„Bar oder mit Karte?“

Bargeld vor dem Aus – Kunden haben nicht immer eine Wahl

Der Trend zum bargeldlosen Bezahlen kommt auch in Deutschland an. Doch es gibt Situationen, in denen Bargeld unverzichtbar bleibt.

Dortmund – In Dänemark gab es im Jahr 2022 keinen einzigen Banküberfall. Bargeld spielt im skandinavischen Land schon längst keine große Rolle mehr. Vielmehr gewinnt die Kartenzahlung an Bedeutung. Kommt der Wandel zum bargeldlosen Bezahlen auch in Deutschland an? Und welche Folgen könnte diese Entwicklung haben?

Abschaffung von Bargeld: Innenministerin Nancy Faeser fordert Bargeldobergrenze

Die Abschaffung von Bargeld hätte aus Sicht der Politik gleich zwei gute Gründe. So könnten Kriminelle ihre Vermögenswerte nicht mehr so leicht verschleiern. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) setzt sich daher für die Einführung einer allgemeinen Bargeldobergrenze von 10.000 Euro ein, teilt sie gegenüber der Bild mit.

Wenn eine Zahlung von über 10.000 Euro nur elektronisch bezahlt werden könnte, hätten die Behörden Transparenz über betreffende Kaufgeschäfte. So könnte illegal erworbenes Geld nicht mehr so leicht gewaschen und in Umlauf gebracht werden. In Frankreich gibt es bereits eine Bargeldobergrenze von 1.000 Euro für Einheimische.

In Deutschland müssen Bankkunden für Einzahlungen über 10.000 Euro bislang nur einen sogenannten Herkunftsnachweis vorzeigen. Ausreichend sind zum Beispiel Kontoauszüge, Quittungen oder Schenkungsverträge, wie die Sparkasse auf ihrer Website informiert. Eine Bargeldobergrenze gibt es allerdings noch nicht.

Bargeld vor dem Aus: Geschäfte geben Kunden manchmal keine Wahl

Wer durch unterschiedliche Geschäfte bummelt, der merkt schnell: Nicht an jeder Kasse kann mit Karte oder mit Bargeld bezahlt werden. Häufig geben Hinweisschilder Informationen darüber, welche Bezahlform bevorzugt wird oder gar möglich ist. Viele Einzelhändler sind während der Pandemie immer mehr auf kontaktloses Bezahlen umgestiegen.

Bezahlen in bar oder mit Karte? Manchmal wird einem die Entscheidung abgenommen.

Doch eine Auswahl an kontaktlosen Zahlungsmethoden ist noch längst nicht flächendeckend gegeben. Deutschland fährt in Sachen Bezahlung also eine mehrgleisige Strategie und will das Bargeld bislang noch nicht ganz verbannen.

Bargeld vor dem Aus: Wann es weiterhin „überlebenswichtig“ bleibt

Das belegt auch eine Studie der Deutschen Bundesbank. Barzahlung gilt immer noch als beliebteste Bezahlmethode in Deutschland. Sie hat auch weiterhin zahlreiche Vorteile. Denn wer bar bezahlt, bleibt vollkommen anonym. Bei Bezahlungsmethoden über digitale Anbieter wie Google Pay, Paypal oder Amazon Payments müssen persönliche Daten zwingend angegeben werden.

Zudem hat der flächendeckende Ausfall von Kartenlesegeräten im vergangenen Jahr gezeigt, dass Bargeld in manchen Fällen unverzichtbar bleibt. Geschäftsinterne Stromausfälle können zu ähnlichen Problemen führen. Wie ein RUHR24-Leser der Redaktion mitteilt, könnten es auch Cyberkriminelle auf Bezahlnetzwerke abgesehen haben und für einen Stillstand an den Kassen sorgen.

Viele Geschäfte stellen bereits auf Kartenzahlung um.

Dass Kriminelle nicht vor der Beschädigung systemrelevanter Infrastruktur Halt machen, hat zuletzt auch die Sabotage bei der Deutschen Bahn gezeigt. Der RUHR24-Leser hält die mehrgleisige Bezahlstruktur in Deutschland demnach für „überlebenswichtig“.

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