Lage in Italien, Spanien und Co

Corona: Delta-Variante im Urlaub – wo jetzt große Ansteckungsgefahr droht

Die niedrigen Corona-Inzidenzen machen endlich wieder Urlaub möglich. Doch die Delta-Variante könnte die Pläne durchkreuzen. Wie ernst ist die Lage wirklich?

Dortmund – Kroatien, Italien, Griechenland, Spanien oder Frankreich – Urlaubsziele, wo die Deutschen äußerst gerne Urlaub machen. Urlaubsziele, wo aufgrund niedriger Corona-Inzidenzen 2021 auch endlich wieder Urlaub möglich ist. Aktuell breitet sich jedoch eine neue Mutante, die Delta-Variante des Coronavirus verstärkt aus. Sind die Urlaubspläne in Gefahr?

Corona-MutationDelta-Variante
BezeichnungB.1.617
Erstmals registriertEnde 2020 in Indien

Hochansteckende Corona-Mutation: Durchkreuzt die Delta-Variante die Urlaubspläne?

Die Delta-Variante, die erstmals in Indien nachgewiesen wurde, gilt als hochansteckend. Inzwischen breitet sie sich auch verstärkt in Europa aus – auch in vielen Urlaubsregionen. Für Touristen, die bereits ihren Sommerurlaub gebucht haben, wirft das Fragen auf. Welche Folgen hat das, wenn das Urlaubsland zum Zeitpunkt der Reise plötzlich zum Virusvariantengebiet ernannt wird?

Tritt dieser Fall – wie zuletzt in Großbritannien – ein, müssen Reiserückkehrer unabhängig von Impf- oder Teststatus 14 Tage in Quarantäne. Auch mit einem negativen Corona-Test kann sich die Dauer nicht verkürzen lassen. Dass ein Land zum Virusvariantengebiet wird, ist zwar jederzeit innerhalb kurzer Zeit – und somit auch während des Urlaubs – möglich, aber ein Blick auf die aktuelle Lage im entsprechenden Reiseziel kann vorab nicht schaden.

Corona: Delta-Variante in Europa – Datenlage noch sehr gering

Allerdings ist die Datenlage bezüglich der Ausbreitung der Delta-Variante noch recht dünn. In vielen EU-Staaten werden bislang die Corona-Infektionen nur im Allgemeinen gezählt und nicht unbedingt auf die Varianten hin untersucht. Allerdings weiß man inzwischen, dass sich die Symptome wohl von einer Infektion mit dem Ursprungsvirus unterscheiden. Das könnte unter anderem Hinweise liefern.

Die Wissenschaftsinitiative GISAID listet aber schon jetzt alle Neuinfektionen mit der neuen Corona-Mutante auf, die registriert werden. Ein Blick in die Datenbank gibt somit einen Einblick, in welchen Ländern und Gebieten das Risiko, sich mit der Delta-Variante anzustecken, besonders hoch ist.

Delta-Variante breitet sich aus: Großbritannien seit dem 21. Mai wieder Virusvariantengebiet

Großbritannien gehört nicht gerade zu dem Reiseziel Nummer eins für den Sommerurlaub. Dennoch fliegen viele Deutsche – sei es aus geschäftlichen, familiären oder doch touristischen Gründen – auf die Insel. Lange stand das Land in Sachen Corona auch gut da. Nachdem die dritte Welle überwunden war, kam man dort langsam wieder auf die Beine.

Doch kurz bevor weitere Lockerungen angestoßen wurden, machte sich die Delta-Variante breit. Inzwischen sollen 90 Prozent aller Neuinfektionen auf die neue Corona-Mutante zurückzuführen sein. Seit dem 21. Mai hat das Auswärtige Amt Großbritannien daher wieder zum Virusvariantengebiet erklärt.

Delta-Variante in Spanien und auf den Kanaren: Die aktuelle Lage

Urlaub in Spanien klingt da für viele schon wesentlich verlockender. Aber wie ist die Lage an den Sandstränden von Andalusien oder beim Städtetrip in Madrid und Barcelona? Mitte Juni lag der Anteil der Delta-Variante in Spanien bei 11,4 Prozent. Doch auch im Land der Tapas werden nur wenige Corona-Proben untersucht. Allerdings sinkt die Inzidenz in Spanien – mit wenigen Ausnahmen – aktuell noch weiter, was noch für eine zurückhaltende Ausbreitung der Mutante spricht.

Allerdings registrieren Behörden einen Anstieg der Corona-Fälle in beliebten Touristengebieten – insbesondere auf den Kanarischen Inseln. So hat sich der Sieben-Tage-Wert auf Teneriffa laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) im Zeitraum vom 31. Mai bis zum 20. Juni mehr als verdoppelt. Ob das jedoch auf die Ausbreitung der Delta-Variante zurückzuführen ist, kann nicht eindeutig gesagt werden.

Urlaub in Portugal: Lage mit der Delta-Variante spitzt sich weiter zu

Anders sieht es im Nachbarland Portugal aus. Hier explodieren die Corona-Zahlen seit Mitte Mai wieder. Am vergangenen Wochenende (20. Juni) ist Portugals Hauptstadt Lissabon deshalb wieder in den harten Lockdown zurückgekehrt. Der Grund ist die rasante Ausbreitung der Delta-Variante.

Laut Angaben der portugiesischen Behörden macht sie inzwischen rund 60 Prozent der Neuinfektionen aus. Noch ist Portugal allerdings vom Auswärtigen Amt als „nur“ als Risikogebiet eingestuft. Das kann sich jedoch jederzeit kurzfristig ändern und das Land kann zum Virusvariantengebiet erklärt werden. Dann gilt auch hier für Reisende die Quarantänepflicht bei der Rückkehr nach Deutschland.

Steht der Urlaub wegen der Delta-Variante auf der Kippe?

Urlaub in Italien und Frankreich: Von der Delta-Variante „keine Spur“

Italien scheint im Gegensatz zu Portugal aktuell noch ein sicheres Urlaubsland zu sein. Ebenso in Frankreich hat man scheinbar die Corona-Lage gut im Griff. In beiden Ländern macht der Anteil der Delta-Variante aktuell noch weniger als zehn Prozent der untersuchten Neuinfektionen aus. Außerdem sinkt die Inzidenz sowohl in Frankreich als auch in Italien kontinuierlich. Einem Urlaub am Mittelmeer steht somit derzeit nichts im Wege. Allerdings werden auch hier bislang die Viren noch relativ wenig auf Delta-Variante des Coronavirus hin sequenziert.

Im Gegensatz zu Dänemark und Schweden. In Dänemark sollen wohl 80 Prozent der Neuinfektionen untersucht werden, in Schweden geht man ähnlich vor. Beide Länder vermelden erfreuliche Ergebnisse. Während in Schweden bislang offiziell noch kein Fall mit der Delta-Variante registriert wurde, sind es in Dänemark gerade mal 0,7 Prozent aller Neuinfektionen. Grund genug, über einen Urlaub im Norden nachzudenken.

Coronavirus in Holland: Niederlande registriert besorgt leichten Anstieg der Delta-Variante

Und wie sieht es mit einem Urlaub im NRW-Nachbarland Holland aus? Zuletzt wurden dort in der Region Nimwegen/Nijmegen mehrere Fälle mit der Delta-Variante registriert. Laut der niederländischen Gesundheitsbehörde RIVM ist davon auszugehen, dass diese auf eine Gruppe von Jugendlichen zurückzuführen sei, die auf Abschlussfahrt in Spanien und Portugal waren.

Auch im Rest der Niederlande wird ein Anstieg mit der indischen Corona-Mutation verzeichnet. Laut RIVM sind insgesamt neun Prozent der untersuchten Proben auf die Delta-Variante zurückzuführen. Mit Blick auf die anstehende Urlaubssaison zeigt sich die niederländische Regierung allerdings besorgt und appelliert an alle Reisende, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten.

Damit steht Holland nicht alleine da. Auch die Bundesärztekammer in Deutschland rät davon ab, in entsprechende Länder zu reisen, wo die Delta-Variante auf dem Vormarsch zu sein scheint. „Auf Reisen in Regionen, die von der Delta-Variante besonders betroffen sind, sollte verzichtet werden“, sagte Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer. Er verwies ebenfalls darauf, an den Urlaubsorten die Hygieneregeln weiterhin zu beachten.

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