Mehrere Voraussetzungen

Bund spendiert Familien wegen Corona einen Urlaub – Angebot hat entscheidenden Haken

Die Bundesregierung möchte die durch die Pandemie belasteten Familien einen kostengünstigen Urlaub ermöglichen. 90 Prozent wird vom Bund bezahlt – doch wer davon profitiert.

Deutschland – Dass Familie nach der Pandemie besondere Unterstützung benötigen, wurde immer wieder betont. Die 150 Euro Corona-Bonus waren allerdings nicht mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Mit dem zwei Milliarden schweren Programm „Aufholen nach Corona“ sollen Kinder jetzt nicht nur Versäumtes aufholen, sondern auch mehr Zeit für Freizeit bekommen. Ein Teil des Programms ist die „Auszeit für Familien“ – ein kostengünstiger Urlaub für Familien mit kleinem oder mittlerem Einkommen.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)oberste Bundesbehörde
BehördenleitungChristine Lambrecht (SPD)
SitzBerlin

Auszeit für Familien: Zuschuss für kostengünstigen Urlaub – das sind die Voraussetzungen

Wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mitteilt, können Familien in diesem Rahmen für bis zu sieben aufeinanderfolgende Übernachtungen buchen – und zahlen dabei nur ca. zehn Prozent der Übernachtungs- und Verpflegungskosten. Anders als bei den 100 Euro Freizeitbonus zuvor profitieren dabei nicht nur sozial schwache Familien von dem Programm.

Die Voraussetzungen sind:

  • Ein kleineres oder mittleres Einkommen, das unter eine bestimmte Grenze fällt. Diese richtet sich danach, wie viele Personen in einem Haushalt leben. (Beispiele für Einkommensgrenzen: Bei einem Paar mit zwei Kindern liegt die Grenze des monatlichen Bruttoeinkommens bei 5576 Euro, bei einem Paar mit nur einem Kind bei 4340 Euro und bei einer Alleinerziehenden mit zwei Kindern bei 4958 Euro.)
  • Auch Familien, die Leistungen wie Kinderzuschlag, Wohngeld oder Arbeitslosengeld II beziehen, können die „Auszeit“ nehmen.
  • Ebenso berechtigt sind Eltern eines Kindes, das einen Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent hat. In diesem Fall spielt das Einkommen keine Rolle.
  • Gleiches gilt dann, wenn ein Elternteil einen Grad der Behinderung von mindestens 50 Prozent hat.
  • Wichtig zu wissen: Eltern müssen sich derzeit noch an den obigen Beispielen orientieren. Einen Online-Check für die Familienauszeit gibt es derzeit laut Bundesfamilienministerium noch nicht, er werde aber entwickelt und stünde „in Kürze zur Verfügung“.

Familien-Urlaub für kleines Geld – hier können Eltern und Kinder Urlaub machen

Wer als Familie eine Auszeit nehmen möchte, kann allerdings nicht etwa nach „Malle“ fliegen und ebenso nicht im Vier-Sterne-Hotel in Schleswig-Holstein nächtigen. Vielmehr ist der bezahlte Familien-Urlaub nur in bestimmten Familienferienstätten und weiteren gemeinnützigen Unterkünften in Deutschland möglich.

Beim Bundesfamilienministerium gibt es eine Übersicht der teilnehmenden Unterkünfte. Die Liste ist allerdings noch nicht vollständig – in den kommenden Wochen kommen laut Ministerium weitere hinzu.

Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) erklärt zum Programm: „Nach den enormen Anstrengungen durch die Pandemie sehnen sich viele Familien danach, endlich wieder rauszukommen, abzuschalten und Kraft zu tanken. Nicht jede Familie kann sich einen Urlaub leisten, aber alle sollen sich erholen können.“

Möchte Familien in der Pandemie eine Auszeit ermöglichen: Bundesfamilienminister Christine Lambrecht (SPD). (Symbolbild)

Familien-Auszeit mit Zuschuss vom Staat – so funktioniert‘s

Wer an einem Urlaub in einer der Unterkünfte interessiert ist, muss sich bei dem Betrieb melden und nach freien Plätzen fragen. Sollten zum gewünschten Zeitraum noch welche frei sein, erhalten Interessierte das entsprechende Formular – und können verbindlich buchen.

Familien können den Zuschuss insgesamt zweimal in Anspruch nehmen – einmal im Jahr 2021 und einmal im Jahr 2022. Die sieben Übernachtungen können in einem Jahr dabei nicht aufgesplittet werden: Auch wer in 2021 nur zwei Tage „Corona-Auszeit“ nimmt, kann erst im Jahr 2022 wieder bezuschusst reisen (News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24).

Begrenzte Plätze und Geldmittel – Familien haben keinen Rechtsanspruch

Leider hat das Ganze einen entscheidenden Haken: Denn es besteht kein Rechtsanspruch auf den vergünstigten Urlaub. Der Grund: Wenn jede grundsätzlich berechtigte Familie das Angebot annähme, wäre das dem Staat zu teuer.

So erklärt das Bundesfamilienministerium, es stünden „begrenzte Fördermittel“ zur Verfügung. Ebenso gäbe es auch nur begrenzte Plätze. Die Familienerholungseinrichtungen würden entsprechend der ihnen zur Verfügung gestellten Fördermittel über die vergünstigten Aufenthalte entscheiden.

Heißt konkret: Wer das Angebot in Anspruch nehmen möchte, sollte nicht zu lange warten. Familien, die Fragen zum Programm haben, könne sich an die kostenlose Beratungshotline wenden. Diese ist an sechs Tagen in der Woche unter der Nummer 0800/ 866 11 59 erreichbar.

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

Mehr zum Thema