TU Berlin klärt auf

Corona-Studie zeigt: Wo die Ansteckungsgefahr am größten ist – Schule und Büro liegen vorne

Die TU Berlin hat das Risiko einer Corona-Ansteckung an verschiedenen Orten untersucht. Wo lauert die größte Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken.

Dortmund/Berlin - Am 1. März 2021 dürfen die Friseure trotz Lockdown-Verlängerung in der Coronavirus-Krise wieder öffnen. Zumindest atmet eine Branche wieder auf. Andere müssen warten. Doch wie hoch ist das Risiko, sich mit Corona beim Friseur anzustecken? Eine neue Studie der TU Berlin gibt erste Antworten.

UniversitätTU Berlin
Professor Martin Kriegel
StudieRisiko einer Ansteckung mit Corona

Risiko einer Corona-Ansteckung: TU Berlin gibt mit Studie eindeutige Antworten

Die Studie des Hermann-Rietschel-Instituts der TU Berlin, an dem Professor Martin Kriegel arbeitet, hat nicht nur die Gefahr einer Corona-Ansteckung bei Friseuren, sondern auch in Büros, Fitnessstudios und anderen Orten untersucht. Orte, an denen Menschen zusammenkommen und die aktuell vom Lockdown betroffen sind (alle News zu Corona in NRW auf RUHR24.de).

In Schulen (bei Vollbesetzung, ohne Maske) und Großraumbüros (50 Prozent Besetzung, ohne Maske) lauert die größte Gefahr, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Doch wie kommt das Team um Professor Martin Kriegel auf diese Ergebnisse?

Die Wissenschaftler der TU Berlin haben zusammen mit dem Robert Koch-Institut und der Berliner Charité ein Infektionsrisikomodell entwickelt. Das leitet einen sogenannten Reproduktionswert 1 (R-Wert) ab. Im Umkehrschluss bedeutet ein R-Wert 1, dass eine Person in einer Situation und in einem Raum eine weitere Person mit Covid-19 ansteckt.

Corona-Ansteckungsrisiko: Schulen und Großraumbüros haben extremen R-Wert

Im Detail kommt es zudem noch auf die Aufenthaltsdauer, den Luftstrom, die Art der Aktivität im Raum und auf die eingeatmete Dosis an Aerosolpartikeln an. Wichtig: Für die Studie wurde vorausgesetzt, dass die Menschen die sogenannten AHA+L-Regeln einhalten, berichtet wa.de*.

Martin Kriegel, Direktor des Hermann-Rietschel-Instituts, an der TU Berlin.

Zudem sind die Wissenschaftler von einer durchschnittlichen Besuchsdauer ausgegangen - acht Stunden im Büro, circa eine Stunde im Supermarkt, circa 90 Minuten im Fitnessstudio, und so weiter.

Corona-Ansteckungsrisiko: Schule ohne Schutzmaske ist eine extrem risikobehaftete Idee

In einer Schule unter Vollbesetzung, in der niemand eine Corona-Schutzmaske trägt, liegt er R-Wert bei 11,5 - eine Person steckt im Schnitt 11,5 andere an. Aktuell dürften die Menschen vor allen Dingen die diversen Branchen interessieren, die aufgrund des verlängerten Corona-Lockdowns geschlossen sind oder bald, wie die Friseure, wieder öffnen dürfen.

Generell gilt laut Studie, dass ein Friseurbesuch sicher ist. Genauso wie die Fahrt in Bus und Bahn, der Einkauf im Supermarkt oder Geschäften. Als extrem unsicher gelten Großraumbüros und Schulklassen, in denen keine Maske getragen wird.

Die Ergebnisse der TU Berlin zum Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus:

  • Theater, Oper, Museen, 30 % Belegung, mit Maske - 0,5
  • Friseur mit Maske - 0,6
  • Theater, Oper, Museen , 40 % Belegung, mit Maske - 0,6
  • Öffentlicher Personen-Nahverkehr mit Maske - 0,8
  • Supermarkt mit Maske - 1
  • Kino, 30 % Belegung, ohne Maske - 1
  • Shoppig mit Maske und 10 qm pro Person - 1,1
  • Kino, 40 % Belegung, ohne Maske - 1,1
  • Restaurant, 25 % Belegung - 1,1
  • Fitnessstudio, 30 % Belegung ohne Maske - 1,4
  • Sporthalle (Freizeitsport), 50 % Belegung, ohne Maske - 1,5
  • Fernbahnen, Fernbusse, 3 Stunden Fahrt, 50 % Belegung, mit Maske - 1,5
  • Mehrpersonenbüros, 20 % Belegung, mit Maske - 1,6
  • Schwimmhalle - 2,3
  • Restaurant, 50 % Belegung - 2,3
  • Oberschule (*1), 50 % Belegung, mit Maske - 2,9
  • Fitnessstudio, 50 % Belegung, ohne Maske - 3,4
  • Oberschule (*1), 50 % Belegung, ohne Maske - 5,8
  • Mehrpersonenbüro, 50 Prozent Belegung, ohne Maske - 8
  • Oberschule (*1), Vollbesetzung, ohne Maske - 11,5
  • (*1): Weiterführende Schule ab Klasse 7

Die Ergebnisse dürften die Diskussionen rund um die ausbleibenden Öffnungen, speziell im Einzelhandel, befeuern. Dass ausschließlich Friseure am 1. März öffnen dürfen, hat auch RUHR24-Redakteur Daniele Guistolisi in einem Kommentar kritisiert.

Die Studie der TU Berlin könnte am 7. März beim nächsten Corona-Gipfel bei einer Öffnungsstrategie helfen. Man habe die Möglichkeit geben wollen, so Martin Kriegel, die einzelnen Räumlichkeiten miteinander vergleichen zu können und ins Verhältnis zu setzen. *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniel Naupold/Tobias Schwarz/dpa / Collage: RUHR24

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