Regelungen durcheinandergewirbelt

Nach Brexit-Deal: Roaming-Kosten für deutsche Touristen – Anbieter geben Versprechen ab

Die EU und Großbritannien haben bei den Brexit-Verhandlungen einen Durchbruch erzielt. Reisende aus Deutschland können mit Blick auf die Roaming-Gebühren ihres Handyvertrags aufatmen.

Brüssel – Nach monatelangem zähen Ringen und in nahezu letzter Minute haben sich die EU und Großbritannien auf ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit geeinigt. Die Übergangsphase, in der bislang noch weitgehend die gleichen Regeln galten wie zuvor, läuft zum Jahresende aus.

BegriffRoaming
Übersetzung„herumwandern“, „streunen“ oder „herumstreifen“
Fähigkeitin einem anderen Netzwerk als dem Heimnetzwerk Anrufe empfangen und tätigen
Synonyme BezeichnungHandynutzung im Ausland

Nach Brexit-Deal: Was wird aus Roaming-Gebühren für Reisende aus Deutschland in Großbritannien?

Ein harter Brexit zum Jahreswechsel, der einen harten wirtschaftlichen Bruch mit Großbritannien bedeutet hätte, kann somit wohl verhindert werden. Allerdings stehen noch die Zustimmungen aller 27 EU-Regierungen und des britischen Parlaments aus. Die EU-Mitgliedstaaten haben mit der Prüfung des Brexit-Deals bereits begonnen.

Unklar war bislang, wie sich der Deal auf die Roaming-Gebühren für Reisende aus Deutschland auswirken würde. Die EU hatte Kosten für das mobile Surfen mit ihren „Roam Like Home“-Regeln innerhalb der EU-Länder abgeschafft. Mit dem Austritt aus der EU fällt Großbritannien aber nicht mehr unter diese Regelung.

Roaming-Gebühren nach Brexit-Deal: Wohl keine zusätzlichen Kosten für Reisende aus Deutschland

Wie die Mobilfunkanbieter auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigten, müssen sich Reisende aus Deutschland auch nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase in Großbritannien wohl nicht auf zusätzliche Roaming-Gebühren einstellen.

„Bei uns bleibt Großbritannien in den EU-Tarifen, so wie jetzt etwa schon die Schweiz inkludiert ist“, sagte ein Sprecher der Deutschen Telekom. Auch Vodafone betonte, dass sich an den Tarifen zunächst nichts ändere. Gleiches gilt für Telefónica, den dritten großen Mobilfunkanbieter. „Für O2-Kunden mit dem Reiseziel Großbritannien sind bis auf Weiteres die aktuellen Konditionen ihres jeweiligen Tarifs gültig.“

Brexit: Mobilfunkanbieter sehen „keine Anzeichen“ für Veränderungen bei den Roaming-Kosten

Ob ein Anbieter für das mobile Surfen mit dem Smartphone im Ausland zusätzliche Gebühren berechnet, hängt von den Regelungen der Mobilfunkanbieter mit den Staaten ab. Für kostenloses Roaming muss ein Land also nicht zwingend zur EU gehören. Ähnliche Regeln für EU-Reisende gelten etwa in Island und Norwegen.

Wie die dpa berichtet, wollen sich britische und deutsche Mobilfunkunternehmen zunächst gegenseitig keine Roaming-Kosten in Rechnung stellen. „Derzeit gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich das ändern wird“, wird ein Vodafone-Sprecher zitiert.

Brexit: Zähe Verhandlungen über Handelsabkommen dauerten zehn Monate

Am 23. Juni 2016 hatten sich bei einem Referendum 52 Prozent der Teilnehmer für einen EU-Austritt Großbritanniens ausgesprochen. Premierminister David Cameron (54) trat daraufhin zurück. Ihm folgte im Juli desselben Jahres Theresa May (64) nach.

Wollte Großbritannien eigentlich schon am 31. Oktober 2019 aus der EU führen: Premierminister Boris Johnson.

Ursprünglich wollten London und Brüssel bis Ende März 2019 die Brexit-Bedingungen aushandeln. Zweimal stimmten die Londoner Abgeordneten für eine Verschiebung der Frist – zunächst bis zum 12. April, später einigten sich EU und Großbritannien auf einen weiteren Aufschub bis zum 31. Oktober 2019.

In der Zwischenzeit ist Theresa May nach der Niederlage ihrer Partei bei der Europawahl zurückgetreten. Boris Johnson (56) folgte auf die 64-Jährige und kündigte an, Großbritannien am 31. Oktober 2019 aus der EU zu führen – mit oder ohne Deal. Einige Schlammschlachten und Zwangspausen später schlossen die EU-Kommission und die britische Regierung eine neue Brexit-Vereinbarung ab.

Brexit-Deal: Ursula von der Leyen und Boris Johnson sind mit Vereinbarung zufrieden

Der Brexit wurde daraufhin bis Ende Januar 2020 verschoben. Am 31. Januar 2020 trat Großbritannien aus der EU aus, verbleibt aber bis Ende des Jahres in einer Übergangsphase im Binnenmarkt. Im März begannen die Verhandlungen über ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit. Nicht nur wegen der Corona-Pandemie verliefen diese zäh. Erst am 24. Dezember konnten beide Parteien einen Durchbruch erzielen.

Die Vereinbarung sieht nach dem Austritt Großbritanniens aus dem EU-Binnenmarkt zum Jahresende weiterhin einen Handel ohne Zölle und ohne mengenmäßige Beschränkungen vor. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62) lobte die Vereinbarung als „fair“ und „ausgewogen“. Der britische Premierminister Boris Johnson sprach von einem „guten Abkommen“. Mit Material von AFP und dpa

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