Vorsicht vor Dämpfen

Strenge Regeln bei der Lagerung von Benzin und Diesel – Viele Orte sind tabu

Wer Benzin und Diesel zu Hause lagern will, muss bestimmte Regeln befolgen. Andernfalls drohen neben empfindlicher Geldstrafen sogar Lebensgefahr.

NRW – Ein Notvorrat an bestimmten Lebensmitteln ist sinnvoll, Hamsterkäufe hingegen sind oft umstritten. Doch welche Vorschriften gibt es für diejenigen, die nach dem Ablauf des Tankrabatts lieber ein bisschen Diesel oder Benzin in Reserve haben? Klar ist: Anders als beim Toilettenpapier oder bei Nudeln, sollte man beim Kraftstoff-Hamsterern einiges beachten (mehr News zu Auto und Verkehr auf RUHR24).

Dieselkraftstoff und MotorenbenzinGemische aus verschiedenen Kohlenwasserstoffen
UnterschiedDiesel enthält 13 Prozent mehr Kohlenstoffatome und ist dadurch dichter und schwerer

Lagerung von Benzin und Diesel unterliegt strengen Regeln

Sobald die Spritpreise hierzulande mal nicht in astronomische Höhen schnellen, sondern für kurze Zeit fallen, ist der Andrang groß. Wer nicht nur sein Auto oder sein Motorrad mit Kraftstoff versorgen will, bringt gerne auch mal einen oder mehrere Kanister mit.

Ein regelrechtes Kraftsoff-Arsenal darf man zu Hause allerdings nicht lagern. Zu groß sind die Risiken, die eine unsachgemäße Lagerung nach sich ziehen kann.

Kraftstoffe dürfen nur in unterschiedlichen Mengen in der Garage gelagert werden

Damit ein lebensgefährliches Desaster ausbleibt, gilt es beim Anlegen eines Kraftsoff-Vorrats einiges zu beachten. Zunächst dürfen „im eigenen Auto bis zu 60 Liter Kraftstoff in dafür vorgesehenen Behältern transportiert werden“, erklärt die Autozeitung (AZ).

Ist das wertvolle Gut sicher zu Hause angekommen, will der Stauraum gut überlegt sein. Schließlich darf Diesel laut der AZ in der heimischen Garage mit einer Größe von bis zu 100 Quadratmetern in Mengen von bis zu 200 Litern gelagert werden.

Benzin leichter entzündbar als Diesel – Sachgemäße Lagerung deshalb wichtig

Demgegenüber betrage die Höchstmenge für Benzin lediglich 20 Liter. Das liege an der höheren Entzündbarkeit von Benzin. Wie die Website Chemienet erklärt, verdampft Benzin leichter als Diesel.

Die Benzin-Dämpfe könne man dementsprechend bereits mit einem Zündholz entzünden, wohingegen Diesel erst beim Erhitzen entflammbare Dämpfe bildet. Wer Diesel und vor allem Benzin zu Hause lagern will, sollte sich darüber vorher im Klaren sein.

Um das Grundwasser zu schützen, sollte der Garagenboden in jedem Fall dicht sein, erklärt die Autozeitung. Ausgelaufener Kraftstoff könne schließlich „in den Boden sickern und so ins Grundwasser gelangen“.

In Tiefgaragen nur „unerhebliche Mengen“ Kraftstoff zulässig – Kanister müssen dicht sein

Bei der Lagerung in Tiefgaragen sind die Regularien noch strenger. Dort dürften laut der AZ nur „unerhebliche Mengen“ Kraftstoff gelagert werden. Wie das Versicherungsunternehmen ergo erklärt, dürfe man in Tiefgaragen also keinen „komplett gefüllten Reservekanister“ abstellen.

Umso wichtiger ist es, darauf zu achten, dass die genutzten Kanister sicher sind. Sie müssen entsprechend fest verschließbar, dicht und auch bruchsicher sein, weshalb die AZ die Nutzung metallener Benzinkanister empfiehlt. Laut Radiodresden könne die „Aufbewahrung der Gefahrgüter in ungeeigneten Behältern“ gar eine Strafe von 750 Euro nach sich ziehen.

Kunststoffkanister „zur Beförderung gefährlicher Güter“ dürfen laut dem Gesetzgeber nur bis zu 5 Jahre nach der Herstellung genutzt werden, weiß das Fachinformationsportal Wirtschaftswissen. Das Herstellerjahr erkenne man an der Verpackungscodierung.

Lagerung von Diesel und Benzin in Durchgängen und Dachräumen absolut tabu

Benzinkanister aus Kunststoff sind nicht immer völlig luftdicht und bergen deshalb die Gefahr, dass lebensgefährliche Dämpfe austreten können. Wie AZ weis, veränderen sich zudem auch die Kraftstoff-Eigenschaften.

Wie streng die Vorgaben für die Lagerung von Kraftstoffen sind, wird beim Blick auf diejenigen Orte deutlich, an denen die Aufbewahrung streng verboten ist. Dazu zählen laut der AZ einerseits öffentliche Durchgänge wie Treppenhäuser, Flure und Durchfahrten, andererseits Dachräume von Wohnhäusern.

Lagerung von Benzin und Diesel muss mit Vermieter abgesprochen werden – Kündigung möglich

Kurzum: An sensiblen Orten, „von denen eine besondere Gefahr ausgehen kann“, ist es verboten, Kraftstoffe wie Benzin und Diesel zu lagern. Doch wie sieht es mit den eigenen vier Wänden und im Keller aus?

Im gesamten Keller dürfen maximal 20 Liter Kraftstoff gelagert werden. Vor allem in Mehrfamilienhäusern will die Lagerung daher gut abgesprochen sein. In der Wohnung darf demgegenüber nur ein Liter Kraftstoff verstaut werden, wenngleich der Gesetzgeber hier laut der AZ „mehr an sogenanntes Waschbenzin als Fleckenwasser, also für Reinigungszwecke“ gedacht haben soll.

Maximal 20 Liter Kraftstoff darf man im Keller lagern.

Risiken und klare Vorgaben machen die Lagerung von Kraftstoffen in manchen Fällen überflüssig

Damit es zwischen Mietern und Vermietern nicht kracht, sollte die Lagerung von Benzin und Diesel ohnehin vor Mietbeginn abgesprochen werden – sei es im Mietvertrag oder in der Hausordnung. Wie die AZ berichtet, sei oftmals „die Lagerung von Kraftstoffen hier grundsätzlich untersagt“. Im schlimmsten Fall könne es bei Zuwiderhandlungen nach einer vergeblichen Aufforderung, die Lagerung zu unterbinden, sogar zu einer Kündigung des Mietverhältnisses kommen.

Entsprechend genau sollte man sich überlegen, ob und wenn ja, wie viel Kraftstoff man überhaupt lagern will. Wie inFranken berichtet, sei die Lagerung von Dieselkraftstoff wegen seiner geringen Haltbarkeit von wenigen Monaten in vielen Fällen unsinnig. Benzin halte sich demgegenüber zwar länger, allerdings sei der Nutzen einer Lagerung dieses Kraftstoffs wegen der höheren Risiken und der ohnehin geringen zugelassenen Menge zur Hortung überschaubar.

Rubriklistenbild: © Michael Bihlmayer/Imago

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