Bis Ende 2023

Hunderte Bank-Filialen schließen – mit Folgen für tausende Kunden

Bis Ende 2023 wird sich die Zahl der Bank-Filialen in Deutschland weiter dezimieren. Betroffen sind Geschäftsstellen der Postbank und der Deutschen Bank.

Deutschland/NRW – Bank-Kunden werden in Deutschland künftig deutlich weniger Anlaufstellen haben als aktuell. Bei der Postbank sollen bis Ende 2023 etliche Filialen dicht gemacht werden. Und auch der Mutterkonzern, die Deutsche Bank, plant für denselben Zeitraum viele Schließungen.

BankPostbank
HauptsitzBonn
GründerDeutsche Bundespost

Deutschland: Postbank schließt hunderte Filialen bis Ende 2023

Bis Ende 2023 soll die Anzahl der Postbank-Filialen von aktuell etwa 750 auf rund 550 sinken, sagte der Vertriebschef des deutschen Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, Philipp Gossow, am Dienstag (26. Oktober) im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Pro Jahr entspräche dies einem Abbau von 100 Filialen. Eigentlich hatte das Management der Deutschen Bank nur 50 Schließungen pro Jahr anvisiert. Das Schrumpfen des Filialnetzes der Postbank gehe damit deutlich schneller voran, als ursprünglich geplant war. Die Schließungen sollen in ganz Deutschland stattfinden, auch in Nordrhein-Westfalen.

Postbank: Schließungen betreffen vor allem die Innenstädte - 550 Filialen bleiben erst einmal

„Wir schließen überwiegend Filialen in Städten, sodass unsere Kunden immer noch eine Postbank-Filiale in der Nähe haben“, sagte Gossow und spricht damit hauptsächlich die Filialen in den Innenstädten an.

Und was passiert mit den 550 Filialen, die bis Ende 2023 bestehen bleiben? Für die gilt aktuell noch eine Standortgarantie bis 2024. Was danach mit ihnen passiert, ist ungewiss.

Mitarbeiter der schließenden Postbank-Filialen werden wohl ihre Jobs verlieren

Ebenso unklar ist, was mit den Mitarbeitern der schließenden Filialen passieren wird. Viele Beschäftigte an den Schaltern werden ihre Jobs wohl verlieren. Zum genauen Umfang der Stellenausschreibungen wollte sich Gossow nicht äußern. Der Abbau soll aber „sozialverträglich“ passieren - was auch immer das heißen mag. Bei der Wertpapierberatung und der Vermittlung von Ratenkrediten plane man hingegen eine Personalaufstockung.

Die Deutsche Bank hat entschieden: Weniger Filialen der Tochter Postbank bis Ende 2023.

Es kommen kaum noch Kunden in die Filialen der Postbank - deshalb müsse man reagieren

Grund für die Schließungen der Filialen sei das veränderte Verhalten der Kunden in Deutschland. „Die Kunden kommen weniger in die Filiale für tagtägliche Anliegen“, sagte Gossow. „Früher ist man für einen Kontoauszug oder eine Adressänderung in die Filiale gegangen. Heute machen viele unserer Kunden das im Internet oder mit der App.“

Ähnliches gelte auch für Dienstleistungen, die die Postbank anbietet: „Die Post baut ihr Angebot an Packstationen als Ergänzung zu den Filialen aus, Pakete nimmt auch der DHL-Bote entgegen“, sagt Gossow und erklärt damit, warum die Postbank bereits in den Vorjahren immer mehr Filialen geschlossen hat. Von den ehemals rund 1000 Standorten in Deutschland ist mittlerweile jeder Vierte dicht.

„Nicht jede Bankfiliale muss sich in bester Innenstadtlage befinden“ - Konzernchef rechtfertigt Schließungen

Dass Banken künftig in den Innenstädten gar keine Zukunft mehr haben werden, glaubt Gossow aber nicht: „Für beratungsintensive Finanzentscheidungen, wie etwa den Kauf eines Eigenheims oder die Anlage großer Geldbeträge, suchen die Kunden nach wie vor das persönliche Gespräch mit dem Bankberater oder der Bankberaterin.“

Allerdings könnten Banken in Zukunft anders aussehen als aktuell: „Nicht jede Filiale muss sich in bester Innenstadtlage befinden und einen SB-Automaten haben.“ So könnten Standorte, die ausschließlich Beratungen anbieten, künftig aus Beratungszimmern und Büros bestehen.  „Das ist auch viel günstiger“, ergänzt Gossow.

Schließungen auch bei der Sparkasse: Kreditinstitut macht Filialen auf dem Land dicht

Postbank und die Deutsche Bank sind nicht die einzigen Kreditinstitute in Deutschland, die ihr Filialnetz mit den Jahren verkleinern wollen. Auch die Sparkasse hat in den vergangenen Jahren viele ihrer Standorte geschlossen. Allerdings vermehrt auf dem Land und nicht in den Innenstädten. Mittlerweile haben einige Filialen nur noch einen SB-Automat und kein Beratungscenter mehr.

Wie auch die Postbank und die Deutsche Bank reagiert die Sparkasse damit auf das Verhalten ihrer Kunden: Immer weniger Personen würden eine persönliche Beratung wahrnehmen. Online-Banking sowie Telefonate seien hingegen deutlich gefragter.

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