Wegen der Energiekrise

Brauerei-Aus nach 150 Jahren: Bier-Gigant schließt Produktionsbetrieb

Die Radeberger-Gruppe muss einen Produktionsstandort schließen. Dort wird unter anderem Schöfferhofer gebraut. Müssen Bierfans jetzt auf das Getränk verzichten?

Dortmund – Erst im Juli musste die Bier-Branche die Hiobsbotschaft verkünden, dass Bier eine Preissteigerung von ungeahnter Dimension erleben wird und nun das nächste Beben: Der Marktführer Radeberger reagiert auf die Energiekrise und schließt den Produktionsbetrieb am Stammsitz in Frankfurt am Main.

Größte Brauereigruppe in DeutschlandRadeberger Gruppe KG
MarkenU.a. Schöfferhofer, Jever, Clausthaler, Allgäuer Büble Bier, Guiness, Sion Kölsch, Binding, Dortmunder Kronen, Hövels etc.
DachorganisationDr. August Oetker

Bier-Marktführer schließt Standort – Energiekrise trifft Radeberger

Die Energiekrise macht vor keiner Branche halt. Insbesondere die Gasknappheit und die daraus resultierenden hohen Kosten für Energie und Produktion machen der Getränkebranche zu schaffen. Zunächst versuchte man mit einer zweiten Preiserhöhung beim Bier die Folgen der Krise abzufedern, doch dann kam noch die dazu, dass derzeit die Kohlensäure knapp wird.

Anfang September hatten bereits erste Brauereien verkündet, dass sie die Produktion aufgrund des CO2 herunterfahren müssen. Zu Beginn der Kohlesäure-Knappheit hatten das vor allem kleinere Betriebe im Süden von Deutschland zu spüren bekommen. Mit der Verkündung der Radeberger Brauerei trifft es nun aber einen Konzern, der seine Biermarken in nahezu jeder Region anbietet.

Ob Dortmunder Kronen, Allgäuer Büble Bier, diverse Kölsch-Marken, Binding oder Schöffehofer – all diese Marken gehören zu dem Bier-Marktführer und sie ziehen sich regelrecht wie eine Schneise durch Deutschland. Welche Folgen hat es nun, dass die Tochter des Oetker-Konzerns die drastische Maßnahme ergreift?

Radeberger schließt Produktions-Standort – „wirtschaftliche Nachteile“ nicht mehr tragbar

Spätestens im Oktober 2023 soll das letzte Bier am Standort in Frankfurt am Main gebraut und abgefüllt werden – dann wird die Produktion dort endgültig eingestellt. Damit reagiert der Konzern eigenen Angaben zufolge auf Überkapazitäten im Biermarkt, starke Kostenbelastungen als Folge des Ukraine-Kriegs und „wirtschaftliche Nachteile“, die die Binding-Brauerei in Frankfurt am Main betreffen.

Laut Lebensmittel Zeitung (LZ) haben man diese bislang in Kauf genommen, um den Standort zu halten. In der aktuellen Situation sei das nun nicht länger möglich. Auch die Preiserhöhung beim Bier, die 2022 bereits zweimal an die Verbraucher weitergegeben wurden, reichen nicht mehr aus, so Radeberger-Chef Guido Mockel gegenüber der LZ.

Um die steigenden Kosten und den Kohlesäuremangel dennoch zu kompensieren, müsse man daher noch nach weiteren alternativen Ansätzen suchen. Einer davon ist eben der Produktionsstopp in der Binding-Brauerei in Frankfurt am Main.

Binding – eine Biermarke der Radeberger Gruppe

Die Bierbrauerei Binding wurde 1870 in Frankfurt am Maim von Conrad Binding gegründet und produziert seit nun rund 150 Jahren Bier. 2001 übernimmt die Binding-Brauerei die Marken- und Vertriebsrechte der Henninger Biere und bringt das Clausthaler Radler auf den Markt. Seit 2002 gehört das Unternehmen zur Radeberger Gruppe. Am Frankfurter Standort werden die Marken Binding, Henninger, Schöfferhofer Weizen und Clausthaler gebraut.

Die Radeberger Gruppe muss die Produktion in ihrer Brauerei in Frankfurt am Main einstellen.

Bier-Fans können aufatmen: Schließung der Radeberger-Produktion nicht im Supermarkt spürbar

Müssen Bier-Fans bald auf den Hopfensaft der Radeberger Gruppe verzichten? Nein. Auch das Binding-Bier wird weiterhin produziert und verkauft werden. Aber eben nur noch als Marke ohne eigene Brauereistätte. Die Biermengen sollen in andere der insgesamt 13 Produktionsstätten in Deutschland verlagert und dabei auch nicht reduziert werden.

Aufatmen für alle Fans von Biermarken der Radeberger Gruppe, ein leeres Getränke-Regal im Supermarkt droht, also vorerst nicht. Und was wird mit den rund 150 Mitarbeitern, die derzeit noch im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen arbeiten? Für die wolle man laut der Mitteilung des Konzerns eine „sozialverträgliche Lösung“ suchen.

Rubriklistenbild: © Engelhardt/Imago