Aufgepasst im Supermarkt

Bundesamt schlägt Alarm – „mikrobielle Risiken“ bei Feldsalat und Rucola

Wenn es schnell gehen muss, greift man gerne zu abgepacktem Salat. Vor allem Feldsalat und Rucola sind häufig in Plastik eingepackt. Jetzt warnt jedoch das Bundesamt.

Dortmund – Feldsalat steht bei vielen Menschen beim Weihnachtsessen auf dem Menüplan. Ausgerechnet jetzt gibt aber das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eine Warnung für den Salat heraus. Es geht um gesundheitsgefährdende Keime. Die Behörde hat aber auch Tipps, wie man die potenzielle Gefahr vermeiden kann.

Bundesamt warnt vor Feldsalat, Rucola und Pflücksalat – erschreckende Untersuchung

Jahr für Jahr führt das Bundesamt das sogenannte Zoonosen-Monitoring durch. Bei Zoonosen handelt es sich um Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Sie können laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter anderem durch Bakterien, Parasiten oder Viren verursacht werden. Eine Übertragung erfolgt entweder über den direkten Kontakt oder über Lebensmittel.

Im Fokus der Zoonosen-Untersuchung stehen daher Produkte, von denen eine besonders hohe Gefahr für eine Keimbelastung besteht. Dazu zählen zum Beispiel Mehl, rohe Tierprodukte, aber eben auch Salat. Bereits 2021 hat das BVL 400 Proben von Feldsalat, Rucola und Pflücksalat unter die Lupe genommen – mit erschreckendem Ergebnis. So erschreckend, dass die Behörde die Ergebnisse aus aktuellem Anlass am Donnerstag (1. Dezember) noch einmal veröffentlicht hat und die Warnung aktualisiert.

Warnung vor Feldsalat wegen mikrobielle Risiken – alles andere als gesund

Im Fokus des Monitorings stand vor allem Salat in Fertigpackungen. Gerade Feldsalat und Rucola sind vorwiegend in Plastik verpackt im Supermarkt erhältlich. Nur selten bekommt man den Salat lose zu kaufen. Außerdem sparen fertig geschnittene und abgepackte Salate Zeit bei der Zubereitung, weshalb sie von vielen Verbrauchern gerne gekauft werden. Keine gute Idee.

Denn durch das Plastik herrscht ein feuchtes Milieu in der Packung – eine ideale Umgebung für Keime, um sich zu vermehren. „Anders als viele Verbraucherinnen und Verbraucher denken, ist abgepackter Salat nicht uneingeschränkt gesund. Er kann mikrobielle Risiken beherbergen“, sagt Prof. Dr. Michael Kühne für die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV).

Bundesamt schockiert mit Salat-Untersuchung: Fast 50 Prozent mit Keimen belastet

Dass das auch den Tatsachen entspricht, zeigen die Ergebnisse der Zoonosen-Untersuchung. In 200 der 428 Salatproben (46,7 %) wurde der sogenannte Bacillus cereus nachgewiesen – ein Sporen bildendes Bakterium, das vor allem durch die Verschmutzung mit Erde oder Staub auf Lebensmittel gelangen kann.

Laut dem BVL kann der Verzehr von „mit präsumtiven Bacillus cereus verunreinigten Lebensmitteln zu Erbrechen oder Durchfall führen“. Die Gesundheitsgefahr bestehe vor allem bei hohen Keimgehalten (über 105 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g)), so die Behörde. Das war bei 2,1 Prozent der untersuchten Salaten der Fall.

Feldsalat, Rucola und Pflücksalat: Bundesamt findet gesundheitsgefährdende Bakterien

Doch das Bakterium war nicht der einzige Ekel-Fund, den das Bundesamt im Salat entdeckte. Bei 10 von 433 Proben (2,3 %) wurden Listerien nachgewiesen, 8 von 423 Salatproben (1,9 %) enthielten STEC-Bakterien. Die Keime zählen zu den E.coli-Bakterien: Keime, die Giftstoffe bilden und bei Verzehr schwerwiegende Erkrankungen beim Menschen auslösen können. Aktuell gibt es deshalb auch einen Mehl-Rückruf.

Das Bundesministerium für Gesundheit nennt als mögliche Symptome einer STEC-Infektion Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen, Fieber und Erbrechen. Beim BfR ist ebenfalls die Rede von blutigen Durchfällen oder Darmentzündungen. Und auch das BVL warnt in seinem Zoonosen-Bericht vor den Folgen einer Lebensmittelinfektion durch die Kolibakterien. Genannt werden akute Darmentzündungen als Symptome.

Fertig abgepackter Feldsalat ist laut dem BVL oft mit Keimen belastet – mit gesundheitlichen Folgen.

Bundesamt rät von Fertigsalat ab – und gibt Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen

Doch was bedeuten die Ergebnisse jetzt konkret für Verbraucher? Etwa, dass man keinen Feldsalat oder Rucola mehr essen soll? Zum Glück nicht. Das BVL rät dazu, lieber unverpackten, frischen Salat zu kaufen und diesen gründlich zu waschen und selbst zuzubereiten.

Insbesondere Menschen mit geschwächten Immunsystemen, Schwangere sowie Babys und Kleinkinder sollten aber gänzlich die Finger von Salat aus Fertigpackungen lassen – vor allem da man Salat nicht erhitzen kann. Denn dabei werden die meisten Keime auf Lebensmitteln abgetötet. Das BVL gibt noch weitere Tipps zur Vermeidung von Lebensmittelinfektionen:

  • Lebensmittel schon während des Einkaufs kühlen und auf eine geschlossene Kühlkette achten.
  • Auf Hygiene in der Küche achten: Für die Verarbeitung von rohen Produkten sollten andere Bretter oder Messer als für Gemüse verwendet werden. Bei Tiefkühlkost immer das Tauwasser abwaschen. Nach jedem Arbeitsschritt sollten die Hände und gegebenenfalls auch die Arbeitsflächen gewaschen werden.
  • Lebensmittel ausreichend erhitzen und langes Warmhalten vermeiden: Salmonellen müssen zum Beispiel auf mindestens 70 Grad erhitzt werden, damit sie absterben.

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