbgut einbaut.

Auch gut zu wissen: Forscher halten es laut Deutschlandfunk für ausgeschlossen, dass eine mRNA andere Zellen überhaupt beeinflussen kann. Demnach passiert das auch nicht mit körpereigener RNA, die ständig produziert wird. Die gespritzten RNA-Moleküle sind recht instabil und werden schnell abgebaut.

Corona-Impfung kann Maßnahmen (voerst) nicht ersetzen

These Nr. 4: „Ist der Impfstoff da, ist die Pandemie vorbei“ – Es wäre zu schön, um wahr zu sein: Die Impfung ist da und alle Maßnahmen können aufgehoben werden. Leider ist es nicht so einfach und die Pandemie wird uns noch eine Weile begleiten.

Im Interview mit t-online betont Virologe Prof. Dr. Alexander S. Kekulé, dass die Pandemie nicht ausgestanden ist, wenn ein Impfstoff da ist. Denn während die Menschen noch geimpft werden, müssen die Schutzmaßnahmen aufrecht gehalten werden.

Bis dann endlich die Herdenimmunität greift, können Monate vergehen. Laut Kekulé kann das bis in den Sommer 2021 dauern. Der Experte mahnt: „Dass wir einen Impfstoff haben, ist kein Grund, jetzt schon locker zu werden.“ Das Ende sei in Sicht, gerade jetzt müssen wir uns noch einmal zusammenreißen und uns an die Maßnahmen halten.

Corona-Impfung – These Nr. 5: „Es wird einen Impfzwang geben“

These Nr. 5: „Es wird einen Impfzwang geben“ – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verspricht: „Es wird keine Impfpflicht geben.“ Auch Mitglieder der Ständigen Impfkommission (STIKO), des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der wissenschaftlichen Leopoldina haben sich zu dem Thema geäußert.

In einem Positionspapier heißt es: „Impfungen setzen prinzipiell eine aufgeklärte, freiwillige Zustimmung voraus. Eine undifferenzierte, allgemeine Impfpflicht ist deshalb auszuschließen.“ Eine Impfpflicht zeichnet sich aktuell nicht ab.

Impfpflicht durch die Hintertür wäre möglich

Doch auch, wenn die Politik eine Impfpflicht ablehnt, könnte es zu einer Impfpflicht durch die Hintertür kommen. Die australische Fluggesellschaft Qantas Airways hat bereits angekündigt nur noch geimpfte Menschen zu transportieren. Die Lufthansa lehnt solche Pläne bisher noch ab.

Laut Informationen von N-TV soll es bereits erste Reiseveranstalter geben, die Impfzuschüsse zahlen wollen. Auch Gaststätten, Hotels oder Fitnessstudios könnten sich dazu entschließen, einen Impfnachweis zu fordern. Das Hausrecht macht es möglich.

Video: Erste Airline kündigt Corona-Impfpflicht für Flugreisende an

Corona-Impfstoff und die Mikrochip-Verschwörungstheorie

These Nr. 6: „Mit der Impfung wird uns ein Chip eingepflanzt“ – Es ist wohl eine der bekanntesten Verschwörungstheorien rund um Impfungen und rund um das Coronavirus: Mit der Impfdosis würde dem Patienten ein Chip eingepflanzt. Um es klar zu stellen: Für diese Behauptung gibt es keinerlei Belege.

Zwar wird laut ZDF daran geforscht, wie Impfungen und Digitalisierung verknüpft werden können, allerdings ist dabei keine Rede von Mikrochips, die Menschen ohne ihr Wissen implantiert werden. Es wird lediglich an einem Warnsystem geforscht, das mitteilt, wenn der Impfschutz ausläuft. Nochmal: Niemandem wird ohne sein Wissen ein Chip eingepflanzt. *MANNHEIM24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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