Was im Notfall zu tun ist

Blackout in Deutschland: Notrufe beim Stromausfall nicht möglich

Fällt in Deutschland der Strom aus, können die Bürger keinen Notfall mehr melden. Daher ist es wichtig, sich auf den Ernstfall vorzubereiten.

Dortmund – Die Krisenmeldungen überschlagen sich aktuell. Nach Corona, diversen Lieferengpässen, Angriffskrieg in der Ukraine, Inflation und Gas-Krise würde ein flächendeckender Blackout in Deutschland zumindest ins Bild passen. Einige Menschen bereiten sich bereits auf den Ernstfall vor. Doch was ist eigentlich zu tun, wenn ein Notruf abgesetzt werden muss?

Blackout-Angst in Deutschland: Folgt auf die Gas-Krise das Strom-Drama?

Zunächst: Dass es in Deutschland zu einem Blackout kommt, einem flächendeckenden und langanhaltenden Stromausfall, ist eher unwahrscheinlich. Das Stromnetz in Deutschland ist stabil.

Doch im Zuge der Gas-Krise und den steigenden Preisen für eben dieses, steigen Bürgerinnen und Bürger vermehrt auf Heizlüfter um, die eben über Strom laufen. Die Befürchtung: Wenn viele Menschen ihre Heizlüfter anschmeißen, kommt es zur Überlastung des Stromnetzes und zum Blackout.

Regierung ist auf Stromüberlastung vorbereitet – auch Haushalte können vorsorgen

Der Umstieg auf strombetriebene Heizgeräte und die parallel steigende Angst vor Stromausfällen in der Bevölkerung hat auch die Bundesregierung bereits registriert. Die Regierung stellt klar: „Deutschlands Stromversorgung gehört zu den sichersten in Europa.“

Im Jahr 2020 mussten deutsche Haushalte demnach nur rund 11 Minuten ohne Strom auskommen. Eine „krisenhafte Situation“ im Stromnetz diesen Winter sei sehr unwahrscheinlich – aber aktuell „nicht vollständig ausgeschlossen“.

Vorsicht ist besser als Nachsicht: Die Regierung sorgt trotz unwahrscheinlichem Blackout-Szenario vor. Kohlekraftwerke werden zur Stromerzeugung eingesetzt und drei Kernkraftwerke bleiben bis längstens Mitte April am Netz. Und wenn das nicht reicht? Für einen Blackout sollte jeder Haushalt vorbereitet sein und entsprechende Vorkehrungen treffen.

Blackout in Deutschland würde Telekommunikation komplett lahmlegen

Ein Problem, welches sich auch nicht mit einem Notvorrat lösen lässt: Wenn der Strom ausfällt, ist auch die Telekommunikation in Deutschland lahmgelegt. Telefonieren übers Festnetz ist nach dem Stromausfall unmöglich. Und auch die Mobilfunkversorgung ist keine Rettung, auch sie fällt nach und nach aus (mehr digitale News bei RUHR24).

Die Netzbetreiber geben gegenüber dem Vergleichsportal Verivox an, dass Mobilfunkstandorte in der Regel mit Batteriepuffern ausgerüstet seien. Sie könnten einige Stunden Stromausfall kompensieren. Allerdings könne nicht jeder Standort notstromversorgt werden. Auf dieses Problem ist auch die Bundesnetzagentur gestoßen und hat ein Strategiepapier entworfen.

Fällt der Strom aus, ist es Bürgern auch nicht mehr möglich, einen Notfall zu melden.

Stromausfall in Deutschland bedeutet Funkstille bei Notrufen – Plan soll das ändern

Demnach sollen bundesweit einheitliche Regelungen zur Notstromversorgung von Telekommunikationsnetzen eingeführt werden. „Im Krisenfall muss die Stromversorgung sowohl für Mobilfunknetze als auch für Festnetze gewährleistet sein, um Kommunikationsdienste zu ermöglichen“, heißt es in dem Papier.

Die Netze aufrechtzuerhalten ist zum einen wichtig, um das relativ neue Cell-Broadcast-System, über das Warnungen an Endgeräte gesendet werden können, am Laufen zu halten. Zum anderen kann das Telekommunikationsnetz über Leben und Tod entscheiden. Denn auch Notrufe können dann nicht mehr abgesetzte werden.

Der Plan der Bundesnetzagentur: Basisstationen, an denen es technisch möglich ist, sollen über festinstallierte Notstromtechnik verfügen. Dabei müssen nicht alle Stationen mit der Technik ausgestattet werden. Ein Teil reicht aus, um die Bevölkerung mit einem Basisnetz zu versorgen.

Notruf nicht zu erreichen: Polizei und Feuerwehr haben bereits einen Vorgeschmack bekommen

Auch der Einsatz von regenerativen Energien und weitere Maßnahmen sollen in Zukunft das Telefonieren während eines Blackouts möglich machen. Diese Pläne hat die Bundesnetzagentur im August vorgelegt. Doch noch sind die Telekommunikationswege in einem Blackout nicht sichergestellt.

Was passiert also, wenn der Strom für eine längere Zeit ausfällt und der Notruf nicht zu erreichen ist? Für diesen Fall haben Polizei und Feuerwehr entsprechende Pläne. Einen unfreiwilligen Probelauf gab es bereits im November als der Netzbetreiber Telefónica eine deutschlandweite Störung meldete.

Kommt es zum Blackout, ist Telefonieren nicht mehr möglich.

110 und 112 nicht erreichbar: So werden Polizei und Feuerwehr reagieren

Dabei waren zwar die 110 und 112 prinzipiell erreichbar, doch Kundinnen und Kunden von Telefónica kamen nirgends durch. Die Maßnahmen, die in diesem Fall zum Tragen kamen, würden auch im Falle eines Blackouts aktiviert werden:

  • Die Öffentlichkeit wird über die Störung informiert. Das geschieht über die Social-Media-Kanäle von Polizei und Feuerwehr, über Warn-Apps und über die Medien. So werden auch Durchsagen im Radio gemacht – daher ist es ratsam, für den Ernstfall ein Kurbelradio oder ein batteriebetriebenes Gerät zu Hause zu haben.
  • Zusätzlich erhöht die Polizei ihre Präsenz auf den Straßen. So haben Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, im Notfall schnell einen Ansprechpartner zu finden. Auch medizinische Notfälle oder Brände können so gemeldet werden.
  • Rettungswachen und Notaufnahmen nehmen ebenfalls Meldungen persönlich entgegen.
  • Dauert der Stromausfall länger, werden die einzelnen Behörden der Städte Meldepunkte für Notfälle einrichten, an die man sich wenden kann. Die Standorte werden über die oben genannten Wege verkündet.
  • Die Notfallpläne sehen je nach Kommune unterschiedlich aus. Teilweise werden auch Rettungskräfte auf die Straße geschickt, um Patrouille zu laufen.

Wichtig ist: Wenn Strom und die Mobilfunknetze ausfallen, können Bürgerinnen und Bürger nicht mehr auf Informationen aus dem Internet zugreifen. Daher sollte ein Radio, welches batteriebetrieben ist oder mit einer Kurbel funktioniert, zur Standardausrüstung in jedem Haushalt gehören.

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