Regelung wurden nun geändert

Bußgeldkatalog 2020: Drastische Strafen für zu schnelles Fahren und Falschparken

Ab sofort gilt in Deutschland der neue Bußgeldkatalog 2020. Autofahrer müssen bei Verstößen jetzt mit deutlich höheren Strafen rechnen.

Update, Donnerstag (16. Juli), 11 Uhr: Nach der Aussetzung der Strafen im neuen Bußgeldkatalog aufgrund eines juristischen Formfehlers (RUHR24.de berichtete), rollen Städte wie Lünen im Ruhrgebiet tausende Fälle von falschen Bußgeldbescheiden neu auf. Verkehrssünder bekommen in den kommenden Tagen einen neuen Bescheid mit der neuen, alten Strafen.

Update, Dienstag (28. April), 10.29 Uhr: Dortmund - Die Politik scheint sich uneinig über die Verhältnismäßigkeit des neuen Bußgeldkatalogs, den auch der ADAC kritisiert, zu sein. Laut dem FDP-Verkehrsexperten Oliver Luksic fehle es dem neuen Katalog "teilweise an Maß und Mitte". Ihm zufolge sei es beispielsweise unpassend, das Falschparken auf einem Parkplatz für Elektroautos ebenso zu bestrafen wie auf einem Parkplatz für Schwerbehinderte – für beide Verkehrsverstöße fallen zukünftig 55 Euro Bußgeld an.

Kritik an Bußgeldkatalog 2020: Grünen-Politiker kritisiert ihn als "schlampig"

Der Grünen-Verkehrsexperte Stefan Gelbhaar begrüßt dagegen die Aufstockung des Bußgeldkataloges zwar grundsätzlich, findet sie laut Heise aber auch "an vielen Stellen schlampig und unvollständig". Wie die dpa berichtet, fehlen seiner Meinung nach die Erleichterungen bei der Einführung von Tempo 30 in Innenstädten sowie Zonen, in die nur LKW mit Abbiegeassistent einfahren dürfte. 

Update, Samstag (25. April), 9.30 Uhr: Anfang des Jahres 2020 wurde bekannt, dass es für A utofahrer einen neuen Bußgeldkatalog geben wird. Die veränderten Bußgelder standen zu dem Zeitpunkt bereits fest, jedoch musste die Novellierung noch mal überarbeitet werden. Bis dahin galt der alte Bußgeldkatalog.

Doch damit ist es jetzt vorbei. Ab Dienstag (28. April) gilt in Deutschland der neue Bußgeldkatalog 2020. Und der hat es in sich: Autofahrer verlieren ihren Führerschein nun deutlich schneller als zuvor. 

Unabhängig von dem Bußgeldkatalog erwarten Verbraucher zum 1. Mai 2020 noch viele weitere Änderungen. Doch keine Sorge - dabei handelt es sich eher um Gründe zur Freude.

Bußgeldkatalog 2020: Änderungen für Autofahrer ab dem 28. April 2020

Erstmeldung: Wer im Straßenverkehr zu schnell unterwegs ist und sich selbst oder andere gefährdet, hat eine Strafe verdient. Bisher sind die Bußgelder jedoch ziemlich moderat ausgefallen. Das soll sich nun ändern - die Sanktionen für Geschwindigkeitsüberschreitungen sowie andere Vergehen wurden nun angepasst. Wir sagen euch, worauf ihr achten müsst. 

Hintergrund der Änderungen ist die sogenannte Straßenverkehrsordnungs-Novelle, auf die sich der Bundesrat am 14. Februar geeinigt hat. An dem Tag stand auch das Tempolimit auf deutschen Autobahnen zur Debatte, für die es vom Bundesrat aber keine Mehrheit gab.

Stattdessen einigten sich die Mitglieder auf umfangreiche Änderungen der StVO. Allerdings mussten bis zum Inkrafttreten der Neuerungen noch einige Stellen überarbeitet werden, heißt es. Jetzt ist der Bußgeldkatalog 2020 jedoch fertig. Ab Dienstag (28. April tritt er in Kraft.

Bußgeldkatalog 2020: Geblitzt worden? Zu schnelles Fahren wird deutlich teurer

Besonderer Bestandteil der Novelle sind die angepassten Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen innerorts und außerorts. Sie wurden im Februar dieses Jahres deutlich erhöht, sodass Autofahrer nun mit härteren Strafen rechnen müssen, die in Köln neuerdings an der Supermarktkasse bezahlt werden können. Hier die Übersicht aller Anpassungen für zu schnelles Fahren außerhalb geschlossener Ortschaften:

Wie der Tabelle deutlich zu entnehmen ist, sind vor allem die Bußgelder im Bereich geringer Geschwindigkeitsüberschreitungen angepasst worden. Doch auch im höheren Bereich gibt es Änderungen - Autofahrern droht nun ein schnelleres Fahrverbot.

Bußgeldkatalog 2020: Fahrverbot für Autofahrer ab 26 km/h außerorts

Während Autofahrern mit Bleifuß nach dem alten Bußgeldkatalog ab einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 bis 40 km/h außerorts nur dann ein Fahrverbot drohte, wenn es zweimal innerhalb eines Jahres zu einer Geschwindigkeitsüberschreitung von 26 km/h oder mehr kam, müssen sie den Führerschein nun bei jeder Geschwindigkeitsüberschreitung ab 26 km/h den Führerschein abgeben. Egal ob Ersttäter oder nicht.

Für alle anderen Geschwindigkeitsüberschreitungen gelten noch dieselben Regeln und Bußgelder wie vorher. So drohen ab einem zu schnellen Fahren zwischen 61 und 70 km/ nach wie vor zwei Monate Fahrverbot und ab über 70 km/ zu schnell, muss der Führerschein für drei Monate weg. 

Wie die Straftäter müssen auch Fahrschüler auf ihre Führerscheine warten. Denn wegen des Coronavirus in NRW gibt es für Fahrschulen strenge Regeln. In anderen Bundesländern bleiben die Betriebe geschlossen.

Bußgeldkatalog 2020: Bußgelder für zu schnelles Fahren innerorts

Noch strenger sieht es bei den Bußgeldern für Geschwindigkeitsüberschreitungen innerhalb geschlossener Ortschaften aus. Zum einen wurden die Bußgelder deutlich angehoben und zum anderen droht Autofahrern nun ein schnelleres Fahrverbot. Hier zunächst die Übersicht mit den neuen Bußgeldern:

  • ... bis 10 km/: 30 Euro (bislang 15 Euro)
  • ... 11 bis 15 km/h: 50 Euro (bislang 25 Euro)
  • ... 16 bis 20 km/h: 70 Euro (bislang 35 Euro)
  • ... 21 bis 25 km/h: 80 Euro plus Punkt
  • ... 26 bis 30 km/h: 100 Euro plus Punkt
  • ... 31 bis 40 km/h: 160 Euro plus zwei Punkt
  • ... 41 bis 50 km/h: 200 Euro plus zwei Punkte
  • ... 51 bis 60 km/h: 280 Euro plus zwei Punkte
  • ... 61 bis 70 km/h: 480 Euro plus zwei Punkte
  • ... über 70 km/h: 680 Euro plus zwei Punkte
  • Wie bei den Neuerungen der Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen außerorts wurden auch die Strafen für zu schnelles Fahren innerorts deutlich angehoben. Sie sind nun doppelt so teuer.

    Bußgeldkatalog 2020: Fahrverbot für Autofahrer ab 21 km/h zu schnell

    Besonders hervorzuheben ist bei den Neuerungen der Bußgelder für zu schnelles Fahren innerhalb geschlossener Ortschaften, dass auch hier durch die Novellierung die Wiederholungstäterregel bei Tempoverstößen entfällt. Bisher galt, dass ein Fahrverbot droht, wenn der Temposünder zweimal innerhalb von zwölf Monaten 26 km/h oder mehr zu schnell gefahren ist.

    Das entfällt mit der Novellierung. Autofahrern, die über 21 km/h innerorts zu schnell waren und geblitzt wurden, droht durch die Neuerungen nun immer mindestens ein einmonatiges Fahrverbot. Egal wie der Autofahrer davor gefahren ist - auch Ersttäter müssen den Lappen abgeben. 

    Bußgeldkatalog 2020: Bundesrat erklärt Novellierung

    Klingt auf den ersten Blick ganz schön hart, doch der Bundesrat weiß seine Neuerungen gut zu begründen: "Die derzeitigen Bußgeldsätze für Geschwindigkeitsüberschreitungen sind nicht in ausreichendem Maße geeignet, verkehrsadäquates Verhalten zur Vermeidung von Gefährdungen zu regulieren und Verletzungen der StVO sinnvoll zu ahnden."

    […] Zudem ist die Anordnung von Fahrverboten innerhalb geschlossener Ortschaften einheitlich bei Geschwindigkeitsüberschreitungen ab 21 km/h geboten, um die notwendige Lenkungswirkung entfalten zu können.“

    Bußgeldkatalog 2020: Falsches Parken und Lärmbelästigung werden deutlich teurer

    Neben den drastischen Anpassungen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen drohen Autofahrern künftig auch saftigere Strafen beim Falschparken und unnötiger Lärmbelästigung. Hier kommt der Überblick:

    Bußgeldkatalog 2020: Noch gelten die alten Bußgelder

    Bis die Novellierung vom Bußgeldkatalog 2020 so weit ist, gilt der alte Bußgeldkatalog für Geschwindigkeitsüberschreitungen und andere Vergehen wie Falschparken.

    Das soll aber selbstverständlich kein Freifahrtschein sein. Wer im Straßenverkehr zu schnell unterwegs ist, gefährdet stets sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer. Außerdem entstehen durch falsches Parken oder dem Nichtbeachten der StVO unnötige Gefahren für Fußgänger und Radfahrer.

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