Negatives Ergebnis downloaden

Corona-Selbsttest von Aldi in der Kritik – Zertifikat lässt sich fälschen

Die ersten Selbsttests sind gerade erst im Handel – und schon tauchen auch die ersten Probleme auf. Der Aesku-Test von Aldi soll sich ganz leicht fälschen lassen.

Deutschland – Als erster Einzelhändler hatte Aldi am 6. März den Verkauf von Selbsttests gestartet. Die Tests, mit denen man sich selbst auf das Coronavirus testen kann, waren in den Märkten binnen weniger Minuten vergriffen. Nur einige Tage später tauchten allerdings bereits die ersten Negativschlagzeilen auf. Denn bei dem Test des Herstellers Aesku lässt sich ein gefälschtes negatives Ergebnis offenbar ganz leicht aus dem Netz downloaden (mehr News zum Coronavirus in NRW auf RUHR24.de).

UnternehmenAldi
HauptsitzEssen
GründerKarl Albrecht, Theo Albrecht

Corona-Selbsttest bei Aldi: Test von Aesku ist nicht fälschungssicher

Das grundsätzliche Problem bei den Selbsttests des rheinland-pfälzischen Biotechnologieunternehmens Aesku Diagnostics: Der über Aldi Nord und Aldi Süd vertriebene SARS-CoV-2 Rapid-Test enthält einen QR-Code, über den man sich ein negatives Testergebnis einfach herunterladen kann.

Wie die Deutsche Apothekerzeitung als erstes berichtet, befindet sich dieser Code auf der Außenseite der Verpackung. Darunter steht die Aufforderung „Bitte scanne mich“.

Aesku-Antigentest zur Eigenanwendung: Falsch negatives Testergebnis lässt sich downloaden

Über den Code gelange man dann auf die Webseite „ichtestemichselbst.de“, erklärt die Deutsche Apothekerzeitung. Hier könne man sich dann ganz einfach selbst ein Zertifikat ausstellen lassen. Und das, ohne dass man den Test überhaupt durchgeführt habe.

Mehr noch: Es sei sogar möglich, sich beliebig viele der negativen Ergebnisse ausstellen zu lassen. Dazu müsse man auf der Webseite lediglich zwei Fragen beantworten. Die erste Frage, die man gestellt bekäme laute: „War der Test positiv?“

SARS-CoV-2 Rapid-Test von Aldi: Auch bei den Ausweisnummern kann man schummeln

Klickt man hier „Nein“ an, gelange man zur zweiten Frage: „Haben Sie den Test eigenständig durchgeführt“. Die Antwort auf diese Frage habe aber gar keine entscheidende Auswirkung – man gelange nun auf die Seite, auf der sich das negative Zertifikat herunterladen ließe.

Um sich zu legitimieren, müsse man hier eine Führerschein- oder Personalausweisnummer angeben. Man könne aber auch an dieser Stelle einfach irgendeine Nummer angeben, so die Deutsche Apothekerzeitung.

Steht in der Kritik: der SARS-CoV-2 Rapid-Test von Aldi

Corona-Selbsttests: Positives Ergebnis ist nicht meldepflichtig

Klickt man als Antwort auf die erste Frage „Ja“ an, wird man übrigens aufgefordert, einen Arzt aufzusuchen. Mehr passiert dabei aber nicht. Denn anders als bei den Schnelltests, die ab sofort jedem deutschen Bürger einmal wöchentlich zustehen, ist man gesetzlich nicht verpflichtet, einen positiven Selbsttest auch zu melden.

Zusätzlich dazu, dass sie als weniger sicher gelten als professionell durchgeführte Schnelltests, liegt hier ein weiteres grundlegendes Problem bei den Selbsttests: Sie sind nicht meldepflichtig. So führte auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) letzte Woche auf einer Pressekonferenz an, man könne die Bürger natürlich zu Hause nicht überprüfen.

Sars-CoV-2 Antigen-Selbsttest basieren auf Vertrauen und Eigenverantwortung

Dass das nicht möglich ist, ist selbstverständlich. Wenn sie sich jetzt allerdings auch noch ganz einfach faken lassen, könnten Selbsttests in der Teststrategie der Bundesregierung weiterhin lediglich eine untergeordnete Rolle spielen.

Denn bislang sind Selbsttest in erster Linie für den privaten Gebrauch vorgesehen. Hier können sie beispielsweise dann Sicherheit bieten, wenn man Freunde oder Verwandte besuchen möchte. Sie basieren dabei auf Vertrauen und Eigenverantwortung.

Corona-Selbsttests spielen in der Teststrategie bislang keine große Rolle

Die meisten Bundesländer binden solche Tests zur Eigenanwendung auch noch nicht in die Strategie mit ein, sondern fordern als Nachweis einen Schnelltest, der professionell durchgeführt wurde. Andererseits spielen Selbsttests aber bereits jetzt in NRW bei der Terminvergabe für körpernahe Dienstleistungen eine Rolle.

Laut der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW können sie als Alternative zu den Schnelltests gewählt werden, um einen Termin beim Tätowierer oder im Kosmetikstudio zu machen, wenn Masketragen dort nicht möglich ist (beispielsweise bei Gesichtsbehandlungen).

Covid-19-Selbsttests: NRW setzt bereits auf diese Testmöglichkeit

So heißt es in der aktuell geltenden NRW-Coronaschutz-Verordnung: Wenn Kunden keine Maske tragen können, „dürfen diese Dienstleistungen oder Handwerkleistungen nur dann ausgeführt werden, wenn für die Kundinnen und Kunden ein tagesaktueller Schnell- oder Selbsttest vorliegt und für das Personal, das diese Handwerks- oder Dienstleistungen ausführt, alle zwei Tage ein Schnell- oder Selbsttest durchgeführt wird.“

Außerdem sollen Selbsttests ab dieser Woche in NRW auch in den Schulen zum Einsatz kommen. Die erste Belieferung der Schulen mit den 1,8 Millionen Corona-Tests erfolgt laut Landesregierung ab dem 16. März 2021.

Corona-Teststrategie: Selbsttest sind praktischer als Schnelltests

Die Regelungen aus NRW zeigen, dass die Tests zur Eigenanwendung in Zukunft noch eine größere Rolle spielen könnten. Solche Selbsttests vermehrt in die Teststrategie einzubinden, wäre dabei definitiv vor allem eines: praktisch.

Denn wenn man beispielsweise für einen Kosmetiktermin einen (tagesaktuellen) Test bräuchte, der zuvor professionell durchgeführt worden ist, wäre das Ganze mit einem hohen Terminaufwand verbunden. Selbsttest könnten also tatsächlich dazu beitragen, wieder mehr Normalität zuzulassen.

Corona-Teststrategie: Werden gefälschte Testergebnisse zum neuen Pandemie-Problem?

Sollten die Selbsttests bald wirklich weiter in die Teststrategie der Bundesregierung eingebunden werden, wäre es unbedingt notwendig, dass man sich auch hierfür ein fälschungssicheres Zertifikat ausstellen lassen kann. Denn ansonsten scheint das Chaos vorprogrammiert.

Laut Medienberichten will der Hersteller Aesku Diagnostics die Sicherheitslücke beheben. Um dem vorzubeugen, dass gefakte Testergebnisse zu einem neuen Pandemie-Problem werden, sind aber wohl übergeordnete Kontrollinstanzen möglich – beispielsweise vor der Zulassung.

Rubriklistenbild: © Ulrich Perrey/dpa

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