Biontech und Pfizer melden Erfolg

Corona-Impfstoff von Biontech vor der Zulassung - wie es jetzt weitergeht

Auf der Suche nach einem Impfstoff gegen Corona melden Pfizer und Biontech den Durchbruch. Was sind die nächsten Schritte bis zur Zulassung?

Dortmund - Die am Montag (9. November) veröffentlichte Pressemitteilung des deutschen Pharmakonzerns Biontech und seines US-Partners Pfizer glich einem Paukenschlag. Ein vielversprechender potenzieller Impfstoff gegen das Coronavirus (SARS-CoV-2) verhindert nach Firmenangaben über 90 Prozent der Covid-19-Erkrankungen - ein wichtiger Schritt auf dem langen Weg zurück in die Normalität.

UnternehmenBioNTech
CEOUgur Sahin (seit 2008)
Gründung2008
SitzMainz, Deutschland

Coronavirus: Biontech und Pfizer melden Erfolg bei Impfstoff-Kandidaten

Biontech und Pfizer befanden sich im Rennen um einen wirksamen Impfstoff bereits seit Längerem in der Pole Position. Seit Juli befindet sich der Impfstoffkandidat in einer großangelegten klinischen Phase-III-Studie. An ihr nehmen weltweit rund 43.500 Menschen teil.

Bei Probanden, die nachweislich noch nicht zuvor mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren, habe sich der Impfstoffkandidat zu mehr als 90 Prozent wirksam im Schutz vor einer Covid-19-Erkrankung erwiesen. Den Zwischenergebnissen zufolge stellte sich sieben Tage nach der zweiten Impfdosis und 28 Tage nach der ersten ein Impfschutz ein.

Nach eigenen Angaben wollen die Unternehmen bis zu 50 Millionen Impfdosen in diesem und bis zu 1,3 Milliarden im nächsten Jahr herstellen. Bereits in der kommenden Woche wollen Biontech und Pfizer in den USA die beschleunigte Genehmigung ihres Corona-Impfstoffs beantragen. Wie sehen die nächsten Schritte in Deutschland aus?

Impfstoff gegen das Coronavirus: EMA wertet Daten zu möglichen Kandidaten aus

In der Covid-19-Pandemie (alle Entwicklungen im NRW-Ticker) gibt es in Europa ein beschleunigtes Zulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Pharmafirmen können ihre Impfstoffkandidaten noch während der Phase der klinischen Studien in einer Art Vorverfahren bei der EMA melden.

Die Daten werden dazu in einem „Rolling-Review-Verfahren“ fortlaufend eingereicht und von der EMA bewertet. Die klinischen Daten, auf die sich die gestrige Ankündigung der beiden Unternehmen beziehe, habe die EMA aber bisher „weder erhalten noch bewertet und kann daher dazu keine weiteren Kommentare abgeben“, wie eine Sprecherin mitteilte.

Corona-Impfstoff: Zulassung in Deutschland Anfang 2021 erwartet

Wenn die Experten der EMA sämtliche Ergebnisse aus allen vorgeschriebenen klinischen Phasen zu einem Coronavirus-Impfstoff gelesen und bewertet haben, geben sie ihre Empfehlung an die Europäische Kommission. Sie entscheidet, ob eine Zulassung erfolgt. Aus EU-Kreisen heißt es laut der Nachrichtenagentur AFP, dass das frühestens „Anfang kommenden Jahres“ realistisch sei.

In Deutschland wären in dem Fall keine weiteren Zulassungsverfahren nötig. Sobald ein Impfstoff in der EU zugelassen ist, kann er in Deutschland verwendet werden. Auch eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) wäre allenfalls in der Frage der Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen relevant (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Der deutsche Pharmakonzern Biontech meldet einen Erfolg bei der Suche nach einem Corona-Impfstoff.

Wie viele Dosen eines Corona-Impfstoffs unmittelbar nach der Zulassung in Deutschland zur Verfügung stehen würden, ist unklar. Die EU-Kommission hat sich bei Biontech und Pfizer zunächst 200 Millionen Dosen reserviert und hält eine Option für weitere 100 Millionen. Ein Vertrag darüber soll laut Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „bald“ unterzeichnet werden.

Coronavirus: Experten empfehlen Impfung in Deutschland zunächst für Risikogruppen

Angesichts anfangs wohl knapper Dosen empfehlen Fachleute, zunächst bevorzugt Personen mit einem signifikant erhöhtem Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf zu impfen. Die zweite zu priorisierende Gruppe seien im Gesundheitssystem Tätige, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier der Stiko, des Deutschen Ethikrates und der Leopoldina.

Trotz der positiven Zwischenergebnisse von Biontech und Pfizer auf der Suche nach einem Coronavirus-Impfstoff bleiben einige Fragen offen. Unklar ist zum Beispiel, ob Menschen nach einer Impfung das Virus weitertragen können. Das wäre vor allem für den Gesundheitsbereich problematisch.

Impfstoff gegen das Coronavirus wird die Covid-19-Pandemie nicht umgehend beenden

Unwahrscheinlich ist außerdem, dass eine Impfung steril immunisiert, also ein ganzes Leben lang hält. Es ist davon auszugehen, dass die Impfung gegen das neuartige Coronavirus ähnlich wie eine Grippe-Schutzimpfung regelmäßig wiederholt werden muss.

Sicher ist indes, dass allein die Verfügbarkeit eines Impfstoffes die Pandemie nicht von heute auf morgen beenden wird. Insbesondere unmittelbar nach der Zulassung werden die Impfquoten eher niedrig sein. Zusätzliche Hygienemaßnahmen und Kontaktbeschränkungen werden uns wohl noch eine Weile begleiten. Mit Material von AFP und dpa

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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