Am 26. September wird gewählt

Bundestagswahl 2021: Erst- und Zweitstimme - das ist der Unterschied

Am Sonntag (26. September) ist es so weit: Der 20. Deutsche Bundestag wird gewählt. Auf dem Wahlzettel kann jeder zwei Stimmen abgeben. Aber was bedeuten sie eigentlich?

Deutschland – Die Bundestagswahl ist eine sogenannte personalisierte Verhältniswahl: Mit der Erststimme wählen Wahlberechtigte einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihrem Wahlkreis. Die Zweitstimme entscheidet hingegen über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Mit dem Prinzip der Erst- und Zweitstimme soll sichergestellt werden, dass nicht nur die stärksten Parteien im Bundestag vertreten sind, sondern auch die regionalen Interessen berücksichtigt werden.

Bundestagswahl 2021Wahl zum 20. Bundestag
DatumSonntag, 26. September 2021
Uhrzeit8.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Erststimme bei der Bundestagswahl 2021: Damit wird der Wahlkreiskandidat gewählt

Mit dem ersten Kreuzchen auf dem Stimmzettel entscheiden die Wähler eines Wahlkreises darüber, welcher der Kandidaten aus ihrem Kreis in den Bundestag einzieht. Insgesamt gibt es in Deutschland 299 Wahlkreise – diese Zahl entspricht der Hälfte der (eigentlichen) Sitze im Deutschen Bundestag. In jedem Wahlkreis leben durchschnittlich 250.000 Menschen.

Die Kandidaten buhlen im Wahlkampf in den Wahlkreisen um Wählerstimmen. Dabei darf nicht nur jede Partei einen Kandidaten aufstellen – auch unabhängige Kandidaturen sind möglich. Wer die meisten Stimmen aus seinem Wahlkreis für sich gewinnt, erhält ein Direktmandat – und kommt als Abgeordneter in den Bundestag. Die Hälfte der Abgeordneten zieht also über die Erststimme in den neuen Bundestag (weitere Infos zur Bundestagswahl 2021 auf RUHR24).

Die Zweitstimme entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag

Die Zweitstimme ist allerdings die wichtigere, denn sie entscheidet über die Mehrheitsverhältnisse im Bundestag. Mit dieser Stimme wählen die Wahlberechtigten eine der Parteien. Dabei wichtig: Mit dieser Stimme werden die Kanzlerkandidaten wie Annalena Baerbock (Grüne), Olaf Scholz (SPD) oder Armin Laschet (CDU) nicht direkt gewählt. Vielmehr gibt man seine Stimme für die Landesliste der Partei ab.

Auf dieser Landesliste stehen die Kandidaten, die eine Partei für das jeweilige Bundesland in den Bundestag schicken möchte. Im Verhältnis zu ihren gewonnenen Zweitstimmen entsenden die Parteien nach der Wahl die Kandidaten der Landeslisten nach Berlin. Dabei gilt: Wer vorne steht, kommt zuerst – daher ist die Reihenfolge der Kandidaten auf den Landeslisten besonders wichtig.

Um überhaupt Kandidaten nach Berlin schicken zu können, muss eine Partei allerdings die Fünf-Prozent-Hürde erreichen oder drei Wahlkreise gewinnen: Hat eine Partei nicht mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen erhalten (oder aber mindestens drei Wahlkreise gewonnen), verfallen ihre Zweitstimmen.

Bundestagswahl in Deutschland: Die Mandatsvergabe ist kniffelig

Die Mandatsvergabe funktioniert dann wie folgt: Für jedes Bundesland wird für jede Partei ermittelt, wie viele Sitze ihr gemäß ihrem Anteil an Zweitstimmen zustehen. Von den Gesamtmandaten der Partei werden dann zunächst die Direktmandate abgezogen, die ihre Kandidaten in den Wahlkreisen gewonnen haben. Die übrigen Mandate werden an die Kandidaten auf den Landeslisten vergeben.

Kurz gesagt zieht also die Hälfte der Abgeordneten über die Erststimme in den Bundestag. Und die Zweitstimmen bestimmen die Gesamtzahl der Sitze, die eine Partei erhält.

Für Wähler gilt: Selbstverständlich kann man bei der Bundestagswahl auch mit der Erststimme eine andere Partei wählen als mit der Zweitstimme. Es müssen auch nicht beide Kreuzchen gesetzt werden – ebenso ist es zulässig, nur ein Kreuzchen bei der Erststimme oder der Zweitstimme zu setzen. Die Stimmabgabe ist allerdings ungültig, wenn der Stimmzettel mehr als ein Kreuzchen je Spalte hat. 

Personalisierte Verhältniswahl: das Problem der Überhangmandate

Das personalisierte Verhältniswahlrecht hat aber einige Tücken. So kann es vorkommen, dass eine Partei bei der Wahl mehr Direktmandate über die Erststimmen erhält, als ihr Sitze im Bundestag gemäß der Anzahl der Zweitstimmen zustehen. In diesem Falle kommt es zu sogenannten Überhangmandaten – der Bundestag erweitert sich über die eigentlichen 598 Mandate hinaus.

Grundsätzlich kann es so auch passieren, dass die Verhältnisse im Parlament nicht mehr dem eigentlichen Zweitstimmenergebnis entsprechen. Bei der Bundestagswahl 2021 können solche Überhangmandate daher kompensiert werden – und zwar durch eine parteiinterne Verrechnung der Überhangmandate mit Listenmandaten anderer Landeslisten derselben Partei, wie die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt.

Dpa-Infografik: So entstehen Überhang- und Ausgleichsmandate

Auch nach dieser Verrechnung kann es aber sein, dass nicht kompensierte Überhangmandate bei einer Partei übrigbleiben. Hier kommen die sogenannten Ausgleichsmandate ins Spiel: Im Jahr 2013 hat der Bundestag ein Wahlgesetz verabschiedet, das entstehende Überhangmandate mit Ausgleichsmandaten neutralisieren soll. So soll gewährleistet bleiben, dass die Parteien entsprechend ihrem Zweitstimmenanteil im Parlament vertreten sind.

Bundestagswahl 2021: Es könnte ein XXL-Bundestag werden

Mit anderen Worten: Der Bundestag wird so lange vergrößert, bis das Kräfteverhältnis der Sitze wieder dem Verhältnis der Zweitstimmen zwischen den Parteien entspricht. Allerdings: Bei der Bundestagswahl 2021 wird die Zahl der Sitze im Bundestag dabei erstmals nur noch so lange weiter erhöht, bis maximal drei Überhangmandate unausgeglichen bleiben.

Ziel dieser Neuregelung ist es eigentlich, den Bundestag zu verkleinern. Denn bei der Wahl zum 19. Bundestag am 24. September 2017 wurden 111 Mandate mehr vergeben als vorgesehen – 709 Abgeordnete hatte der Bundestag. Wie viele der 20. Bundestag haben wird, ist noch vollkommen offen. Allerdings werden es trotz Wahlrechtsreform sehr wahrscheinlich wieder mehr sein als die vorhergesehenen 598: Das Portal Mandatsrechner.de geht auf Basis aktueller Umfragen von mehr als 800 Mandaten aus.

Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer

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