Influenza auf dem Rückzug

Corona-Nebeneffekt: Wie sich die Pandemie auf die Grippe auswirkt

Die Corona-Pandemie hat Deutschland weiter fest im Griff. Von einem anderen Virus hört man hingegen gar nichts mehr: Was ist in dieser Saison mit der Grippe?

Deutschland – Die Antwort lautet: Sie ist auf dem Rückzug. Das zeigt auch der aktuelle Influenza-Wochenbericht (KW 3/21) des Robert Koch-Instituts (RKI). Darin heißt es: Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen läge „weiterhin deutlich unter dem Niveau der Werte der Vorsaison.“ Mit anderen Worten: Die Befürchtung, Influenza und Covid-19 könnten durch Koexistenz zu einer besonderen Bedrohung führen, haben sich bisher nicht bewahrheitet (alle Infos zum Coronavirus auf RUHR24.de).

Robert Koch-Institut (RKI)selbstständige Bundesoberbehörde
Tätigkeitöffentliche Gesundheitspflege (Bundesinstitut für Infektionskrankheiten)
Gründung1. Juli 1891

Corona- statt Grippe-Saison: Influenza-Zahlen sind extrem niedrig

Ganz im Gegenteil, denn Influenza-Viren sind in dieser Grippesaison deutlich weniger präsent als sonst. So heißt es im Wochenbericht: „Es wird bisher von einer Zirkulation von Influenzaviren auf einem extrem niedrigen Niveau in der Saison 2020/21 ausgegangen.“ In Kalenderwoche 3 wurden nach Infektionsschutzgesetz (IfSG) nur 30 Influenza-Fälle gemeldet. Seit Oktober 2020 wurden gerade einmal 336 Fälle von Influenza gemeldet.

Zum Vergleich: In der letzten Grippesaison wurden bis zum 21. Januar 2020 insgesamt 13.350 Fälle gemeldet. In den vergangenen Grippewintern kam es damit in nur einer Woche zu mehr Fällen als bislang für die in der gesamten Grippesaison 2020/2021, wie die Pharmazeutische Zeitung berichtet.

Influenza weltweit auf dem Rückzug – globale Daten aber nur eingeschränkt aussagekräftig

Eine solche deutlich niedrige Aktivität von Influenzaviren ist europa- und weltweit zu verzeichnen, berichtet das RKI. Die WHO weist allerdings darauf hin, dass die Ergebnisse der globalen Influenza-Überwachung mit Einschränkungen zu interpretieren seien, da sie durch die Corona-Pandemie beeinflusst würden.

Zumindest in Deutschland ist aber der Rückzug der Grippe wohl mit Covid-19 und den Maßnahmen gegen das Coronavirus zu begründen. Hierzulande werden von ausgewählten Praxen Stichproben von Patienten mit Atemwegsinfektionen auf Influenza- und Erkältungsviren sowie auf das Coronavirus überprüft. 

Grippe in Deutschland: in dieser Saison ist Covid-19 vorherrschend

Diese Proben werden im Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für Influenzaviren untersucht. In der 3. Kalenderwoche 2021 wurden in insgesamt 27 (17 %) der 158 eingesandten Proben Viren identifiziert, darunter 17 (11 %) mit SARS-CoV-2 und zehn (7 %) mit anderen Erkältungsviren. Influenzaviren wurden gar nicht nachgewiesen.

Tatsächlich wurden Influenzaviren sogar in keiner der bisher 1.770 untersuchten Stichproben entdeckt. Die von ausgewählten Praxen an das RKI gesendeten Proben von Patienten mit Atemwegsinfektionen gelten als repräsentativ für die Gesamtsituation.

Im Bericht des RKI heißt es dazu: „In den vorangegangenen Saisons (seit 1997/98) ist es bisher nicht vorgekommen, dass bis zur 3. KW nicht mindestens ein Influenzavirusnachweis“ verzeichnet worden sei. Vorherrschend in dieser „Grippe“-Saison seien hingegen das Coronavirus und andere Schnupfenviren. So waren laut RKI auch 71 Prozent aller Patienten, die wegen einer akuten Infektion im Krankenhaus waren, an COVID-19 erkrankt.

Grippesaison 20/21: Atemwegserkrankungen insgesamt auf einem niedrigen Niveau

Trotz des Coronavirus sind die Atemwegserkrankungen dabei auf einem insgesamt niedrigen Niveau. Mediziner führen das auf die Corona-Maßnahmen wie die Masken oder häufiges Händewaschen zurück.

Denn eben diese Maßnahmen sind auch zum Eindämmen von Influenza-Viren sinnvoll. So sagt beispielsweise Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer gegenüber Welt, dass die Lockdown-Maßnahmen und die Einhaltung der AHA-Regeln nicht nur das Coronavirus eindämmten, sondern auch die anderen Infektionskrankheiten.

Mehr Impfungen gegen Grippe: Influenza-Welle fällt in dieser Saison wohl aus. (Symbolbild)

Nebeneffekt von Corona-Maßnahmen: Mit Masken und Lockdown gegen Grippe

Auch auf der Seite der Bundesregierung heißt es dazu: „Neben der Impfung sind auch die AHA-Regeln ein wirksames Mittel gegen Grippe: Wer Abstand hält, sich häufig die Hände wäscht und die Alltagsmaske trägt, schützt sich und andere nicht nur vor Corona, sondern auch vor Grippe.“

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Grippe könnten laut Medizinern außerdem die geschlossenen Schulen und Kitas haben, da die Grippe bekanntlich besonders stark von Kindern verbreitet wird. Außerdem ist im Zuge der Coronapandemie auch das Bewusstsein für Viruserkrankungen gestiegen – was zu einem Anstieg der Grippeschutzimpfungen geführt hat.

Die Grippe ist damit allerdings längst nicht ausgerottet, wie einige bereits vermuten, sondern nur eingedämmt. Daher sprechen sich erste Ärzte bereits dafür aus, auch nach der Corona-Pandemie in der Grippe-Saison weiter zu Masken und Co. zu greifen.

Rubriklistenbild: © Maurizio Gambarini

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