Einsatz von umstrittenem Pestizid

Edeka reagiert auf Bananen-Protest vor Filiale: „Keine Alternative“

Die Banane ist das zweitbeliebteste Obst in Deutschland. Ihre Produktion unter Einsatz von Pestiziden ist umstritten. Insbesondere Edeka steht in der Kritik.

Dortmund – Vor einer Edeka-Filiale an den Hamburger Landungsbrücken hat es am 26. September Proteste wegen Bananen gegeben. 10,5 Kilogramm isst jeder Deutsche davon durchschnittlich im Jahr. Was steckt dahinter? RUHR24 hat bei Edeka nachgefragt.

PestizidMancozeb
Erste Zulassung1948 in den USA als Breitbandfungizid für die Landwirtschaft und den Gartenbau
Beschreibunggelber Feststoff mit Schwefelgeruch
HandelsnamenDithane, Manzeb

Edeka-Bananen in der Kritik: Pflanzenschutzmittel Mancozeb in der EU verboten

Die Demonstration kritisierten die Produktionsbedingungen für das beliebte Obst. Sie werfen dem Supermarkt vor, beim Anbau ihrer Bananen mit toxischen Pestiziden zu arbeiten. Es geht um den Stoff Mancozeb, der als Pflanzenschutzmittel 1948 in den USA zugelassen und viele Jahre für den Anbau von Obst und Gemüse weltweit genutzt wurde.

Inzwischen ist der Einsatz von Mancozeb in der gesamten EU wegen Gesundheitsbedenken verboten. Bis zum 4. Januar 2022 mussten die letzten Vorräte aufgebraucht werden. Nur in der Schweiz wurde die Aufbrauchfrist wegen eines Gerichtsverfahrens auf den 31. Mai 2022 verschoben.

In anderen Ländern gibt es noch kein Verbot. Zum Beispiel in Ecuador. Dort gilt eine Übergangsfrist bis 2024. Das umstrittene Mancozeb wird also weiterhin beim Anbau von Bananen eingesetzt. Bananen, die wiederum in Deutschland verkauft werden – unter anderem bei Edeka. Der Verkauf von den mit Mancozeb behandelten Produkten ist in Deutschland nicht verboten. Trotzdem gibt es Kritik daran.

Edeka nutzt Mancozeb bei Anbau von Bananen: Gesundheitsschäden für Mitarbeiter auf Plantagen

Eingesetzt wird Mancozeb, um die Blätter der Bananenpflanzen vor einem bestimmten Pilz zu schützen: Dem Black Sigatoka, der eine Blattfleckenkrankheit auslösen kann. Die klimatischen Bedingungen in Ecuador begünstigen seine Ausbreitung. Folgen sind starker Blattverlust der Pflanze, Ernteausfälle um bis zu 50 Prozent bis hin zum Absterben von Pflanzen.

Was die Pflanzen schützt, kann bei Menschen schlimme Gesundheitsschäden hervorrufen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft das Mittel als schädlich für die Fortpflanzung ein. Insgesamt identifiziert die Behörde sechs „critical areas of concern“. Dazu gehört auch, dass der Wirkstoff die Schilddrüse schädigt und Schilddrüsentumore hervorrufen kann. Es wird deshalb als hormonell wirksam eingeschätzt – für Mensch und Umwelt.

Kritik am Pestizid Mancozeb bei Bananen: Gesundheitliche Risiken für Verbraucher?

Diesem Risiko sind Menschen ausgesetzt, die in bestimmten Mengen damit in Kontakt kommen. Also zum Beispiel Arbeitskräfte, die auf den Plantagen angestellt sind oder Anwohner, die in der Nähe davon leben. Das Pflanzenschutzmittel wird mit Flugzeugen auf den Plantagen verteilt, gelangt in den Boden und in das Grundwasser. So wird es zur Gefahr für Menschen in der ganzen Region.

In Deutschland gelten für Pestizide Rückstandsregelungen, die Verbraucherinnen und Verbraucher schützen. Das heißt, Lebensmittel, die in deutschen Supermärkten angeboten werden, dürfen nur bestimmte Mengen an Pestiziden an oder in sich haben.

Pestizide werden oft mit dem Flugzeug über die Plantagen gestreut wie hier über einem Sojafeld in Brasilien.

Für Mancozeb läuft in der EU gerade noch ein Prozess, bei dem neu bestimmt werden soll, wie hoch die Rückstände des Pestizids bei importierten Lebensmitteln aus nicht EU-Ländern künftig sein darf. Die EFSA sieht keine Notwendigkeit, den bisher geltenden Wert von 2,0 Milligramm pro Kilogramm Bananen zu ändern. Im Vergleich: Für Knoblauch sprechen sie sich für Werte von 0.6 bis 0.9 aus, für Brokkoli zwischen 1 und 4.

Stellungnahme von Edeka zum Einsatz von Mancozeb auf Bananen-Plantagen

Edeka verteidigt den Einsatz von Mancozeb bei ihren Bananen aus Ecuador. Man sei sich der ökologischen und sozialen Risiken von Mancozeb sehr bewusst, nimmt die Supermarkt-Kette gegenüber RUHR24 Stellung.

Bisher gäbe es aber keine geeignete Alternative zu dem Pestizid, um die Blattkrankheit Sigatoka zu kontrollieren. Ohne Mancozeb „drohten existenzielle Ernteausfälle und somit dramatische Konsequenzen für die Produktionsländer und Akteur:innen entlang der Bananenlieferkette“, sagt das Edeka-Presseteam auf Nachfrage von RUHR24.

Deshalb habe die Rainforest Alliance die weitere Nutzung bis Mitte 2024 gestattet. Aber schon jetzt würden Farmen nach Alternativen suchen und das Pestizid würde nicht leichtfertig eingesetzt. Außerdem verweist Edeka auf laufende Strategien mit WWF, um den Einsatz von Pestiziden im Bananenanbau zu reduzieren. Nach eigenen Angaben konnte die toxische Belastung seit Projektstart 2014 auf den Feldern im Durchschnitt um 37 % gesenkt werden.

Fazit: Pestizid Mancozeb beim Anbau von Edeka-Bananen eingesetzt

Insgesamt lässt sich sagen, dass Edeka nicht der einzige Lebensmittelhändler ist, dessen Bananen beim konventionellen Anbau weiterhin mit Mancozeb behandelt und in Deutschland verkauft werden. Rückstände des Pestizids sind in der Schale und der Frucht bis zu bestimmten Grenzwerten erlaubt.

Aus Ecuador, Kolumbien und Costa Rica stammten 2012 laut dem Markt- und Preisbericht der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung rund 91 Prozent der nach Deutschland importierten Bananen. Auch in diesen beiden Ländern ist Mancozeb noch erlaubt.

Rubriklistenbild: © Silas Stein/ Michael Gstettenbauer/ Imago

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