Reinigung von Oberflächen

Corona: Experte hält ständige Desinfektion von Oberflächen für überflüssig

Eine neue Studie zeigt: Das Coronavirus überlebt auf glatten Oberflächen länger als gedacht. Mehr Desinfektionsmittel hält ein Experte aber für überflüssig.

Nordrhein-Westfalen – Im April hatte eine Studie der Ruhr-Universität Bochum erste Antworten geliefert, wie lange das neuartige Coronavirus auf Oberflächen überleben kann. Je nach Beschaffenheit der Oberfläche lag der Zeitraum zwischen wenigen Stunden bis hin zu drei Tage auf Edelstahl und Kunststoff.

Coronavirus auf Oberflächen: Neue Studie überrascht

Die Corona-Pandemie hat uns noch immer im Griff, weshalb Wissenschaftler weiter auf Hochtouren an neuen Erkenntnissen über das Virus arbeiten. So auch ein Forscherteam der australischen Wissenschaftsbehörde „Csiro“. Die neuste Studie der Experten zeigt nun Erschreckendes.

So wollen die australischen Forscher rausgefunden haben, dass das Virus weitaus länger auf glatten Oberflächen überlebt, wie bislang angenommen. Bis zu 28 Tagen soll sich Sars-CoV-2 auf Handydisplays oder Bankautomaten halten. Allerdings ist das Ergebnis mit Vorsicht zu genießen, denn es gilt nur für besondere Bedingungen.

Coronavirus überlebt auf Oberflächen länger als gedacht

Die Wissenschaftler haben das Experiment nämlich in der Dunkelheit, also unter Ausschluss von UV-Licht durchgeführt. Nach eigenen Angaben hatte das australische Team die Studie deshalb auf diese Art und Weise vorgenommen, da andere Untersuchungen bereits gezeigt hätten, dass Sonnenlicht das Virus schnell abtöten könne.

Doch die Experten haben nicht nur das Licht als Variable in die Studie miteinbezogen, sondern auch die Raumtemperatur. Sie konnten folgendes feststellen:

  • Rund 28 Tage überlebt Sars-CoV-2 bei 20 Grad, was in etwa der gängigen Raumtemperatur entspricht. Dadurch ist es deutlich robuster als bislang angenommen.
  • Bei 30 Grad überlebt das Coronavirus nur noch rund sieben Tage.
  • Bei 40 Grad minimiert sich die Überlebensdauer auf lediglich 24 Stunden.

Die lange Überlebensdauer von Corona konnte vor allem auf glatten Oberflächen, wie Edelstahl, Vinyl, Geldscheinen oder Smartphones nachgewiesen werden. Auf komplexen porösen Strukturen ist das für Covid-19 verantwortliche Virus dahingegen weniger resistent. Das trifft zum Beispiel auf Baumwolle zu (alle Entwicklungen zur Corona-Pandemie in NRW im Live-Ticker bei RUHR24.de)

Coronavirus widerstandsfähiger als Grippevirus

Im Vergleich: Das Grippevirus überlebte bei ähnlichen Experimenten nur 17 Tage auf Oberflächen. „Das zeigt, wie widerstandsfähig Sars-CoV-2 ist“, so Dr. Debbie Eagles, die stellvertretende Direktorin des australischen Zentrums für Seuchenvorsorge, das die Forschungsarbeiten durchführte.

Sie zieht außerdem erste Rückschlüsse aus den frisch gewonnen Erkenntnissen der Studie: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass das auf Oberflächen über lange Zeiträume infektiös bleiben kann, was die Notwendigkeit bewährter Verfahren wie regelmäßiges Händewaschen und Reinigen von Oberflächen verstärkt.“

Überlebensdauer des Coronavirus mit Auswirkungen auf bisherige Maßnahmen

Doch was heißt das konkret? Häufigeres Händewaschen, Oberflächen noch öfter desinfizieren? Aus Deutschland gibt es allerdings erste skeptische Stimmen hinsichtlich dieser Aussage.

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, hält Flächendesinfektion für unnötig.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) ist nämlich bislang noch nicht geklärt, wie hoch das Risiko einer Infektion über eine Oberfläche überhaupt ist. So soll es noch keine Fälle gegeben haben, bei denen nachgewiesen werden konnte, dass das Coronavirus über eine kontaminierte Oberfläche auf Menschen übertragen wurde.

Coronavirus: Desinfektion von Oberflächen ist „unsinnig“

Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, fand diesbezüglich noch deutlichere Worte. So wisse man inzwischen, dass das Virus sich ausschließlich über den Luftweg und nicht über Schmierinfektion übertrage, berichtet der Deutschlandfunk. Die Desinfektion von Oberflächen sei deshalb unsinnig und überflüssig. Dies müsse über das Robert Koch-Institut an die Gesundheitsämter kommuniziert und die Empfehlungen zum Schutz vor Ansteckung mit dem Virus entsprechend überarbeitet werden, so Reinhardt.

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