Vorläufiges Endergebnis steht fest

Bundestagswahl 2021: Die Gewinner und Verlierer – wer wird jetzt Kanzler?

Alle Wahlkreise sind ausgezählt – am Montag (27. September) um 06:00 Uhr hat der Bundeswahlleiter das vorläufige Ergebnis der Wahl zum 20. Deutschen Bundestag bekannt gegeben.

Deutschland – Armin Laschet (CDU) erleidet mit seiner Union eine historische Schlappe. Dennoch hat der NRW-Ministerpräsident Chancen auf das Kanzleramt – dass Wahlsieger Olaf Scholz (SPD) auch der neue Bundeskanzler wird, ist noch nicht sicher.

Bundestagswahl 2021Wahl zum 20. Deutschen Bundestag
Datum26. September 2021
stärkste Partei SPD (25,7 Prozent)

Trotz historischer Wahlschlappe – Armin Laschet (CDU) möchte Kanzler werden

Sah es nach den ersten Hochrechnungen am Sonntag (26. Dezember) noch nach einem sehr engen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Union und SPD aus, steht nun fest: Die Sozialdemokraten konnten ihren Vorsprung weiter ausbauen. Mit 25,7 Prozent sind sie stärkste Kraft im neuen Bundestag. Armin Laschet erreicht mit seiner Union hingegen nur 24,1 Prozent – das schlechteste jemals erzielte Ergebnis.

Dementsprechend enttäuscht zeigte sich Laschet am Sonntagabend (26. September). Man könne mit dem Ergebnis „nicht zufrieden“ sein, erklärt der Kanzlerkandidat der Union. Dennoch möchte er regieren – die Wähler hätten Rot-Rot-Grün mit ihren Stimmen eine klare Absage erteilt, erklärt er.

Denn die von Union und FDP zuvor gefürchtete rot-rot-grüne Regierung (SPD, Linke, Grüne) ist nach dem vorläufigen Wahlergebnis nicht mehr möglich. Die Linken sind mit 4,9 Prozent großer Verlierer des Abends. Das ist für Laschet Grund genug, um Anspruch auf das Kanzleramt zu erheben: „Wir wollen die nächste Bundesregierung führen“, so der NRW-Ministerpräsident.

Die SPD feiert – Olaf Scholz sieht Wählerstimmen als „Botschaft“ gegen die Union

Der als Wahl-Gewinner gefeierte SPD-Spitzenkandidat erhebt zugleich ebenso Anspruch auf das Kanzleramt. Die Bürger hätten mit ihren Stimmen deutlich gezeigt, dass sie einen „Wechsel in der Regierung“ wünschten, so Olaf Scholz (SPD).

In der sogenannten Berliner „Elefantenrunde“ der Spitzenkandidaten am Wahlabend bemerkt er zudem mit Anspielung auf die Union, einige Parteien hätten Zuwächse erzielt, andere nicht – auch das sei „eine Botschaft“. Fakt ist: Auch aus den TV-Triellen ging Scholz stets als Sieger hervor.

Laschet (CDU) und Scholz (SPD) streiten ums Kanzleramt – FDP und Grüne sind lachende Dritte

Wenn zwei sich (ums Kanzleramt) streiten, freut sich bekanntlich der Dritte – oder wie in diesem Falle zwei Dritte: Denn die Grünen und die FDP sind nach der Wahl in der vorteilhaften Lage, dass die großen Parteien bei einer Koalition (fast) nicht um ein Dreierbündnis mit ihnen herumkommen.

Einziges Zweierbündnis, das aktuell möglich wäre, ist eine erneute Große Koalition – und die gilt derzeit als unwahrscheinlich. Die SPD lehnt ein Bündnis der beiden großen Parteien schon länger ab, da sie zu lange im Schatten der Union stand. Und auch Armin Laschet (CDU) sprach sich am Wahlabend gegen eine erneute Koalition mit der SPD aus (weitere Infos zur Bundestagswahl auf RUHR24).

Sieht das Wahlergebnis als Bestätigung: Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD.

FDP und Grüne werden die „Kanzlermacher“ – selbstbewusster Vorstoß in der Berliner Runde

FDP-Chef Christian Lindner machte in der Berliner Runde daher auch einen gewagten Vorstoß, indem er betonte, es sei mit Blick auf die Ergebnisse angemessen, dass sich zunächst die Grünen mit der FDP absprächen, um wichtige Punkte vorab zu klären. Auch die Spitzenkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, zeigte sich davon angetan. Das sei „mehr als sinnvoll“, so Baerbock.

Die Grünen blieben mit den erreichten 14,8 Prozent zwar deutlich hinter ihren eigentlichen Erwartungen zurück, konnten gegenüber der letzten Bundestagswahl 2017 aber immerhin ein Plus von +5,9 Prozent verzeichnen. Die FDP konnte mit ihren 11,5 Prozent gegenüber 2017 nur 0,8 Prozent zulegen – da Rot-Rot-Grün nicht mehr möglich ist, hätte für sie die Wahl aber dennoch fast nicht besser laufen können. Die AfD zeigt sich zufrieden über ihre erreichten 10,3 Prozent – kommt aber für die Parteien als Koalitionspartner nicht infrage.

Lachender Dritter: FDP-Chef Christian Lindner

Kein klarer Sieger – Ampel oder Jamaika sind mögliche Koalitionen

Denn als wahrscheinlich gelten aktuell die folgenden Konstellationen:

  • Jamaika-Bündnis – Koalition aus CDU, FDP und Grünen (hätte nach dem vorläufigen Endergebnis 406 von insgesamt 735 Sitzen im neuen Bundestag)
  • oder Ampel-Koalition – Bündnis aus SPD, FDP und Grünen (hätte nach dem vorläufigen Endergebnis 416 von insgesamt 735 Sitzen im neuen Bundestag)

Die große Schwierigkeit in möglichen Gesprächen zwischen den Grünen und der FDP wird dabei: Während die Grünen der SPD inhaltlich näher stehen, macht die FDP aus ihrer Nähe zur CDU kein Geheimnis. Bei den anstehenden Gesprächen wird es nun darum gehen, ob und wie sich Grüne und FDP sich inhaltlich einigen werden. Konkrete Zugeständnisse wurden dabei noch nicht genannt, aber beide Seiten zeigten sich offen für Gespräche.

So erklärte Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock: „Es geht nicht um den kleinsten gemeinsamen Nenner.“ Es gehe vielmehr darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Bundestagswahl 2021: Armin Laschet (CDU) und Olaf Scholz (SPD) können beide noch Kanzler werden

Je nachdem, ob sich Grüne und FDP die CDU oder die SPD als Partner aussuchen, könnte also Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) beide noch ins Kanzleramt einziehen. Fakt ist aber auch: Beide haben keinen eindeutigen Regierungsauftrag von den Wählern erhalten.

Oder wie FDP-Chef Christian Lindner es in der Berliner Runde ausdrückte: 75 Prozent der Wahlberechtigten haben die Partei des künftigen Kanzlers nicht gewählt.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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