Virologe fordert Verschärfung

Umsetzung der Maskenpflicht: Virologe Alexander Kekulé zeigt sich schockiert

Frau mit Maske guckt sich Hose an
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Gibt es bei der Maskenpflicht in Geschäften Nachholbedarf?

Während der Coronavirus-Pandemie gilt in Geschäften die Maskenpflicht. Wie sie teilweise umgesetzt wird, stößt bei Alexander Kekulé auf Unverständnis.

Dortmund – Laut dem Virologen Alexander Kekulé (62) zeige der momentane „Lockdown light“ in Deutschland zwar seine Wirkung, doch sei diese viel zu schwach. „Jetzt brennt das Haus, und fast ist es schon zu spät, um die Weihnachtszeit ohne massiven Lockdown zu ermöglichen“, äußerte sich der 62-Jährige im Interview mit der Rheinischen Post (Bezahlartikel).

VirologeAlexander Kekulé
Geboren7. November 1958 (Alter 62 Jahre), München
LehrstuhlinhaberMedizinische Mikrobiologie und Virologie
HochschuleMartin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Coronavirus: Alexander Kekulé fordert Nachschärfung der Maskenpflicht in Geschäften

Der Inhaber des Lehrstuhls für Medizinische Mikrobiologie und Virologie an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg fordert deshalb nicht nur, dass die Schulen eine Woche vor Weihnachten schließen und bereits jetzt in den Hybrid-Unterricht übergehen sollten. Alexander Kekulé sieht auch Nachholbedarf im Umgang mit der Maskenpflicht in Geschäften.

Nach anfänglicher Skepsis wurde diese zwar in den meisten Bundesländern noch in einem relativ frühen Stadium der Coronavirus-Pandemie (die Entwicklungen im NRW-Ticker) erlassen – in Nordrhein-Westfalen führte die Landesregierung sie Ende April ein. Dennoch stört den Virologen, wie diese Maßnahme mancherorts bis heute umgesetzt wird.

Coronavirus: Glasscheiben als Spuckschutz sind keine Alternative zur Maske

„Da gibt es immer noch den Fall, dass Verkäufer hinter der Acrylglasscheibe ohne Maske stehen, als wüssten die Leute nicht, was Superspreading-Ereignisse sind und dass sich Aerosole natürlich im ganzen Raum verbreiten können“, so Alexander Kekulé in der Rheinischen Post.

Tatsächlich schützen die Glasscheiben, die als Spuckschutz fungieren, vor größeren Tröpfchen – etwa beim Sprechen oder Husten. Vor Aerosolen, winzigen Partikeln die sich über die Luft verbreiten und die für einen Großteil der Infektionen mit dem Coronavirus (SARS-CoV-2) verantwortlich sind, schützt ein Spuckschutz indes nicht. Eine echte Alternative zur Maske sind die in vielen Geschäften installierten Glasscheiben also nicht – allenfalls eine zusätzliche Maßnahme.

Alexander Kekulé hält Maskenpflicht im Freien für Unsinn

Eine „Nachschärfung“ der Maskenpflicht in Geschäften scheint für Alexander Kekulé zudem eine wesentlich sinnvollere Maßnahme zu sein, als die Einführung Maskenpflicht im Freien. Die hält der Virologe für „Unsinn“.

Eine Maskenpflicht im Freien – wie hier in Düsseldorf – hält Alexander Kekulé nicht für sinnvoll.

„Wenn sich zwei Bayern am Marienplatz in München aus einem Meter Entfernung anjodeln, kann der eine den anderen natürlich infizieren.“ Dabei würden die Tröpfchen ballistisch von Gesicht zu Gesicht fliegen. Ein Superspreading mit vielen Infizierten würde man dabei aber nicht bekommen.

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Wichtig sei laut Alexander Kekulé zudem, dass die Maskenregeln bundesweit einheitlich seien, unabhängig vom jeweiligen Infektionsgeschehen in den Bundesländern, Kreisen oder Städten. Es könne nicht sein, dass eine Region mit weniger Fällen den anderen Regionen sagt, die Pandemie ist jetzt euer Problem. Es seien besonders solche Regionen verletzlich, in denen es wenige Fälle gibt und wo die Bürger entspannt sind.

Am heutigen Mittwoch (25. November) beraten Bund und Länder über die geltenden Corona-Maßnahmen. Mit Blick auf die Geschäfte soll laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) Einigung darüber bestehen, die Maskenpflicht nun auch vor Geschäften und auf Parkplätzen geltend zu machen. Das Kanzleramt stelle sich zudem vor, dass sich in Geschäften künftig nicht mehr als ein Kunde pro 25 Quadratmeter Verkaufsfläche aufhält – bis jetzt liegt die Grenze bei einem Kunden pro zehn Quadratmetern.

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