Keine Freunde, keine Freizeit

Corona-Umfrage zu Kindern: Einsamkeit ist die größte Sorge

Junge sitzt alleine auf Spielplatz
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Eltern-Umfragen zeigen: Einsamkeit ist das Hauptproblem in der Pandemie. (Symbolbild)

Welche Themen treiben Eltern in der Pandemie um? Dieser Frage sind die Zeitschrift „Eltern“ und der Windelhersteller „Pampers“ in einer Umfrage auf den Grund gegangen.

Deutschland – Was beschäftigt Eltern von Kindern unter 14 Jahren in Corona-Zeiten und wie blicken sie in die Zukunft? Die jährliche Umfrage der Zeitschrift Eltern und Pampers, was Mütter und Väter beschäftigt, thematisiert in diesem Jahr vor allem die Corona-Pandemie. Schließlich sind die Lockdown-Beschränkungen insbesondere für Familien mit Kindern schwierig (mehr Infos zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

ZeitschriftEltern
VerlagGruner + Jahr
Gründung1966

Eltern-Umfrage zeigt die Sorgen von Müttern und Vätern in der Pandemie auf

Sportvereine sind zu, beliebte Feiertage fallen aus und auch Freunde kann man nicht so treffen wie sonst: Es sind vor allem die schönen Dinge, die eigentlich Freude bereiten sollen, die unseren Kindern in der Pandemie fehlen.

Denn während die Politik vieles daran setzt, zumindest die Bildungsmöglichkeiten in Schulen und Kindertagesstätten möglichst aufrechtzuerhalten, kommen Freizeitmöglichkeiten für Kinder weiterhin viel zu kurz. Kinderpsychologen warnen bereits seit Längerem, dass die Corona-Zeit psychische Folgen für die Kleinsten haben wird. Die aktuelle Eltern-Umfrage zeigt: Auch Mütter und Väter bereiten insbesondere die Kontaktbeschränkungen Sorge.

Einsamkeit unter Kindern – insbesondere Mütter sehen Kontaktbeschränkungen kritisch

Die Umfrage wurde von der Zeitschrift Eltern gemeinsam mit dem Windelhersteller Pampers durchgeführt. Befragt wurden insgesamt rund Tausend Eltern von Kinder unter 14 Jahren sowie Schwangere bzw. werdende Väter.

Eine Frage, die dabei im Mittelpunkt stand, lautete: „Welche durch Corona bedingten Veränderungen empfinden Sie als besonders belastend für sich und Ihre Familie?“ Das Ergebnis: Die Hauptsorge von Müttern und Vätern gleichermaßen betrifft die fehlenden sozialen Kontakte ihrer Kinder. So gaben 45 Prozent aller Mütter und 35 Prozent der Väter die fehlenden Spielmöglichkeiten mit Freunden als wesentliches Problem an.

Corona bedingte Veränderungen für Familien – das sind die größten Sorgen von Eltern

Ebenso als sehr belastend empfanden Eltern den fehlenden Kontakt zu anderen Familienangehörigen. Viele Kinder haben während der Pandemie deutlich weniger Kontakt zu ihren Großeltern, da diese vermehrt zur Risikogruppe gehören. Rund 30 Prozent der befragten Mütter und Väter empfinden dieses als belastend.

Was wirklich verwundert: Zumindest nach dieser Umfrage ist das Thema Kinderbetreuung/Homeschooling für Eltern gar nicht ein so großes Problem. So gaben lediglich 27 Prozent der Mütter und 18 Prozent der Väter die Betreuungssituation inklusive Homeschooling als Hauptbelastung an. Eine Erklärung hierfür ist, dass auch werdende Eltern unter den Interviewten sind, für die das Thema Schule noch nicht relevant ist.

Studien zeigen: Kinder leiden unter fehlenden Freizeitmöglichkeiten, nicht unter Homeschooling

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt allerdings auch eine Studie, die unter Eltern von ausschließlich schulpflichtigen Kindern von der Universität Koblenz Landau durchgeführt wurde. An dieser bundesweiten Studie zum Homeschooling haben insgesamt 4230 Eltern teilgenommen. Befragt wurden dabei in erster Linie Mütter, da diese erwiesenermaßen in den meisten Fällen das Homeschooling betreuen.

Auch in dieser Studie geben die Eltern an, dass es nicht das Lernen zu Hause ist, das ihre Kinder belastet. So gaben insgesamt 70 Prozent aller befragten Mütter und Väter an, ihr Kind akzeptiere das Lernen zu Hause „gut“ oder „sehr gut“. Demgegenüber erklärten mehr als 40 Prozent aller Eltern, dass die fehlenden Freizeitmöglichkeiten ihr Kind „sehr stark“ belasteten. Weitere 30 Prozent empfanden die Belastung für ihr Kind durch fehlende Freizeitangebote als „ziemlich stark“.

Video: Corona-Krise belastet die Jugend

Kinder in der Pandemie: Konzepte für Freizeitmöglichkeiten fehlen

Die Umfragen zeigen eines deutlich auf: Es ist sicher zu einfach von der Politik gedacht, wenn man behauptet, die Schul- und Kitaschließungen seien das Hauptproblem für Kinder in der Pandemie. Zwar treffen auch viele Schulkinder ihre Freunde in der Schule, aber die Schulen sind andererseits für einige Kinder auch nicht unbedingt ein Ort der Freude.

Für die psychische Gesundheit der Kinder wäre es mindestens ebenso wichtig, kluge Konzepte zu entwickeln, mit denen sie wieder mehr Freizeit erleben und Freunde treffen können. Das kommt in den aktuellen Debatten zu kurz.

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