Höchstwerte erreicht

Corona in Deutschland: Was die hohe Zahl an Infektionen bedeutet

Die Corona-Infektionen in Deutschland nehmen zu. Ein Blick auf die Infektionslage soll Klarheit bringen, was der Anstieg bedeutet.

Berlin – Am Donnerstag (17. September) meldet das Robert- Koch-Institut (RKI) 2194 neue Corona-Infektionen in Deutschland. Damit erreicht die Zahl der Corona-Fälle den höchsten Tageswert seit April. Ein Blick auf die Infektionslage soll Klarheit bringen, was die steigenden Zahlen zu bedeuten haben.

Behörde:

Robert Koch-Institut

Zuständigkeit:

Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten

Hauptsitz:

Berlin

Gründung:

1. Juli 1891

Staatliche Ebene:

Bund

Angestellte: 

1100, davon rund 450 Wissenschaftler

Coronavirus in Deutschland: Steigende Fallzahlen sorgen für Verunsicherung

Wenn man von Höchstwerten seit April spricht, sorgt das für Verunsicherung. Und auch ein Blick in die Nachbarländer ist, was die Corona-Zahlen betrifft, wenig beruhigend. Nicht zuletzt wurden Teile von Holland nach einem Rekord bei den Corona-Fällen zum Risikogebiet erklärt.

Doch dabei sollte man eins nicht vergessen: Im April und Mai lag der Höhepunkt der täglich gemeldeten Neuinfektionen bei mehr als 6000 in Deutschland. Danach war die Tendenz gesunken. Auch bei dem bislang zweiten Peak im August lagen die Zahl der Fälle täglich bei rund 2000.

Die aktuellen Zahlen liegen nur knapp über diesen Werten im August. Von Zuständen wie im April ist man in Deutschland also noch weit entfernt. Dennoch sollte man den Anstieg nicht fahrlässig behandeln. 

Coronavirus in Deutschland: Christian Drosten warnt vor erneutem Anstieg

So äußerte sich auch der Virologe Christian Drosten bereits am Donnerstag (17. September) bei einem Kommunikationskongress in Berlin zu den steigenden Corona-Zahlen: "Das, was man im Moment sieht, das ist schon nicht so eine beliebige Schwankung. Sondern wir sind jetzt wieder im Anstieg."

Er unterscheidet auch die jetzige Situation von der Lage im August. Im Sommer könne man den Anstieg der Neuinfektionen mit aus dem Ausland importierten Fällen, also durch Reiserückkehrer, erklären. Die aktuelle Tendenz der Corona-Fallzahlen lasse sich aber auf in Deutschland auftretende Infektionen zurückführen. Konkret heißt das: In Deutschland stecken sich wieder mehr Menschen an.

Coronavirus: Steigende Zahlen auf Cluster in Deutschland zurückzuführen

Diese Unterscheidung hält der Virologe für wichtig. Denn die neuen Corona-Fälle seien auf Cluster innerhalb Deutschlands zurückzuführen – nicht wie im August, wo die Infektionscluster im Ausland lagen. Ein Cluster kann beispielsweise eine Familienfeier, eine Kneipe oder eine Bürogemeinschaft sein, also eine Menschengruppe, von der die Infektion mit dem Coronavirus (alle Entwicklungen aus NRW im Live-Ticker) ausgeht. 

Christian Drosten empfiehlt daher, dass man die steigenden Zahlen äußerst streng im Blick haben und gegebenenfalls mit entsprechenden Maßnahmen wieder kontrollieren muss. "Da ist im Hintergrund ein unerkanntes Cluster. Das heißt wir müssen uns eigentlich jetzt so darauf einstellen, dass das, was wir sehen, der Beginn einer Inzidenzzunahme ist", sagte der Virologe auf dem Kongress.

Christian Drosten über die aktuellen Corona-Zahlen: "Wir sind wieder im Anstieg."

Coronavirus in Deutschland: Dunkelziffer dürfte geringer ausfallen

Und es gibt noch ein weiteres Indiz auf die steigenden Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Seit März wurde das Testen auf Covid-19 massiv ausgebaut, wie aus den Daten des RKI hervorgeht. Reiserückkehrer, Mitarbeiter von Krankenhäusern oder Lehrer werden inzwischen regelmäßig getestet. 

Die Dunkelziffer der infizierten Menschen dürfte als deutlich geringer ausfallen als noch zu Beginn der Pandemie. Je mehr und je gründlicher getestet wird, desto genauer wird also das tatsächliche Infektionsgeschehen widergespiegelt. Und das dürfte im April nicht zuletzt wegen der Dunkelziffer höher gewesen sein.

Coronavirus in Deutschland: Mehr junge Menschen erkranken an Covid-19

Allerdings wird in dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts auch deutlich, dass sich momentan mehr junge Menschen mit dem Coronavirus infizieren. Das erklärt unter anderem auch, warum die Fallsterblichkeit geringer ausfällt. 

Denn für junge Menschen ist das Coronavirus zwar nicht immer harmlos, aber der Krankheitsverlauf verläuft in vielen Fällen weitaus weniger schwer. Nur wenige von ihnen müssen zur Behandlung auf die Intensivstation.

Coronavirus in Deutschland: Aktuelle Entwicklung kritisch bewerten

Nun müsse darauf geachtet werden, dass es nicht auch zu einer steigenden Übertragung auf die höheren Altersgruppen kommt, da diese als besonders gefährdet gelten. Laut dem RKI ist jedoch seit der vergangenen Woche ein leichter Anstieg der Fallzahlen bei älteren Menschen zu beobachten.

Einige Experten gehen auch davon aus, dass sich die Lage im Herbst noch einmal verschlimmern könnte. Nicht zuletzt, weil sich dann wieder mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten. Die aktuelle Entwicklung ist also weiterhin kritisch zu bewerten

Rubriklistenbild: © J. Reschke/A. Brühl, Redaktion: J. Schneider/D. Loesche, Michael Kappeler/dpa, Collage: RUHR24.