Verbraucherschützer klären auf

Corona-Absagen: Gutschein-Regel läuft aus – das müssen Betroffene wissen

Konzerte, Festivals oder Theater: Während der Pandemie mussten viele Veranstaltungen abgesagt werden. Als Entschädigung gab es die Gutscheinregel – doch die läuft bald aus.

Deutschland – Per Gesetzesänderung wurde während der Coronavirus-Pandemie umgesetzt, dass Kunden, die ihre Tickets wegen ausgefallener Veranstaltungen nicht einlösen können, Gutscheine erhalten. Die Ticketpreise mussten nach dieser Neuregelung hingegen nicht erstattet werden – ein Umstand, den die Verbraucherzentrale NRW scharf kritisiert. Jetzt kommt auf Betroffene wieder eine Änderung zu.

Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV)oberste Bundesbehörde
HauptsitzBerlin
BehördenleitungChristine Lambrecht (SPD)

Gutschein statt Ticketpreiserstattung – Neuregelung wegen Corona

Konkret betrifft die im Mai 2020 eingeführte Gutscheinregel Tickets, die vor dem 8. März 2020 erworben wurden. Hintergrund ist das Gesetz zur Abmilderung der Folgen der COVID-19-Pandemie im Veranstaltungsvertragsrecht. Es umfasst laut Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) beispielsweise Karten für Musik-, Kultur-, Sport- oder sonstige Freizeitveranstaltungen, die wegen des Lockdowns nicht stattfinden konnten – oder können.

Genannt werden unter anderem:

  • Festivals,
  • Theatervorstellungen,
  • Sportwettkämpfe,
  • Museen, Freizeitparks,
  • Schwimmbäder
  • und viele mehr.

Daneben gilt die Gutscheinregel aber auch für „sonstige Freizeitgestaltungen“. Dazu zählen auch solche, die an mehreren Terminen stattfinden, wie beispielsweise Sprach- oder Sportkurse (weitere News zum Coronavirus in NRW bei RUHR24).

Gutscheine für ausgefallene Veranstaltungen – diese Rechte haben Verbraucher

Die Verbraucherzentrale NRW weist darauf hin, dass Verbraucher grundsätzlich selbst aktiv werden müssen, wenn sie von einem coronabedingten Ausfall betroffen sind. Um einen entsprechenden Wertgutschein zu erhalten, muss man sich in der Regel beim jeweiligen Veranstalter melden und eine Erstattung verlangen.

Für Tickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden, können Veranstalter dann die Auszahlung verweigern und stattdessen einen Wertgutschein ausstellen. Dieser wird über den Betrag des Eintrittspreises ausgestellt und kann beim Veranstalter für beliebige Veranstaltungen im selben Wert eingelöst werden.

Wichtig zu wissen: Es muss sich dabei nicht um genau die Veranstaltung handeln, die wegen Corona verschoben wurde – der Wertgutschein kann auch für andere Konzerte, etc. des gleichen Veranstalters verwendet werden. Kostet die neue Veranstaltung mehr als die ursprüngliche, muss die Differenz allerdings hinzugezahlt werden.

Corona-Gutscheinregel gilt nur noch bis Jahresende – danach können Betroffene Geld zurückfordern

Wie die Verbraucherschützer aktuell mitteilen, läuft diese Regel zum 31.12.2021 aus. Das bedeutet allerdings keinesfalls, dass die Gutscheine verfallen.

Vielmehr müssen sie nur noch bis zum Jahresende akzeptiert werden. Heißt mit anderen Worten: Wer seinen Wertgutschein bis Ende 2021 nicht einlöst, kann ab dem 01.01.2022 die Auszahlung des Wertes des Gutscheins verlangen.

Die Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz, Christine Lambrecht (SPD), erklärt dazu:

Werden die Gutscheine bis Ende 2021 nicht eingelöst, ist ihr voller Wert zu erstatten. Den Verbraucherinnen und Verbrauchern geht somit nichts verloren. Für Menschen, die jetzt dringend die Erstattungen benötigen, weil sie sonst ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können, gibt es eine Härtefalllösung.

Christine Lambrecht (SPD), Bundesjustizministerin
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) meint, den Verbraucherinnen und Verbrauchern gehe mit der Gutscheinlösung nichts verloren – Verbraucherschützer sehen das anders.

Gutschein-Lösung soll Künstlern helfen – Verbraucherschützer üben scharfe Kritik

Das Gesetz soll laut BMJV Veranstalter von den wirtschaftlichen Folgen entlasten, die durch die Corona-Pandemie entstanden sind. Gleichzeitig soll dem Risiko entgegengewirkt werden, dass eventuelle Erstattungsansprüche der Verbraucher durch Insolvenzen wirtschaftlich wertlos werden.

Die Verbraucherzentrale NRW sieht das kritisch: Nach ihrer Ansicht ist es zwar zu begrüßen, dass Kunden stark von der Pandemie gebeutelte Künstler unterstützen – das, so die Verbraucherschützer, hätte aber auf freiwilliger Basis passieren müssen. Denn das Insolvenzrisiko habe während des Lockdowns so komplett beim Verbraucher gelegen.

Mittlerweile finden viele Veranstaltungen wieder statt, wie beispielsweise der Schlagerboom in Dortmund. Für nach dem 8. März 2020 gekaufte Karten gelten die üblichen Regeln, erklärt die Verbraucherzentrale NRW.

Rückerstattung bei ausgefallenen Veranstaltungen – die Ansprüche verjähren

Mit dem Auslaufen der Regel zum Jahresende würden demnach Verbraucherrechte im Nachhinein wieder gestärkt. Auch wer seinen Gutschein noch nicht eingelöst hat, und sich stattdessen im neuen Jahr den Betrag erstatten lassen möchte, darf aber nicht ewig warten.

Die Rückzahlungsansprüche aus abgesagten Veranstaltungen verjähren laut Verbraucherzentrale innerhalb von drei Jahren. Bei Veranstaltungen, die in 2020 wegen des Lockdowns abgesagt wurden, können Ansprüche also bis zum 31.12.2023 geltend gemacht werden. Bei Veranstaltungen, die in 2021 abgesagt werden, läuft die Verjährungsfrist noch bis zum 31.12.2024.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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