Kontaminierte Oberflächen

Coronavirus an Weihnachten: Experte schätzt Ansteckungsgefahr über die Geschenke ein

Sind Weihnachtsgeschenke etwa echte Virenschleudern? Ein Experte gibt eine Einschätzung.
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Sind Weihnachtsgeschenke etwa echte Virenschleudern? Ein Experte gibt eine Einschätzung.

Weihnachten ist die Zeit der Geschenke. Doch können diese etwa das Coronavirus übertragen? Ein Experte klärt auf.

Nordrhein-Westfalen - Dass Weihnachten in Zeiten der Corona-Pandemie anders ausfallen wird als sonst, ist klar. Anstatt großer Familienfeiern sollte man das besinnliche Fest lieber im kleinsten Kreis feiern, um Infektionen zu vermeiden. Aber wie steht es um die Geschenke? Übertragen die etwa den neuartigen Erreger?

Arzt und VirologeProf. Dr. med. Dr. rer. nat. Andreas Podbielski
Institut:Institut für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene, Universität Rostock
Alter:Geboren am 09.12.1955 in Frankfurt am Main

Coronavirus an Weihnachten: Gefahr durch infektiöse Oberflächen

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird weltweit dazu geforscht, ob eine Übertragung des Coronavirus über kontaminierte Oberflächen möglich ist. Im April dieses Jahres lieferte eine Studie der Ruhr-Universität Bochum erste Antworten. Die Wissenschaft blieb dran und veröffentlichte im Oktober 2020 dann weitere erschreckende Erkenntnisse.

So wollen die australischen Forscher rausgefunden haben, dass das Virus weitaus länger auf glatten Oberflächen überlebt, als bislang angenommen. Bis zu 28 Tagen soll sich Sars-CoV-2 beispielsweise auf Handydisplays oder Bankautomaten halten. Was bedeutet diese Studie nun für Weihnachten?

Coronavirus an Weihnachten: Infektionsgefahr durch Geschenke und Postkarten

Es kursieren bereits die ersten Meldungen, dass Coronaviren lange genug auf Weihnachtsgeschenken und Postkarten überlegen, sodass sie eine Infektion beim Empfänger auslösen können. Andreas Podbielski, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Virologie und Hygiene an der Uni Rostock, gab nun eine erste Einschätzung dazu ab, wie wahrscheinlich es ist, dass Corona über Weihnachtsgeschenke übertragen werden kann.

„Jeder, der Viren in Form von Aerosolen ausatmet, kontaminiert auch Oberflächen“, so der Virologe. Doch „dass Coronaviren an Weihnachten durch Karten oder verpackte Geschenke übertragen werden, ist vollkommen irreal“, sagt Andres Podbielski gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) und benennt gleich mehrere Fakten, warum Weihnachtsgeschenke und Postkarten keine Coronavirenschleudern sind.

Andreas Podbielski von der Uni Rostock hält eine Infektion über Weihnachtsgeschenke für unwahrscheinlich.

Weihnachtsfest im Corona-Jahr: Coronavirus überlebt nicht lange auf Papier

So könnten sich die Viren auf Oberflächen wie Papier und Karten nur sehr schlecht bis gar nicht vermehren. Ähnliche Erkenntnisse konnte auch die Studie im Oktober gewinnen. Die Forscher haben nachgewiesen, dass sich das Virus zwar bis zu 28 Tage auf Oberflächen hält, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen - nämlich bei Dunkelheit und im Labor.

Weshalb der allgemeine wissenschaftliche Konsens weiterhin lautet: Es gibt bislang keine Hinweise auf eine Übertragung von Covid-19 durch kontaminierte Verpackungen. Das bestätigt unter anderem auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC auf ihrer Homepage. Auf der Seite des Bundesinstituts für Risikobewertung heißt es: „Allerdings können Schmierinfektionen über Oberflächen nicht ausgeschlossen werden, die zuvor mit Viren kontaminiert wurden“.

Corona-Infektion über Weihnachtsgeschenke: Experte hält Gefahr für nahezu unmöglich

Doch Podbielski gibt auch hier mit einem nahezu unmöglichen Szenario Entwarnung: „Da müsste schon jemand auf eine Postkarte husten, sie einem anderen direkt in die Hand drücken und der steckt sich den Finger sofort den Mund.“

Er geht davon aus, dass sich die Coronaviren nur dann vermehren, wenn sie in Zellen sind. Hinzu kommen noch äußere Bedingungen, die das Absterben der Erreger begünstigen. So gehe das beispielsweise auf Karten und Papier relativ rasch, weiß der Experte. „Das ist eine Sache von Minuten bis zu wenigen Stunden“, erklärt er.

Infektionsgefahr an Weihnachten: Geschenke sind das kleinste Problem

Die Gefahr sich in überfüllten Paketstationen oder in den überlaufenen Innenstädten beim Weihnachtsshopping zu infizieren, sei wesentlich höher.

So waren die Einkaufsstraßen an den ersten beiden Adventswochenenden in vielen Städten gnadenlos überfüllt. Statt dem empfohlenen Abstand, liefen die Passanten auf der Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenke dicht gedrängt durch die Innenstädte. Teilweise musste sogar das Ordnungsamt eingreifen und die Menschen nach Hause bitten.

Video: Weihnachten 2020 während Corona - das geben die Deutschen für Geschenke aus

Weihnachtsfest im Corona-Jahr: Geschenke und Postkarten desinfizieren ist unötig

Auch wenn viele Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr per Post anstatt persönlich überreicht werden und der Virologe Podbielski Infektionen auf diesem Weg für „komplett unwahrscheinlich“ hält, ist dennoch Vorsicht geboten.

Zwar müsse man die Weihnachtsgeschenke und Postkarten nicht extra desinfizieren, wer aber besonders viele Verpackungen, Geschenke und Karten in der Hand hält, sollte sich häufig die Hände waschen, um eine Corona-Infektion zu vermeiden.

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