Chaos ist programmiert

Corona: Homeoffice-Pflicht entfällt ab dem 1. Juli – aber unklare Regeln sorgen für Chaos

Die Homeoffice-Pflicht läuft Ende Juni aus. Damit müssen Mitarbeiter grundsätzlich wieder in ihren Unternehmen präsent sein. Chaos scheint unvermeidlich.

Deutschland – Zwei wichtige Corona-Regeln für Unternehmen enden zum 1. Juli: die Homeoffice-Pflicht und die Regeln zum betrieblichen Infektionsschutz gegen das Coronavirus. Während Letztere durch ähnliche Regeln ersetzt werden, fällt die Pflicht zum Homeoffice gänzlich weg. Experten gehen allerdings davon aus, dass diese Änderungen für Unruhe in Unternehmen sorgen könnten – denn sie wurden unklar formuliert.

deutsches InfektionsschutzgesetzBundesgesetz
Inkrafttreten der letzten Änderung1. Juni 2021
Erlassen am20. Juni 2000

Corona: Arbeitgeber dürfen auch nach dem 1. Juli weiter Homeoffice anbieten

Die Zahl der Neuinfektionen ist in Deutschland und NRW weiter im Sinkflug. Daher hat sich das Bundeskabinett am Mittwoch (23. Juni) darauf geeinigt, die Corona-Arbeitsschutzverordnung entsprechend anzupassen (mehr zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Für das Homeoffice bedeutet das: Die Pflicht vom Arbeiten von zu Hause entfällt. Allerdings können Unternehmen ihren Mitarbeitern freiwillig das Arbeiten im Homeoffice ermöglichen, um sie vor einer Infektion zu schützen.

Corona: Homeoffice-Pflicht fällt, andere Maßnahmen weiter wichtig

Wesentliche Corona-Maßnahme zum Infektionsschutz in den Betrieben bleiben aber weiter bestehen. Für alle Unternehmen, die kein Homeoffice anbieten, gelten ab Ende Juni die folgenden Corona-Regeln:

  • Arbeitgeber müssen sämtlichen der in Präsenz arbeitenden Mitarbeiter zwei wöchentliche Tests anbieten – auch nach dem 1. Juli. Genesene und Geimpfte sind hiervon befreit.
  • Die Anzahl der Mitarbeiter muss in geschlossenen Arbeits- und Pausenräumen weiter begrenzt werden.
  • Weiterhin soll in festen betrieblichen Arbeitsgruppen gearbeitet werden, um die Kontakte möglichst gering zu halten.
  • Es besteht auch weiterhin Maskenpflicht.
  • Jeder Betrieb bedarf eines Hygienekonzeptes, das er umzusetzen hat.

Diese Änderungen treten am 1. Juli 2021 in Kraft. Die Corona-Arbeitsschutzverordnung wird damit bis einschließlich 10. September 2021 verlängert. 

Zurück ins Großraumbüro: Am 1. Juli endet die Homeoffice-Pflicht. (Symbolbild)

Corona-Regeln zum Homeoffice – Arbeitsrechtler sehen in manchen Fällen kein Zurück

Kein Home-Office mehr, aber in den Betrieben gelten auch mach dem 1. Juli die AHA+L-Regeln: Die Änderungen klingen zunächst einfach und verständlich. Zum Problem könnten im Nachhinein allerdings Regelungen aus dem April werden – konkret der Paragraf 28b des Infektionsschutzgesetzes.

Denn die Regelungen lassen scheinbar verschiedene Auslegungen zu. Auf diesen Umstand verweist der Arbeitsrechtler Christian Bitsch aktuell in Interviews mit dem Spiegel und dem Manager Magazin. Demnach seien Arbeitgeber damals dazu verpflichtet worden, ihren Mitarbeitern Homeoffice zu ermöglichen – und diese wiederum auch dazu, dieses Angebot anzunehmen.

Damit seien beide Seiten einen Vertrag eingegangen, so der Arbeitsrechtler gegenüber dem Spiegel. Einen Vertrag, der sich nicht so leicht zurücknehmen ließe. Denn der Paragraf des Infektionsschutzgesetzes ließe offen, wann diese Pflichten enden.

Homeoffice-Pflicht: Einige Arbeitnehmer können scheinbar auch nach 1. Juli zu Hause bleiben

Große Firmen hätten dem vielfach vorgebeugt und mit ihren Beschäftigten individuelle, schriftliche Regelungen getroffen, wann das Homeoffice endet – oder aber, bei welchen Inzidenzwerten welche Präsenzregeln gelten.

Aber daneben gebe es auch zahlreiche Firmen, in denen Derartiges nicht professionell geregelt worden sei. Mit anderen Worten: Wurde keine schriftliche Übereinkunft getroffen, wann das Homeoffice in einem Betrieb endet, könnten die Mitarbeiter aus Sicht des Arbeitsrechtlers Christian Bitsch auch nach dem 1. Juli zu Hause bleiben.

Corona: Homeoffice-Pflicht ist rechtlich problematisch – auch nach ihrem Ende

Bereits seit Längerem weisen Arbeitsrechtler darauf hin, dass die Homeofficepflicht als solche rechtlich schwierig sei. Denn die Arbeitnehmer sind damit verpflichtet, ihrem Arbeitgeber private Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

Nun wirft sogar deren Ende rechtliche Fragen auf. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bleibt hier nur ein Ausweg: Wo das Gesetz eine Lücke lässt, müssen eigene Regeln gefunden – auf die sich beide Seiten einigen müssen.

Corona-Regeln zum Homeoffice: Vorgesetzte und Mitarbeiter müssen sich einigen

In den meisten Fällen finden Vorgesetzte und Beschäftigte wohl eine gemeinsame Lösung, wie es nach dem 1. Juli weitergeht. Finden beide Seiten allerdings keinen Konsens, könnte es zu Streitigkeiten kommen.

Arbeitsrechtler Christian Bitsch rechnet daher mit zahlreichen Gerichtsverfahren. Wie die Gerichte entscheiden, sei dabei völlig offen – schließlich sei das Gesetz eigentlich vom Gesetzgeber anders gemeint gewesen.

Ende der Homeoffice-Pflicht: Mehr als die Hälfte der Deutschen möchte weiter von zu Hause arbeiten

Unter Arbeitnehmern stößt das Ende der Homeoffice-Pflicht dabei auf geteilte Meinung. Während sich viele Arbeitnehmer – insbesondere auch gestresste Eltern – auf einen „normalen“ Alltag im Büro freuen, wissen andere das Arbeiten von zu Hause zu schätzen.

So möchte nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage jeder zweite auch nach der Pandemie gerne weiter im Homeoffice bleiben. Gemäß Statista sprechen sich rund 70 Prozent der Deutschen sogar für einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice aus. Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte eben dieses zwar geplant, aber im Jahr 2020 nicht durchsetzen können.

Rubriklistenbild: © Fabian Strauch/dpa

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