"Gesellschaftliche Pflicht"

Coronavirus: Ärzte empfehlen Grippe-Impfung im Herbst auch für Kinder

Alle warten derzeit auf die Impfung gegen das Coronavirus. Deutsche Ärzte empfehlen für Kinder nun aber vorerst eine andere Maßnahme.

  • Kinderärzte in Deutschland empfehlen in diesem Jahr die Grippeimpfung für Kinder.
  • Normalerweise sollen sich nur Menschen mit erhöhtem Risiko gegen die Grippe impfen lassen.
  • In Zeiten der Corona-Pandemie scheinen aber andere Regeln zu gelten.

München – Die ganze Welt wartet sehnsüchtig auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut rechnet Anfang 2021 mit der Verteilung erster Dosen. Doch bis es so weit ist, muss Deutschland mit der herannahenden Grippewelle klarkommen.

Name

Coronavirus / Covid-19

Symptome

Fieber, trockener Husten, Müdigkeit

Prävention

Abstand halten, Hände waschen, Maske tragen

Grippewelle und Coronavirus: Experten raten zur Impfung für Kinder

Problematisch könnte werden, dass sich die Symptome einer herkömmlichen Grippe und die des Coronavirus nicht gut unterscheiden lassen.

In einer Studie der University of Southern California heißt es aber, dass die Reihenfolge der auftretenden Symptome Hinweise darauf geben könne, ob es sich um Grippe oder um Covid-19 handelt.

Kinderärzte warnen: Corona-Verdachtsmoment bei Grippe vermeiden

Deutsche Kinderärzte raten Eltern trotzdem dringend, in diesem Herbst ihre Kinder gegen die Grippe impfen zu lassen und sprechen von einer "gesellschaftlichen Pflicht". Jeden Winter müssten viele Kinder wegen Grippe stationär aufgenommen und sogar mit Sauerstoff versorgt werden, sagte Professor Johannes Hübner, leitender Oberarzt der Kinderklinik der LMU in München der Welt am Sonntag.

Johannes Hübner ist auch Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie (DGPI).

Zu beachten sei in diesem Jahr, dass eine Grippe schnell mit dem Coronavirus verwechselt werden könne. Diese Verdachtsmomente könne man den Kindern durch Verbreichung der Grippeimpfung ersparen, so Hübner.

Experten raten Risikogruppen zur Impfung gegen die Grippe

Losgelöst von der Corona-Thematik empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) in Deutschland eine Impfung gegen Grippe insbesondere Personen, die bei einer Grippeerkrankung ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Folgen haben:

  • Menschen über 60 Jahre,
  • gesunde Schwangere ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel,
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung, etwa durch eine chronische Krankheit,
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen,
  • Personen, die ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben (etwa Beschäftigte in Krankenhäusern),
  • Menschen, die Risikopersonen gefährden könnten,
  • Personen, die direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln haben,
  • Reisende, je nach Ziel und Gesundheitszustand.

WHO empfiehlt Impfung gegen Grippe für Kinder ab sechs Monaten

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – die ein Ende der Pandemie in absehbarer Zeit noch nicht sieht – empfiehlt die Influenza-Regelimpfung sogar für alle Kinder ab einem Alter von sechs Monaten.

Deutschland scheint für den Ansturm auf die Grippeimpfung unterdessen gerüstet zu sein. Gesundheitsminister Jens Spahn sagte zur Welt am Sonntag, man habe in diesem Jahr zusätzlichen Grippeimpfstoff besorgt: "Jeder, der sich und seine Kinder impfen lassen will, sollte und kann das tun."

Vorrang bei den Impfungen sollten aber laut Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, zunächst besonders die gefährdeten Bevölkerungsgruppen genießen, heißt es in einem Bericht der Welt.

Rubriklistenbild: © Paul Zinken/dpa-zb-Zentralbild/dpa

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