Das verdirbt den Knabberspaß 

Chips im Test: "Gesunde Sorten" mit überraschender Erkenntnis

Chips sind lecker. Aber wie gut sind die vermeintlich "gesunden" Sorten für uns? Neun Produkte wurden jetzt getestet - das Urteil überrascht.

  • Chips aus Rote Bete, Wirsing und Co sollen gesünder sein als Kartoffelchips.
  • Der Koch Surdham Göb aus München hat deshalb neun verschiedene Gemüsechips auf Geschmack und Inhalt hin getestet.
  • Das Ergebnis des Tests überrascht: Ein Bio-Produkt schneidet am schlechtesten am.

München - Abends auf dem Sofa machen sie den konventionellen Chips aus Kartoffeln seit einige Zeit gehörig Konkurrenz: Gemüsechips. Wer sich bewusst ernähren will, greift zu der vermeintlich gesunden Alternative aus Pastinake, Karotte, Rote Bete oder Süßkartoffel. Jetzt zeigte jedoch ein Test: Gesund ist das nicht wirklich.

Chips vs. Gemüsechips: Was ist die gesündere Alternative?

Konventionelle Chips gelten als fettig, ungesund und kalorienlastig. Für die Süddeutsche Zeitung hat Surdham Göb aus München, Koch und Autor aus München, jetzt neun Varianten aus Gemüse untersucht.  

Im Fokus standen Produkte aus Pastinake, Süßkartoffel, Karotten und Roter Bete von bekannten Marken wie Rewe, Dm oder Funny Frisch. Ebenfalls auf dem Prüfstand waren Linsen- und Kichererbsenchips.

Gemüsechips im Test: Gesund sind sie nicht wirklich

Er hat sich im Test besonders genau die Zutatenliste der Gemüsechips angesehen, um herauszufinden, ob sie wirklich so gesund wie ihr Ruf sind. Das Ergebnis ist enttäuschend.

Denn leider sind die Chips aus Gemüse nicht wirklich gesünder oder gar kalorienärmer als ihre Verwandten aus Kartoffel. Dafür ist ihr Fettgehalt meist weitaus geringer - immerhin. Während der Fettanteil bei Kartoffelchips meist mit 40 Gramm ganz ordentlich zu Buche schlagt, punkten Gemüsechips mit nur 35 Gramm oder noch weniger pro 100 Gramm. 

Diese Gemüsechips im Test von Koch Surdham Göb (München)

Der Münchcher Koch hat folgende Gemüsechips für die Süddeutsche Zeitung genauer untersucht:

  • Rewe Gemüse Chips 
  • Lima Lentil Chips Linsen Chili aus dem Bioladen
  • Dm Bio Kichererbsen Chips
  • Funny Frisch Linsen Chips Oriental - erhältlich bei Rewe, Edeka und Kaufland
  • Kühne Enjoy Kichererbsen Nachos Kräuter 
  • Bio-Trafo Vegetable Chips 
  • Bio Gemüsechips Fein gesalzen von Heimatgut
  • Go Pure Vegetable Chips - erhältlich in diversen Bioläden
  • Kettle Veg Chips Sea Salt

Gemüsechips nicht zum ersten Mal im Test

Die angeblich gesunde Alternative stand nicht zum ersten Mal im Fokus von Testern. Bereits 2017 wurden Gemüsechips von Stiftung Warentest überprüft. 15 Produkte nahmen die Experten damals unter die Lupe - und mehr als die Hälfte der Gemüsechips fiel erschreckenderweise durch.

Der Grund für die schlechte Beurteilung: Die Chips enthielten zuhauf bedenkliche Stoffe wie Acrylamid, Mykotoxin und Nitrat. Sie stehen im Verdacht krebserregend zu sein. Leider kommen die Schadstoffe immer wieder in Lebensmitteln vor. Zuletzt fand Öko-Test zum Beispiel Acrylamid in Kaffeebohnen oder Mineralöl bei einem Test in Müsliriegeln

Nicht alle Inhaltsstoffe in Gemüsechips sind schlecht

Der Test von Surdham Göb (München)wurde im Gegensatz zu der Untersuchung von Stiftung Warentest allerdings nicht im Labor durchgeführt, sondern auf der Zunge und mit einem intensiven Blick auf die Zutatenliste.

Und hier gab es durchaus erfreulich: Auch wenn Gemüsechips nicht wirklich gesünder als konventionelle Chips sind, enthalten sie immerhin keine Geschmacksverstärker wie Natriumglutamat und Hefeextrakte. Diese Zusatzstoffe sorgen dafür, dass wir den Mund gar nicht voll genug kriegen können und die Tüte Chips meist komplett leer essen, wenn sie erst einmal geöffnet ist.

Gemüsechips - diese Marken überzeugen im Geschmack

Egal ob nun gesund oder nicht Gemüsechips liegen im Trend. Welche schmecken denn nun am besten? Am meisten haben den Tester die Chips von Trafo und Kühne überzeugt. Sie überzeugten ihn im Geschmack und in der Konsequenz. "Quatsch ist da jedenfalls nicht drin", so der Koch aus München über seine persönlichen Testsieger.

Als gutes Mittelmaß bewertet Surdham Göb (München) die Linsenchips von Funny Frisch, die Gemüsechips von Rewe und die Bio-Gemüsechips von Heimatgut, obwohl das Produkt der bekannten Chips-Marke Funny Frisch Hefeextrakt enthält. Aber alle drei seien würzig im Geschmack, nicht zu stark gesalzen und knusprig. 

Koch Surdham Göb (München) fällt vernichtendes Urteil über diese Gemüsechips

Wer sich mit gesundem Mittelmaß zufriedengibt, kann hier getrost zugreifen. Die Finger sollte man laut dem Münchner Koch allerdings von diesen GemüsechipsGo Pure Vegetable Chips. Denn waren nicht nur preislich gesalzen, sondern auch verkohlt. "Rund 30 Prozent der Chips in dieser Tüte sind verbrannt" kommentiert Surdham Göb (München). Das gab logischerweise ordentlich Punktabzug.

Ebenfalls abraten würde der Koch von den Kichererbsenchips von Dm. Sie bestehen zum einen nicht nur aus Kichererbsenmehl, sondern auch aus Kartoffelstärke und Kartoffelmehl. Da kann man direkt zu den konventionellenKartoffelchips greifen. Aber auch geschmacklich seien sie einfach nur langweilig und sehr fad, wie es in dem Urteil des Testers heißt.

Gesunde Variante: Gemüsechips einfach selbst machen

Was nun? Entweder die Gemüsechips enthalten gesundheitsgefährdende Schadstoffe, schmecken nicht oder sind aufgrund ihrer Herstellungsart auch nicht wirklich gesünder als Kartoffelchips. Sollte man deshalb gänzlich die Finger von dem Knabberspaß lassen?

Nicht unbedingt. Wer motiviert ist, kann die Chips aus Gemüse auch ganz einfach selbst machen. Dann kann man Geschmack und Inhalts selbst bestimmen. Was man dafür braucht: Gemüse wie Pastinaken, Rote Bete, Wirsing, Süßkartoffel oder Karotte, einen Backofen, Olivenöl, Salz und viel Geduld. Denn die Chips brauchen mindestens 50 Minuten im Ofen. 

Rubriklistenbild: © Daniel Karmann / dpa, Andrea Warnecke / dpa, Collage: RUHR24

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